Ich bin Marvin, Erasmus-Student in Turin, und mein Wunsch war es, neue Orte kennenzulernen. Nicht nur die klassischen Reiseziele, sondern vor allem kleinere Städte mit ihrem ganz eigenen Charme. In meinem abschließenden Blog über mein Auslandssemester am Politecnico di Torino möchte ich euch auf meine Reisen mitnehmen und euch persönliche Empfehlungen geben.
Novara
Mein erster kleiner Ausflug führte mich im Februar nach Novara. Novara ist eine Stadt mit etwa hunderttausend Einwohner*innen und liegt zwischen Turin und Mailand. Ich muss gestehen, ich verliebte mich umgehend in diesen Ort. Für viele wahrscheinlich unscheinbar und klein, für mich aber ein Geheimtipp zwischen den Metropolen. Schöne Altstadt, kleine Highlights, wie die Basilica di San Gaudenzio oder das Castello di Novara und sehr freundliche Menschen. Man entkommt dem Trubel der Großstadt und kann ein schönes Plätzchen Italiens erkunden, ganz ohne Tourist*innen. Zudem konnte ich erstmals einen richtigen Karneval sehen. Zwar nicht so groß wie in Venedig, aber dennoch eine eindrucksvolle neue Erfahrung, zu sehen, welch besonderes Ereignis dieses Fest ist und wie viel stimmungsvoller und traditionsreicher es hier im Vergleich zu Österreich gefeiert wird. Abgerundet habe ich den Ausflug mit einem Fußballspiel des FC Novara, dem italienischen Drittligisten, wo zufälligerweise auch ein Freund von mir spielte.
Milano
Mailand muss man zumindest einmal im Leben gesehen habe – während meines Auslandssemesters war ich zumindest vier Mal Gast in la capitale della moda. Zu groß ist die Stadt um alles gesehen zu haben und ja, natürlich hat Mailand eine eigene Magie. Zu eindrucksvoll sind die Hotspots rund um den Mailänder Dom, die Galleria Vittorio Emanuele II oder das Castello Sforzesco. Für Fußballfans ist natürlich auch das San Siro ein Must-See und ich kann dies nur bestätigen – in meinen Augen das beste Fußballstadion Europas. Ich bekam Gänsehaut, als fünzigtausend Italiener*innen beim Länderspiel gegen Deutschland, das ich besucht habe, ihre Hymne wortwörtlich herausbrüllten. Leider habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass die Stadt nie wirklich zur Ruhe kommt. Egal zu welcher Tageszeit, überall sind Menschenmassen unterwegs, vor allem rund um die historischen Sehenswürdigkeiten. Nach einem langen Tag voller Besichtigungen ist man anschließend richtig froh, wieder zuhause zu sein.
Sanremo
Erstmals ans Meer ging es für mich im März. Meine Wahl fiel dabei auf Sanremo, dass den meisten Menschen durch das Sanremo Festival ein Begriff ist. Sanremo ist definitiv mehr als das Festival und bietet sich aufgrund kostengünstiger alberghi in der Innenstadt für einen Kurztrip für Studierende an. Auch wenn die ligurische Küstenstadt nur drei Stunden mit dem Flixbus südlich von Turin liegt, fühlte ich mich wie im Süden. Die schöne Strandpromenade, der lange Hafen, sowie die die verwinkelte und teils sehr noble Innenstadt La Pigna laden zu langen Spaziergängen ein. Ein besonderer Ort ist die Santuario Diocesano, von der man einen Blick über ganz Sanremo hat. Von mir gibt es eine klare Reiseempfehlung für Sanremo!
Padova
Ebenfalls eine Reiseempfehlung gibt es für mich für Padua. Nur einen Katzensprung von Venedig entfernt liegt eine Stadt mit einem eigenen Flair. Besonders bekannt ist Padua für den Prato della Valle, einen der größten Plätze Europas, und als lebendige Studierendenstadt mit einem gepflegten, historischen Zentrum. Es gibt viele schöne Bars, gute Restaurants und zahlreiche Möglichkeiten zum Einkaufen. Wir haben auch das medizinische Museum besucht, das sehr interessant und anschaulich gestaltet ist. Rückblickend muss ich sagen, dass Padua von all den Orten, die ich auf meiner Reise gesehen habe, derjenige ist, an dem ich mir am ehesten vorstellen könnte, zu leben. Die Stadt versprüht einfach einen ganz besonderen Charme.
