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TU Graz/ Studium/ International studieren/

Von Daniel Fruhwirt | 10.02.2026
Gruppenbild mit Studierenden der Summer School 2025 in Wroclaw. (c) Daniel Fruhwirt

Vier Praxisbeispiele innerhalb der Unite! Hochschulallianz, ein Zusammenschluss von neun führenden technischen Universitäten aus neun verschiedenen europäischen Ländern, zeigen den Erfolg und Mehrwert von internationalen Lehrkonzepten.

Was internationale Lehre wirklich ausmacht, geht über Sprachkompetenz und internationale Vernetzung hinaus: Sie erweitert Horizonte und schafft neue Perspektiven - für Lehrende und Studierende.

Was bringt eine internationale Lehrkooperation?

In internationalen Lehrveranstaltungen sammeln Studierende wertvolle Erfahrungen im Austausch mit Gleichaltrigen anderer Universitäten und durch das Lernen und Arbeiten in internationalen Teams. Speziell letzterer Punkt stellt eine Umgebung dar, in der sie sich im späteren Berufsleben wieder finden werden. Meine bisherigen Erfahrungen mit Studierenden in internationalen Kursen zeigen deutlich, dass diese durch das gemeinsame Lernen wesentlich aufgeschlossener und offener gegenüber neuen Herausforderungen und neuen Ansprechpartner*innen sind und sich rascher auf ein neues Arbeitsumfeld einstellen können. Dies sind Eigenschaften, die jeder international agierende Arbeitgeber sucht.

Für mich als Lehrperson ist es zudem inspirierend, die jungen Studierenden bei der gemeinsamen Bearbeitung von Projekten zu begleiten. Die unterschiedlichen Charaktere, Vorerfahrungen, Herangehensweisen und kulturellen Unterschiede verdeutlichen die unterschiedlichen Anforderungen von Studierenden, liefern unbezahlbares Feedback für die eigene Lehre und fördern das Verständnis für Diversität.

Der Austausch mit Lehrenden anderer Universitäten brachte mir persönlich zudem wertvollen Input und andere Sichtweisen - besonders in Hinblick auf die eigenen Lehrveranstaltungen und führte auch oft zu neuen Projektideen.

Summer School on Safety of Underground Transport Infrastructure 2024 in Darmstadt. Bildquelle: Daniel Fruhwirt

Was braucht es, um international zu lehren?

Die Entwicklung einer neuen internationalen Lehrveranstaltung benötigt aus meiner Sicht vier wesentliche Punkte:

  • Begeisterung für die Lehre
  • Eigenengagement
  • Die Idee für ein innovatives Lehrkonzept
  • Ein gleich-/ähnlich- gesinntes Gegenüber an einer Partneruniversität

Der wichtigste Faktor ist die eigene Motivation, eine attraktive, nachhaltige Lehre mit Mehrwert anzubieten. Das Feedback der Studierenden liefert auch die Motivation die Lehrveranstaltungen ständig weiterzuentwickeln und zu verbessern. Bei der Neukonzipierung von internationalen LVs ist zudem ein motiviertes Gegenüber an der Partneruniversität ein extremer Vorteil. In meinem Fall kannte ich einen Kollegen des Politecnico di Torino durch meinen mehrmonatigen Auslandsaufenthalt in Turin. Die Idee für eine gemeinsame LV war rasch geboren und das gemeinsam entwickelte didaktische Konzept hat sich sofort bewährt und wurde bereits auf andere LVs übertragen.

Didaktisches Konzept

Die angebotenen Lehrveranstaltungen führe ich entweder vollständig online oder hybrid durch. Dabei erfolgt der Theorieinput in Online‑Sessions, der praktische Teil vor Ort an einer Partneruniversität. Dies steigert die Effizienz der Vor‑Ort‑Tätigkeiten und spart Ressourcen.

Ziel während der Online-Sessions ist es, an das jeweilige Thema heranzuführen, die Grundlagen zu vermitteln, aber auch das Vorwissen der Studierenden abzufragen und gegebenenfalls Ergänzungs- oder Auffrischungsinhalte anzubieten. In den Praxisteilen bearbeiten kleine Teams (maximal 5 Studierende) konkrete Projektaufgaben, wie zum Beispiel die Risikoanalyse für einen Unfall mit einem wasserstoffbetriebenen Fahrzeug. Die Teams werden aus Studierenden unterschiedlicher Universitäten und Fachrichtungen zusammengestellt. Ein wichtiges Element der Gruppenarbeiten ist meiner Meinung nach, dass jedem Studierenden eine konkrete Verantwortung (z. B. Gesamtprojektleiter*in) übertragen wird. Dies hat sich als äußerst zielführend erwiesen. Den Abschluss der Projektarbeiten stellt die gegenseitige Projektvorstellung aller Teams samt Diskussionsrunde dar.

