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Masterstudium Bauingenieurwissenschaften – Konstruktiver Ingenieurbau

Sie treffen präzise Entscheidungen, wenn es um die Konstruktion und Bemessung von Beton-, Stahl- und Holzbauten geht. Sie wählen das Material für Hoch- und Brückenbauten aus und dimensionieren Bauteile. Aber Sie bauen Brücken auch im übertragenen Sinn, denn beim Konstruktiven Ingenieurbau sind Sie im Spannungsfeld von Politik, Gesellschaft, Umwelt, Wirtschaft und Wissenschaft tätig. Aktuell legen Digitalisierung und Klimawandel das Fundament, auf dem Sie als Bauingenieur bzw. Bauingenieurin das innovative und nachhaltige Potenzial Ihres Faches ausloten und vergrößern werden.

Ein Brücke für den Autoverkehr.

Eckdaten

  • Studiendauer: 4 Semester
  • ECTS-Anrechnungspunkte: 120
  • Abschluss: Diplom-Ingenieurin bzw. Diplom-Ingenieur (Dipl.Ing. oder DI), entspricht dem Master of Science (MSc)
  • Unterrichtssprache: Deutsch

Das Studium

Beton ist nicht gleich Beton. Ein Schwerpunkt im Studium liegt auf dem Konstruieren und Bauen mit ultrahochfestem Beton (Ultra High Performance Concrete, UHPC). Dieser Werkstoff zeichnet sich durch besonders hohe Dichtigkeit und Festigkeit aus und ermöglicht es, innovative Konstruktionen im großen Maßstab zu realisieren. Im Studium lernen Sie, UHPC für Bauprojekte zu bemessen und anzuwenden. Weitere innovative Hochleistungsbetone, wie Carbonbeton, oder neuartige Verfahren wie der 3D-Betondruck werden in aktuellen Projekten erforscht.

Ein zweiter thematischer Fokus ist auf das Verhalten von Stahlbeton gerichtet. Das Studium befähigt Sie, das Tragverhalten dieses Materials mechanisch konsistent zu erfassen und berechnen. Hierbei werden auch ganzheitliche Strukturanalysen mit der Finiten-Elemente-Methode (FEM) eingesetzt. Dazu stehen moderne FEM-Programme und Bemessungstools zur Verfügung, darunter SOFiSTiK und INCA. Diese Tools bilden die Grundlage dafür, künftige Tragwerksanalysen mit 3D-Gesamtmodellen durchzuführen. In aktuellen Forschungsprojekten werden praxisgerechte Bemessungsverfahren entwickelt, um die Zwangsbeanspruchung von Stahlbetonteilen realistisch zu erfassen. Ein weiteres Forschungsthema sind Bemessungsmodelle, die fugenlose Betonbauwerke im Hoch- und Brückenbau oder beispielsweise bei Schleusen für Schifffahrtswege ermöglichen. Diese Modelle kommen in internationalen Bauprojekten bereits zum Einsatz.

Ein zunehmend wichtiger Schwerpunkt des Faches liegt in der interdisziplinären Forschung an nachhaltigen Bauweisen mit Hilfe digitaler Methoden und anwendungsorientierter Materialforschung. Das Roboter-Design-Labor, das gemeinsam mit der Fakultät für Architektur betrieben wird, ermöglicht es, die innovative Verwendung neuer Technologien und Materialen zu erproben. Mit der Concrete Student Trophy werden jährlich innovative interdisziplinäre Studierendenprojekte ausgezeichnet, die Leistungen der Architektur und des Konstruktiven Ingenieurbaus miteinander verbinden.

Curriculum

Semesterplan

Inhaltliche Schwerpunkte

In drei Pflicht- und drei Wahlmodulen erwerben Sie Qualifikationen und Kompetenzen, die Sie befähigen, Hoch- und Brückenbauten sowie verwandte bauliche Anlagen zu berechnen, konstruktiv auszulegen und betrieblich instand zu halten.