Como
In Como habe ich gemischte Eindrücke gesammelt. Auch hier verbrachte ich ein Wochenende und muss ehrlich sagen, dass ich den Hype nur bedingt nachvollziehen kann. Der Blick auf den Comer See, umgeben von eleganten Villen, ist zweifellos beeindruckend und erinnert an Szenen aus einem italienischen Filmklassiker. Ebenso laden die verwinkelten Gassen mit ihren zahlreichen edlen Restaurants und Bars zum Verweilen ein. Allerdings trüben die Menschenmassen, Millionen Touristen in einem vergleichsweise kleinen Ort, mit Schlangen selbst vor den gelaterias, das Erlebnis deutlich. Auch die Altstadt wirkt, zumindest im Vergleich zu anderen italienischen Städten, eher durchschnittlich. Wie es in den umliegenden Orten am See aussieht, kann ich nicht beurteilen. Ich vermute jedoch, dass es dort deutlich entspannter zugeht.
Firenze
Ich kann gut verstehen, warum Florenz für viele ganz oben auf der Liste der schönsten Städte Europas steht. Die Highlights dieser Stadt sind kaum an zwei Händen abzuzählen. Angefangen bei der beeindruckenden Kathedrale, die vor allem abends besonders sehenswert ist, über die Ponte Vecchio, eine der ältesten Bogenbrücken der Welt, bis hin zum Piazzale Michelangelo, von dem man einen grandiosen Blick über die ganze Stadt hat. Es lohnt sich, einfach ohne Karte loszuziehen – an jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken. Und obwohl Florenz gut besucht ist, sind die Seitengassen größtenteils ruhig und laden zum Verweilen ein. Ein kulinarischer Geheimtipp von mir: die Pizzeria Spera. Eine kleine Pizzeria am Stadtrand mit nur sieben Tischen – schnell, preiswert und absolut lecker.
Santander
Mit dem Zug von Turin nach Bergamo, Hin- und Rückflug für nur vierundsechzig Euro, ein kostengünstiger und ereignisreicher Besuch bei einem Freund, der sein Erasmus-Semester in Spanien verbringen durfte. Wer sich von euch für einen Erasmus-Aufenthalt in Santander beworben hat: Herzlichen Glückwunsch, goldrichtige Entscheidung, ich liebte die Stadt und die Mentalität.
Die wichtigste Schule in der Hauptstadt Kantabriens ist dort übrigens nicht etwa die Universidad de Cantabria, sondern logischerweise die Surfschule. Surfen war für mich eine völlig neue Erfahrung, die ich wirklich jedem nur empfehlen kann.
Was Santander neben wunderschönen Stränden noch zu bieten hat? Die wohl beste Paella Spaniens, günstige Tapas an jeder Ecke und sogar die Sommerresidenz der spanischen Königsfamilie, die Palacio de la Magdalena. Und nicht zu vergessen: unzählige Bars, in denen bis in die frühen Morgenstunden gefeiert wird.
Zürich
Wenn man Zürich hört, sind die Erwartungen natürlich groß. Auch ich habe mir viel versprochen und wurde am Ende aber leider enttäuscht. Echte Highlights blieben aus, und die Preisstruktur ist selbst für Schweizer Verhältnisse ziemlich hoch. Zürich ist zweifellos eine gepflegte Stadt mit einem schönen See, keine Frage. Aber einmal gesehen reicht völlig aus, und so sind wir nach nur drei Stunden wieder abgereist.
Basel
Basel hingegen hat mein Herz gewonnen! Der Grund meiner Reise war das Finale des Eurovision Song Contest, das aus österreichischer Sicht nicht besser hätte laufen können. Basel besticht durch eine gepflegte, historische Innenstadt, viele nette Cafés und Bäckereien, sowie eine durchweg positive Stimmung in der ganzen Stadt. Der Blick auf den Rhein rundet das Bild ab und macht Basel zu einem absolut sehenswerten Ort.
