Es gibt nur wenige Städte auf der Welt, die dich nicht nur willkommen heißen, sondern dir auch sofort im Gedächtnis bleiben. Mumbai ist eine davon. In dem Moment, in dem man diese Stadt betritt, fühlt es sich nicht so an, als käme man an einem neuen Ort an; es fühlt sich an, als würde man in einen Rhythmus eintauchen, der sich schon lange vor einem bewegt hat und sich auch noch lange nach dem eigenen Abschied weiterbewegen wird. Mumbai ist laut, chaotisch und gleichzeitig wunderschön lebendig.
Mumbai versucht nicht, dich zu beeindrucken. Es lebt einfach, in vollen Zügen und kompromisslos, und irgendwo zwischen dem Lärm und den Wellen lehrt es auch dich, zu leben. Diese Stadt hat eine ganz eigene Persönlichkeit: laut, großzügig, unerbittlich – und sie hinterlässt Spuren, egal ob man eine Woche oder ein ganzes Leben hier verbringt. Als International Student Ambassador aus Indien möchte ich dir zeigen, wie dein Austauschsemester dort aussehen könnte.
Erlebe eine andere Welt: Entdecke das IIT Bombay in Mumbai, Indien
Inmitten dieses schönen Wahnsinns namens Mumbai liegt ein Ort, über den die Menschen in Indien mit einem gewissen Respekt sprechen – fast so, als würde man die Stimme ein wenig senken, wenn man den Namen ausspricht: das Indian Institute of Technology Bombay (IIT Bombay). Wenn Mumbai die Stadt der Träume ist, dann ist das IIT Bombay der Ort, an dem einige der klügsten Denker*innen zusammenkommen, um sich noch weiter anzuspornen. Das 1958 gegründete Institut ist eine der renommiertesten technischen Universitäten, nicht nur in Indien, sondern weltweit. Wenn man in Indien aufwächst, sind die Buchstaben I.I.T. nicht nur der Name einer Hochschule; sie stehen für einen Traum, den die Eltern einem schon zugeflüstert haben, bevor man überhaupt wusste, was Ingenieurwesen überhaupt ist.
Und das ist nicht nur pure Emotion. Die Zahlen hinter dem IIT Bombay sind schlichtweg verrückt. Jedes einzelne Jahr treten in ganz Indien zwischen 1,2 und 1,5 Millionen Studierende zu einer Prüfung namens JEE (Joint Entrance Examination) an. Das sind Jugendliche, die zwei, manchmal drei Jahre ihres Teenagerlebens damit verbracht haben, zwölf bis vierzehn Stunden am Tag zu lernen und manchmal auf Schlaf zu verzichten – alles für diese eine Chance bei dieser Prüfung.
Von diesen 1,2 bis 1,5 Millionen Studierenden schaffen es nur etwa 1200 bis 1300 an das IIT Bombay. Wenn man das nachrechnet, entspricht das einer Chance von rund 0,1 %. Um es anschaulich auszudrücken: Die Aufnahme am IIT Bombay ist statistisch gesehen schwieriger als die Aufnahme in Harvard.
Indisches Studierendenleben: Wohnen auf dem Campus des IIT Bombay
Das IIT Bombay befindet sich in Powai und erstreckt sich über ein Areal von 550 Hektar. Wenn man den Campus betritt, vergisst man für einen Moment, dass man sich mitten in einer der geschäftigsten Städte des Planeten befindet. Der Campus ist riesig, grün und liegt direkt am Powai-See. Das Institut verfügt über siebzehn akademische Fachbereiche, fünfunddreißig zusätzliche akademische Zentren und drei Schulen.
Auf dem Campus leben die Studierenden fast in ihrer eigenen kleinen Welt. Es gibt Wohnheime, die eigentlich nie schlafen, Chai-(Tee-)Ecken, in denen Hausarbeiten zu Gruppentherapiesitzungen werden, Sportplätze, auf denen auch nach Mitternacht noch Betrieb herrscht, und Cafés, in denen Start-up-Ideen mit dem gleichen Ernst diskutiert werden wie die Prüfungsvorbereitung.
