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Lernen, mit KI zu lernen - Von der Idee zur Unite!- Workshop-Reihe

Von Samuel Grausgruber | 05.02.2026
Bildquelle: Simon Kuro

Wie können Studierende KI nutzen, damit Lernen effizienter, motivierender, fairer und kreativer wird? Damit beschäftigte sich das Unite! Seed Fund Projekt EmpowerAI.

Die Grundlage des Unite! Seed Fund Projekts EmpowerAI, bei dem ich als Studierender der TU Graz involviert war, entstand beim Unite! Seed Fund Ideathon 2024 in Graz. Vier Studierende von drei Unite!-Universitäten entwickelten dort gemeinsam eine Vision: Künstliche Intelligenz soll im Studium nicht nur ein Werkzeug sein, sondern ein Lernpartner – und Studierende sollen lernen, mit KI zu lernen, statt sie nur zu verwenden.

Aus dieser Idee wurde ein gefördertes Projekt, koordiniert von Yuchen Fan (Politecnico di Torino) mit Unterstützung von Silvia Gomez und Daniel Cabrerizo (UPC Barcelona) sowie von mir von der TU Graz. Im Jahr 2025 fanden somit drei Workshops statt – in Turin, Graz und Barcelona. Alle folgten demselben Ansatz: ein zugänglicher, reflexiver und inklusiver Einstieg in das Lernen mit KI.

Der aktuelle Unite! Seed Fund Call für Studierendenorganisationen ist bis zum 8. März 2026 geöffnet. Detaillierte Informationen sind auf der Website „Unite! Seed Fund 2026: OPEN CALL" zu finden.

EmpowerAI an der TU Graz

Der Workshop an der TU Graz fand genau zu Beginn des neuen Studienjahrs statt und brachte rund zwanzig Studierende unterschiedlichster Fachrichtungen zusammen. Den Auftakt bildete eine Keynote von Benedikt Brünner vom Institut für Human-Centred Computing der TU Graz, der zu innovativen Lehrformaten rund um künstliche Intelligenz forscht und aktuelle Entwicklungen im Spannungsfeld von KI und Bildung einordnete.

In den anschließenden Sessions arbeiteten wir praxisnah zu drei Themen:

  • effektives Prompting,
  • ethische Fragen rund um KI,
  • sowie digitale Organisation und Lernstrategien.

Eine grundlegende Erkenntnis zog sich durch viele Diskussionen: Die meisten Studierenden nutzen KI bereits im Studienalltag – vor allem für Recherche oder Schreibaufgaben. Deutlich seltener wird sie jedoch als kreatives oder experimentelles Lernwerkzeug eingesetzt.

Die Workshopreihe „EmpowerAI basiert auf dem Konzept der Algorithmic Efficacy – also der Kombination aus praktischen Fähigkeiten und dem Selbstvertrauen, KI sinnvoll für die eigenen Lernziele einzusetzen.

Didaktisch orientierte sich der Workshop an den Prinzipien des Universal Design for Learning (UDL): klare Strukturen, mehrere Zugangswege und Übungen, die für unterschiedliche Vorkenntnisse geeignet sind.

Samuel als einer der Speaker in den Workshops. (Bildquelle: Simon Kuro)
 

Kreativität als Zugang: die Prompt-Stand-up-Übung

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Übung Prompt Stand-up. Dabei sollten wir KI mit bewusst ungewöhnlichen, humorvollen Aufgaben konfrontieren, etwa:

  • Explain quantum physics as if Gordon Ramsay was yelling in the kitchen.“ (Erkläre Quantenphysik so, als würde Gordon Ramsay die Küche zusammenbrüllen.)
  • Explain the French Revolution as a football commentary.“ (Beschreibe die Französische Revolution wie einen Fußballkommentar.)
  • Explain programming loops as a Harry Potter spell.“ (Erkläre Programmierschleifen wie einen Zauberspruch von Harry Potter.)

Der Raum reagierte mit Lachen – aber auch mit echter Überraschung. Für viele war es das erste Mal, KI bewusst kreativ einzusetzen. Genau dieser spielerische Zugang senkte die Hemmschwelle spürbar: Anfänger*innen trauten sich schneller zu experimentieren, erfahrene Nutzer*innen brachen aus eingefahrenen Nutzungsmustern aus.

Die Übung machte deutlich, wie sehr Kreativität beim Prompting Lernprozesse auflockern, motivieren und zugänglicher machen kann.

Kreative Prompting-Ansätze und Interaktivität können Lernprozesse auflockern und zum Lernen motivieren. (Bildquelle: Simon Kuro)
 

Benefits und Ausblick

EmpowerAI“ hat mir verdeutlicht, dass Lernen mit KI weit über den Erwerb technischer Fähigkeiten hinausgeht. Im Mittelpunkt stehen vielmehr Neugier, Offenheit und die Bereitschaft, neue Formen des eigenen Lernens zu erproben. Diese Perspektive prägt auch meine weitere akademische Arbeit und bildet eine inhaltliche Grundlage meiner Masterarbeit.

Die Teilnahme am Unite! Seed Fund Projekt war für mich weit mehr als ein weiteres Uni-Projekt. Sie bot mir die Möglichkeit, eine eigene Idee gemeinsam mit Studierenden verschiedener europäischer Universitäten zu entwickeln und umzusetzen.

Ein zentraler Lerngewinn war die Übernahme von Verantwortung innerhalb eines internationalen Projektteams. Die inhaltliche Konzeption, das Auftreten als Speaker im Ausland sowie die Planung, Moderation und Durchführung eines gesamten Workshoptages in Graz waren für mich besonders wertvolle Erfahrungen.

Ebenso prägend war die Zusammenarbeit mit internationalen Speakerinnen und Speakern. Das Einladen externer Expert*innen sowie die inhaltliche Abstimmung haben mir wichtige Erfahrungen im Bereich professioneller Bildungs- und Veranstaltungsarbeit vermittelt.

Ich würde anderen Studierenden eine Teilnahme am Unite! Seed Fund definitiv empfehlen. Vor allem jenen, die eigene Ideen aktiv mitgestalten, Verantwortung übernehmen und internationale Zusammenarbeit in Projekten erleben möchten. EmpowerAI hat mir gezeigt, welches Potenzial entsteht, wenn Studierende Gestaltungsspielraum erhalten und aktiv in die Umsetzung eingebunden sind.

Sowohl das Projekt EmpowerAI als auch die Umsetzung der internationalen Workshop-Reihe wären ohne die Förderung durch den Unite! Seed Fund nicht realisierbar gewesen. Die Förderung hat es ermöglicht, eine studentische Idee nachhaltig weiterzuentwickeln, praktisch umzusetzen und über die Projektlaufzeit hinaus fortzuführen.

Aktuell werden die Ergebnisse des EmpowerAI-Projekts in einem gemeinsamen Bericht zusammengeführt. Gleichzeitig fließen die in diesem Projekt gewonnenen Erkenntnisse direkt in meine Masterarbeit ein, in deren Rahmen ich an NextQuest arbeite – einem spielerischen KI-Tutor für Schüler*innen.

Weitere Infos zu allen Möglichkeiten, die dir Unite! im Rahmen deines Studiums bietet, findest du im Intranet TU4U unter „Unite! – Studieren am Europäischen Campus“.
 

Samuel Grausgruber studiert Informatik und Digitale Bildung an der TU Graz sowie Sport und Bewegung auf Lehramt an der Uni Graz. Er beschäftigt sich im Rahmen seiner Masterarbeit mit KI-gestütztem Lernen, Gamification und digitaler Bildung.
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