Vicenza
Vicenza ist eine Stadt, die etwas unter dem Radar fliegt, aber alles bietet, was man für einen schönen und auch romantischen Städtetrip braucht. Die historische Innenstadt ist schön und sauber, mit netten Cafés an jeder Ecke. Rund um die Basilica Palladiana gibt es romantische Restaurants und schöne Bars. Außerdem gibt es einige interessante Ausstellungen und regelmäßige familiäre Veranstaltungen – wie zum Beispiel das Buchfestival, welches während meines Aufenthalts stattfand.
Die Lage der Stadt ist zudem ideal für Ausflüge in die Region: Verona, Padua oder der Gardasee sind mit dem Zug schnell erreichbar. Einziger Kritikpunkt ist das große Gefälle zwischen der charmanten Innenstadt und den äußeren, teils unsauberen Stadtteilen.
Verona
Verona ist gut mit dem Zug erreichbar und definitiv einen Besuch wert. Besonders beeindruckend ist die spektakuläre Arena. Sehr gerne hätten wir dort eine Veranstaltung erlebt. Ein Geheimtipp: Eintrittskarten für die Arena online kaufen, man spart sich nicht nur ein paar Euro, sondern auch noch eine lange Wartezeit. Die Stadt an sich bietet viele schöne Straßen mit kleinen, sehenswerten Hotspots wie der berühmten Casa di Giulietta oder der lebhaften Piazza Bra. Verona sollte man zumindest einmal gesehen haben.
Modena - Bologna
Auf meiner Reise habe ich einen kurzen Stopp in Modena und Bologna eingelegt.
Modena hat mich sofort mit seiner ruhigen Atmosphäre begeistert. Alles lässt sich bequem zu Fuß erkunden und besonders schön fand ich den Piazza Grande mit dem beeindruckenden Dom sowie die kleinen Gassen, in denen man entspannt bummeln kann. Die Stadt wirkte angenehm entspannt und hinterließ einen sehr positiven Eindruck.
In Bologna sind die wichtigsten Sehenswürdigkeiten ebenfalls fußläufig erreichbar: die Piazza Maggiore mit dem Fontana del Nettuno, die Basilika San Petronio und die berühmten zwei schiefen Türme (Asinelli und Garisenda). Allerdings war die Stadt deutlich voller, die Touristenmengen überall spürbar und der große Wow-Effekt wollte sich nicht so richtig bei mir einstellen, auch wenn die historische Kulisse natürlich sehr sehenswert ist.
Gargnano
Zum Abschluss meines Erasmus-Semesters ging es mit meiner Freundin an den Gardasee. Die Anreise ohne Auto ist zwar ziemlich herausfordernd, da jede Buslinie rund um den Gardasee „202“ heißt und die Fahrpläne grundsätzlich chaotisch sind. Umso schöner war jedoch der Aufenthalt, und wer wirklich zur Ruhe kommen und den Charme des Gardasees genießen möchte, ist in Gargnano genau richtig. Wir wohnten im Albergo Gargnano, direkt am kleinen Hafen, und hatten ein Zimmer mit Seeblick. Das lohnt sich dort wirklich, denn der Ausblick ist einfach bezaubernd. Es gibt einige nette Restaurants direkt am Wasser, und es lohnt sich, die verschiedenen Fischgerichte zu probieren. Außerdem findet man zahlreiche kleine, öffentliche Strände.
Du möchtest noch mehr Reisetipps für Italien aus einer anderen Perspektive? Dann schau dir Karins Blog „Erasmus+ in Padua: 8 Reisetipps für Italien” an.
Und falls du bereits davon überzeugt bist, ein Semester in Italien (oder einem anderen europäischen Erasmus+-Ziel) verbringen zu wollen, schau dir die Seite „ERASMUS+ Studienaufenthalte – Europa” im Intranet TU4U an für die nächsten Schritte auf dem Weg zu deinem nächsten Abenteuer!