Sprechen wir nun darüber, wo du tatsächlich wohnen wirst. Denn das ist der Teil, von dem dir niemand so richtig erzählt, und ich finde, du hast das komplette Bild verdient, bevor du deine Koffer packst. Das IIT Bombay ist ein kompletter Wohncampus. Das bedeutet, dass man hier nicht nur studiert, sondern hier lebt, hier isst, hier um zwei Uhr nachts über das Leben diskutiert und irgendwo dazwischen ein Stück weit erwachsen wird.
Du wirst in einem der einundzwanzig Wohnheime, genannt Hostels, auf dem Campus wohnen. Jedes Wohnheim ist im Grunde eine eigene kleine Welt mit einer eigenen Mensa (genannt Mess), einem Fitnessstudio, einer eigenen Kultur, Insider-Witzen und einem ganz individuellen Ruf. Einige Wohnheime gelten als die „sportlichen“, andere als die „nerdigen“.
Wenn du aus Graz kommst, wo deine Studierendenwohnung wahrscheinlich sauber und ruhig ist und eine Küche bietet, die du auch nutzt, mag das Wohnheimzimmer im ersten Moment wie ein kleiner Kulturschock wirken. Das Zimmer ist einfach gehalten: Ein Bett, ein Schreibtisch, ein Schrank, ein Ventilator und eine LAN-Verbindung, die ehrlich gesagt schneller ist als das, was die meisten europäischen Universitäten bieten. Es gibt keine schicke Inneneinrichtung. Auf der Anrichte steht keine Espressomaschine. Aber der Punkt ist: Du wirst praktisch null Zeit in deinem Zimmer verbringen, weil draußen immer etwas los ist.
Vielleicht fragst du dich jetzt: Keine Küche? Wie genau bleiben die angehenden Ingenieur*innen dann am Leben? Nun, deine Küche wird die Mess sein – so nennen die Inder*innen den Speisesaal im Wohnheim, in dem viermal am Tag Essen serviert wird: Frühstück, Mittagessen, Nachmittagssnacks und Abendessen. Die Speisekarte wechselt regelmäßig und umfasst Gerichte aus ganz Indien. An einem schlechten Tag geht man stattdessen in die Campus-Kantine, die bis vier Uhr geöffnet hat. Ja, vier Uhr morgens. Wenn man in Österreich nach zweiundzwanzig Uhr Hunger bekommt, ist man im Grunde auf sich allein gestellt mit dem, was sich noch im Kühlschrank befindet. Hier kann man um Mitternacht warmes Essen bestellen, draußen unter freiem Himmel sitzen und eine tiefgründige philosophische Unterhaltung mit jemandem führen, den man erst vor drei Tagen kennengelernt hat und der sich schon wie ein Freund fürs Leben anfühlt.
Universitätsstruktur und Vorlesungen in Indien
Werfen wir nun einen Blick in den Hörsaal. An der TU Graz basiert ein großer Teil des akademischen Lebens auf Vertrauen. Du teilst dir deine Zeit selbst ein, du entscheidest, wie tief du in ein Thema eintauchst, und manchmal hängt deine gesamte Note von einer einzigen Abschlussprüfung ab. Am IIT Bombay baut das System auf der sogenannten „kontinuierlichen Evaluierung“ auf. In der Praxis bedeutet das, dass sich deine Note aus vielen kleinen Teilen zusammensetzt: zum Beispiel etwa 5 % für die Anwesenheit, 10 % für Hausarbeiten, 20 % für Kurztests (Quizzes), 25 % für eine Prüfung in der Mitte des Semesters (Midterm) und 40 % für die Abschlussprüfung. Und ja, Anwesenheit ist keine bloße Empfehlung. Eine offizielle Regel besagt: Wer weniger als 80 % der Vorlesungen besucht, kann den Kurs schlichtweg nicht bestehen – Punkt.
Erinnerst du dich an die PowerPoint-Präsentationen aus den Hörsälen der TU Graz? Die wirst du hier vielleicht vermissen. Viele Professor*innen am IIT Bombay verschreiben sich mit Leib und Seele der Kreidetafel. Das klingt altmodisch, zwingt dich aber dazu, auf eine Weise präsent zu sein, wie es ein Foliensatz niemals schafft.