In den ersten beiden Semestern vertiefen Sie Ihr Ingenieurwissen in drei Pflichtmodulen:

  1. Bemessung im Beton-, Holz-, Stahl- und Verbundbau: Sie lernen unter anderem, komplexe Tragwerke mit unterschiedlichen Materialien zu modellieren, bemessen und optimieren sowie deren Trag- und Steifigkeitsverhalten zu erfassen.
  2. Vertiefende und numerische Mechanik: Im Zentrum stehen statische und dynamische Modelle für Flächentragwerke und dreidimensionale Kontinua, um die Stabilität eines Bauwerks zu beurteilen. Dabei spielen Finite-Elemente-Methoden (FEM) eine zentrale Rolle.
  3. Werkstoffe und Hochbauplanung: Sie lernen unter anderem, bei tragenden Bauteilen die bauphysikalisch optimalen Werkstoffe einzusetzen, gebäudetechnische Anlagen bestmöglich zu integrieren und bei Bedarf versuchsgestützte Methoden anzuwenden.

Im Studium haben Sie die Möglichkeit, in drei von sechs Wahlmodulen individuelle Schwerpunkte zu setzen. Folgende Module stehen zur Auswahl:

  1. Simulation und Mechanik: Das Modul vermittelt die Kompetenz, Bauwerksentwürfe in physikalisch korrekten Modellen abzubilden und geeignete Tragwerksmodelle festzulegen, die auch komplexe Effekte berücksichtigen.
  2. Ingenieurbau: Ein Schwerpunkt liegt auf der Bemessung und Konstruktion von Brücken sowie auf dem Einsatz von ultrahochfestem Beton (UHPC).
  3. Hochbau: Das Modul umfasst Aspekte vom Fassaden- und Glasbau über Gebäudetechnik, Leichtbau und Mauerwerksbau bis hin zu Schallschutz und Akustik.
  4. Planung, Konstruktion und Detailbemessung: Sie lernen unter anderem, Entwürfe in baubare Tragkonstruktionen überzuführen und die richtigen Materialen dafür auszuwählen. Dabei können Sie sich ins Building Information Modeling (BIM) vertiefen.
  5. Bauwerksmonitoring und Instandhaltung: Das Modul befähigt Sie, Bauschäden zu erkennen und Sanierungen am Stand der Technik zu veranlassen.
  6. Werkstoffe und Nachhaltigkeit: Im Zentrum des Moduls steht das Life-Cycle-Management von Bauprodukten und Bauprojekten.

Ab dem 3. Semester werden Lehrveranstaltungen im Labor für Konstruktiven Ingenieurbau angeboten. Auch das benachbarte Bautechnikzentrum BTZ mit seinen Labors zur Prüfung von Werkstoffen, Bauteilen und Konstruktionen ermöglicht eine praxisnahe Hochschullehre am Stand der Forschung.
Im 3. Semester absolvieren Sie ein Masterprojekt, und im 4. Semester schreiben Sie die Masterarbeit, die inhaltlich einem der Pflicht- oder Wahlmodule zuzuordnen ist.

Zulassung zum Studium

1. Zulassungsvoraussetzungen

Die Aufnahme von Absolventinnen und Absolventen des Bachelorstudiums Bauingenieurwissenschaften und Wirtschaftsingenieurwesen an der TU Graz erfolgt ohne weitere Auflagen.

Absolventinnen und Absolventen anderer Bachelorstudien können sich unter studienservicenoSpam@tugraz.at zur Zulassung informieren und bewerben.

2. Zulassung

 

Berufsperspektiven

Berufsfelder

Die Breite des Wissensgebiets und die rasche technologische Entwicklung der verschiedenen Disziplinen des Gebietes verlangen von den Absolventinnen und Absolventen hohe fachliche Kenntnisse und ausgeprägte soziale und wirtschaftliche Kompetenzen. Als Bauingenieur bzw. Bauingenieurin verfügen Sie über ein fundiertes, interdisziplinäres und kritisches Verständnis auf dem aktuellen Stand des Wissens. Branchentypische Arbeitgeber sind:

  • Ingenieurbüros,
  • Baufirmen,
  • Behörden,
  • Industriebetriebe (insbesondere Bauproduktehersteller),
  • Bau-Consultingfirmen.

Aber auch andere Institutionen und Unternehmen, die Infrastrukturen planen, bauen und erhalten, sind häufige Arbeitgeber, zum Beispiel:

  • Unternehmen der Energiewirtschaft,
  • Telekommunikationsbetreiber,
  • Bahnbetreiber,
  • Versicherungen,
  • Einrichtungen der Entwicklungshilfe.

Darüber hinaus kann Ihnen das Studium eine Karriere im Bereich der Forschung und Lehre eröffnen.