Konkrete Beispiele der Umsetzung

Mein aktuelles LV-Portfolio umfasst vier internationale Lehrveranstaltungen:

  • Tunnel Ventilation and Safety (TU Graz, Politecnico di Torino, externe Vortragende aus der Industrie)
  • Summer School on Safety of Underground Transport Infrastructure (Wroclaw University of Science and Technology, TU Darmstadt, Politecnico di Torino, TU Graz)
  • Hydrogen Safety in mobile Applications (Politecnico di Torino, Universitat Politècnica de Catalunya, TU Graz)
  • Environmental Impact of Road Traffic (TU Graz, KTH Stockholm)

Präsentation von Studierenden im Rahmen der gemeinsamen Lehrveranstaltung „Hydrogen Safety in Mobile Applications“ in Zusammenarbeit mit dem Politecnico di Torino und der Universitat Politècnica de Catalunya. Bildquelle: Daniel Fruhwirt

Sie finden konkrete Informationen zur Planung und Umsetzung kollaborativer Lehre im Unite! Online Toolkit.

Persönliche Vorteile und Studierendenfeedback

Generell ist ein Auslandsaufenthalt immer ein besonderes Highlight und bietet neben der Kursteilnahme natürlich auch die Möglichkeit, neue Leute, Kulturen und Städte kennenzulernen. Die Zusammenarbeit vor Ort erlebe ich als deutlich effizienter, da die direkte persönliche Kommunikation innerhalb und zwischen Teams einfacher gelingt.

Während der Kurs Tunnel Ventilation and Safety als reiner Onlinekurs konzipiert ist, finden die Summer School und der Kurs Hydrogen Safety in mobile Applications in hybrider Form statt. Hier zeigen sowohl die persönlichen Beobachtungen bezogen auf die Projektergebnisse der Studierendenteams, als auch das Studierendenfeedback, dass die hybride Form bevorzugt wird.

Hybride Kurse können als Erasmus+ Blended Intensive Programmes (BIP) konzipiert werden. Lehrende erhalten nach erfolgreicher Beantragung finanzielle Mittel zur Entwicklung und Durchführung ihres Kurses. Mehr Informationen zu BIPs

Ein weiterer von Studierenden besonders geschätzter Aspekt sind externe Gastvorträge von Industriepartnern. Sie lockern die theorielastigen Inputphasen auf und verdeutlichen zugleich die hohe Praxisorientierung der Lehrveranstaltung.

Daniel Fruhwirt von der TU Graz mit seinen Studierenden beim HSMA-Kurs in Turin. Bildquelle: Daniel Fruhwirt

Fördermöglichkeiten mit Unite!

Eine perfekte Plattform für die Etablierung von internationalen Lehrveranstaltungen bietet das Unite! Universitätsnetzwerk. Hier hat man exklusiven Zugang zu acht Partneruniversitäten in ganz Europa, von Portugal bis Polen, von Finnland bis Italien. Zudem sind die wiederkehrenden Unite! Seed Fund Calls besonders attraktiv, um eine Anschubfinanzierung für internationale Lehrprojekte zu erhalten. Sowohl die gemeinsame Summer School als auch der „Hydrogen Safety in Mobile Applications“ Kurs wurden im ersten Jahr über den Seed Fund finanziert. In den Folgejahren wurden die Lehrveranstaltungen als Erasmus+ Blended Intensive Programmes abgehalten. Aber auch TU Graz intern gibt es ein attraktives Förderangebot für gemeinsame (Online)-Kurse.

Der aktuelle Unite! Seed Fund Call für Lehrende und Forschende unterstützt gemeinsame internationale Projekte und Lehrformate mit einer Förderung von bis zu € 80.000. Die Anmeldefrist läuft noch bis zum 20. März! 

Auch der Förderfonds der TU Graz ist eine großartige Möglichkeit für Lehrende, in Zusammenarbeit mit Partneruniversitäten gemeinsame Lehrangebote zu entwickeln und finanzielle Unterstützung zu erhalten. Die Bewerbungsfrist läuft noch bis zum 15. April.

Einen Überblick über Fördermöglichkeiten und Ressourcen für internationale, kollaborative Lehre an der TU Graz finden Lehrende im Intranet TU4U.

Die Servicestellen der TU Graz (International Office – Welcome Center, Lehr- und Lerntechnologien, etc.) haben mir von der ersten Idee für neue Lehrveranstaltungen, bis hin zur Abhaltung und Nachbereitung unterstützt, sodass ich jedem nur empfehlen kann, hier anzuklopfen!

Sie sind interessiert an gemeinsamer Lehre mit Kolleg*innen des Unite! Netzwerks? Wir unterstützen Sie dabei!

Das International Office – Welcome Center (unitenoSpam@tugraz.at) unterstützt Sie bei Fragen zu Fördermöglichkeiten und administrativen Rahmenbedingungen.

Die Teaching Academy (teachingacademynoSpam@tugraz.at) steht Ihnen bei der didaktischen Planung und Umsetzung zur Seite.

Das Team der Lehr- und Lerntechnologien berät Sie zur technischen Umsetzung von digitaler/hybrider Lehre (telucationnoSpam@tugraz.at).

 

Daniel Fruhwirt ist Laufbahnstelleninhaber am Institut für Thermodynamik und nachhaltige Antriebsysteme und engagiert sich seit 2022 in internationalen Lehrkooperationen. Seither sind vier gemeinsame Lehrveranstaltungen mit Unite! Partnern, aus dem Themenbereich Sicherheit und Auswirkungen des Verkehrs entstanden.  
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