Und präsent sein willst du, denn jede Person, die im Raum neben dir sitzt, hat den vorhin erwähnten 0,1 %-JEE-Filter bestanden. Die Energie ist ruhig, fokussiert und extrem scharfsinnig. Das Ergebnis ist eine Hörsaalkultur, die sich intensiv, schnell und sehr lebendig anfühlt. Das IIT Bombay fordert dich akademisch stark heraus, aber inmitten dieses Drucks lehrt es dich auch Disziplin und Belastbarkeit, und zeigt dir, wozu du eigentlich fähig bist, wenn alle um dich herum ebenfalls auf Hochtouren laufen.
Als Austauschstudierende*r bist du in einer einzigartigen Position: Du darfst diese Intensität ohne den vollen Notendruck eines gesamten Studiums miterleben. Du kannst die Herausforderung annehmen, die Energie aufsaugen und mit viel mehr als nur Noten nach Hause gehen – mit dem unerschütterlichen Selbstvertrauen, dass du weit mehr meistern kannst, als du jemals geglaubt hast.
Ein Studierendenleben, das weit über die Vorlesungen hinausreicht
Doch das Leben am IIT Bombay besteht nicht nur aus Quizzes und Kreidetafeln. Wenn der Druck ein Ventil braucht, stellt der Campus zwei Festivals auf die Beine, die deine Vorstellung von einer Universitätsparty grundlegend verändern werden:
- Mood Indigo: Jedes Jahr im Dezember passiert auf diesem Campus etwas Außergewöhnliches. Das gesamte Gelände verwandelt sich. Mood Indigo – oder „MoodI“, wie es hier alle nennen – ist Asiens größtes Kulturfestival für Studierende. Es begann bereits 1971 mit einem Budget von nur fünftausend Rupien, was etwa fünfundvierzig Euro entspricht. Heute kommen mehr als 1,46 Lakh Besucher*innen (das sind etwa 146.000 Menschen) zu über zweihundertvierzig Veranstaltungen: Vier Tage lang gibt es Konzerte, Comedy-Nächte, Theater, Dance Battles, Kunstinstallationen, Silent Discos sowie Auftritte von Bollywood-Legenden und internationalen Künstler*innen.
- Techfest: Wenn Mood Indigo das Herz des IIT Bombay ist, dann ist das Techfest sein Gehirn. Es wurde 1998 ins Leben gerufen und hat sich zum größten Wissenschafts- und Technologiefestival Asiens entwickelt. Bei der letzten Ausgabe strömten über 1,8 Lakh Besucher*innen (das sind rund 180.000 Menschen) herbei – Studierende, Forschende, Wirtschaftsführer*innen und Innovator*innen aus aller Welt kommen auf demselben Campus zusammen. Roboter-Kämpfe in Arenen, Hackathons, Wettbewerbe, KI-Workshops, Start-ups, futuristische Ideen – es ist, als hätte das Ingenieurwesen beschlossen, sein eigenes Festival zu feiern. Das Techfest hat sogar einen Guinness-Weltrekord aufgestellt, und zwar für die meisten gleichzeitig eingeschalteten LED-Leuchten im Rahmen einer Kampagne zur Förderung von Solarenergie in ganz Indien.
Und irgendwo zwischen der Musik von Mood Indigo und den Robotern des Techfests wird einem klar: Das IIT Bombay bildet nicht nur Ingenieur*innen aus. Es schafft Erlebnisse, an die sich die Menschen noch lange nach ihrem Abschluss erinnern.
Mumbai außerhalb der Universität entdecken
Und dann ist da noch das Mumbai jenseits der Tore des IIT – die Stadt, die nach den Vorlesungen auf dich wartet. Das Meer am Marine Drive, die unglaubliche Energie der Nahverkehrszüge, die Street-Food-Ecken, Monsunabende, alte Cafés, überfüllte Märkte, ruhige Küstenabschnitte und Geschichten, die an Orten verborgen liegen, die man auf keiner Touristenkarte findet.
Ehrlich gesagt verdient das Mumbai außerhalb des Campus einen eigenen Blogartikel, denn diese Stadt lässt sich nicht in einem Absatz abhandeln. Man verinnerlicht sie langsam, Abend für Abend, Zugfahrt für Zugfahrt und Chai für Chai. Für den Moment sei nur so viel gesagt: Wenn das IIT Bombay für ein Semester deine Universität wird, wird Mumbai still und leise zu deinem zweiten Hörsaal. Ich werde einen separaten, ausführlichen Blogbeitrag über die Erkundung von Mumbai abseits des IIT schreiben - betrachte dies als deine offizielle Einladung, ihn als Nächstes zu lesen. Stay tuned!
Der nächste Schritt: Bewirb dich für dein Austauschsemester am IIT Bombay!
Liebe*r Studierende*r der TU Graz, wenn du bis hierher gelesen hast, ist ein kleiner Teil von dir vielleicht schon neugierig geworden. Vielleicht bist du dir noch unsicher. Vielleicht fühlt sich Indien zu weit weg an, zu anders, zu chaotisch, zu unbekannt. Ich kann dieses Gefühl gut nachvollziehen. Aber ich möchte dir etwas von jemandem sagen, der zwischen diesen beiden Welten gelebt hat: Manchmal beginnen die besten Entscheidungen genau dort, wo deine Komfortzone endet.
Komfort ist eine schöne Sache. Aber er verändert dich nicht. Er fordert dich nicht heraus. Er bringt dich nicht in einen Raum voller Menschen, die härter als fast jeder andere auf diesem Planeten gekämpft haben, nur um genau dort zu sein, und die dich stillschweigend fragen: Aus welchem Holz bist du geschnitzt?
Indien tut genau das. Das IIT Bombay tut das. Mumbai tut das. Nicht laut, nicht aggressiv, sondern langsam, stetig und auf eine Weise, die du erst dann ganz verstehen wirst, wenn du wieder zu Hause in Graz bist, in deinem alten Alltag sitzt und merkst, dass sich etwas verändert hat. Du bist anders. Du denkst größer. Du passt dich schneller an. Du beschwerst dich weniger. Du weißt Dinge mehr zu schätzen. Du hast das beste Essen deines Lebens für weniger als einen Euro gegessen. Du hast eine Notenkurve inmitten der klügsten Köpfe Asiens überlebt.
Ein Auslandssemester ist nicht nur eine Zeile im Lebenslauf. Es ist nicht nur ein Stempel im Reisepass. Es ist das Semester, in dem du herausfindest, wer du bist, wenn alles um dich herum ungewohnt ist. Und Indien – das laute, herzliche, überwältigende, unglaubliche Indien – ist vielleicht der ehrlichste Spiegel, vor dem du je stehen wirst. Es wird dir deine Geduld zeigen, deine Neugier, deinen Mut und gelegentlich auch deine absolute Unfähigkeit, mit scharfem Essen umzugehen. All das ist wichtig. All das prägt dich.
Ich bin für mein Masterstudium mit zwei Koffern und einer Menge Ungewissheit nach Österreich gekommen. Ich weiß, wie es sich anfühlt, an einem völlig neuen Ort zu landen und sich zu fragen, ob man die richtige Wahl getroffen hat. Und ich kann dir sagen: Man findet immer seinen Halt. Man findet immer einen Weg. Und wenn man es schafft, trägt man eine Version seiner selbst in sich, die man niemals hätte aufbauen können, wenn man es sich bequem gemacht hätte.
Also, liebe*r Studierende*r der TU Graz – sag JA. Buche den Flug. Packe mit leichtem Gepäck. Lass Platz in deiner Tasche für all das, was du mit zurückbringen wirst. Nicht nur Souvenirs. Nicht nur Gewürze. Sondern Geschichten, Freundschaften, Lektionen und ein tiefes, unerschütterliches Vertrauen, dass du zu weit mehr fähig bist, als du früher geglaubt hast.
Das IIT wartet auf dich. Und glaub mir – es lohnt sich absolut.
Bereit, in die indische Kultur einzutauchen? Bewerbungen für ein Auslandssemester am IIT Bombay oder am IISc Bangalore im Rahmen des OverSEAs-Programms sind bis zum 10. Juni möglich. Weitere Informationen findest du im Intranet TU4U auf der Seite „OverSEAs-Programm – außerhalb Europas“.






