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TU Graz/ News/

Zwischen Pasta und Panik

Von Marvin Kejzar | 08.01.2026
Bildquelle: Marvin Kejzar

Mit meinem Auslandssemester in Turin ging ein Kindheitstraum in Erfüllung – doch neben den schönen Seiten warteten auch unerwartete Herausforderungen.

Für mich ging mit meinem Auslandssemester an der Politecnico di Torino ein Kindheitstraum in Erfüllung. Endlich mal in Italien zu leben - und das nicht nur die jährliche Woche Urlaub, sondern gleich für ein halbes Jahr! Dennoch gab es viele Herausforderungen, die für gewöhnlich nicht in einer Erasmus+ Broschüre stehen.

Codice Fiscale

Alle italienischen Staatsbürger*innen und jede Person, die in Italien einer Tätigkeit nachgeht, benötigt eine italienische Steuernummer. Der Codice Fiscale wird zwar oft mit dem Thema Steuern in Verbindung gebracht, ist jedoch für weit mehr als das notwendig. Er wird einmalig vergeben, gilt lebenslang und ist im Alltag unverzichtbar. Der Codice Fiscale wird beim Mieten einer Wohnung benötigt, beim Kauf einer SIM-Karte, an der Universität sowie für viele Online-Käufe (etwa für Veranstaltungstickets oder um Ermäßigungen in Anspruch zu nehmen). Natürlich kannst du dir den Code kostenlos und unkompliziert vor Ort an der Universität abholen, ich empfehle aber, diesen bereits einige Monate vor Antritt des Auslandssemesters zu beantragen, denn es erleichtert die Wohnungssuche um einiges. Am einfachsten ist es, dafür direkt die italienische Botschaft in Wien zu kontaktieren.

Weitere Informationen zum Codice Fiscale und eine genaue Anleitung, wie er zu beantragen ist, findest du auf der Homepage der italienischen Botschaft in Wien auf deren Webseite „Italienische Steuernummer (Codice Fiscale)“.

Wohnungssuche

Die wohl größte Herausforderung für meine sechs Monate in Turin war, neben dem Learning Agreement, die Wohnungssuche. Ehrlich gesagt war ich etwas zu spät dran und hatte außerdem noch keinen Codice Fiscale. Viele private Vermieter*innen, etwa auf Plattformen wie Immobiliare.it, bevorzugen langfristige Mietverträge und vermieten somit nicht an Erasmus-Studierende.

Auf der Webseite der Politecnico di Torino findet man auf der Seite „Welcome@PoliTo“ eine Übersicht an Studierendenwohnheimen, ich kann nur empfehlen, diese so früh wie möglich zu kontaktieren. Ebenfalls hilfreich ist Cerco Alloggio, eine Organisation, die Studierende bei der Wohnungssuche unterstützt.

Für mich persönlich war dort aber leider nichts Passendes dabei. Wenn du unkompliziert und relativ schnell ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft mieten möchtest, kann ich dir außerdem Joivy sehr empfehlen. Die Abwicklung läuft über eine App, der gesamte Haushalt wird dort organisiert, Vertragsabschlüsse sind in Englisch möglich, und auch beim Thema Codice Fiscale wird man unterstützt, weshalb ich schlussendlich dort meine Unterkunft gebucht habe. Jedoch gibt es einen Haken, denn für italienische Verhältnisse sind die gelisteten Wohnungen relativ teuer und wer vorzeitig ausziehen möchte, muss mindestens eine Monatsmiete „Strafe“ zahlen, da offiziell nur Jahresverträge angeboten werden.

Zu meiner Wohnung: Ich hatte Glück und Pech zugleich. Einerseits ein großes, helles WG-Zimmer mit eigenem Balkon in einer modernen Wohnung. Andererseits lag sie leider ein gutes Stück von der Universität entfernt. Auch mit meinem Mitbewohner hatte ich leider großes Pech. Auch wenn es mir sehr gefällt, Menschen aus aller Welt kennenzulernen, kann das Zusammenleben in einer internationalen Wohngemeinschaft herausfordernd sein. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten wie unterschiedliche Essens- oder Schlafrhythmen. In meinem Fall lebte ich mit einem indischen Mitbewohner zusammen und dabei wurde es leider sehr nervenaufreibend: Vernachlässigte Sauberkeit, lauter Lebensstil und ein sehr unterschiedliches Verständnis von Rücksichtnahme erschwerten meinen Alltag. Auch wenn einige meiner Erasmus-Studienkolleg*innen ähnliche Erfahrungen mit Mitbewohnern aus unterschiedlichen Kulturkreisen gemacht haben, muss natürlich erwähnt werden, dass es definitiv auch genügend positive Beispiele gibt.

Unabhängig davon mein Rat: Klärt eure Wohnsituation nach Möglichkeit vorab und einigt euch auf klare Regeln für das Zusammenleben (notfalls mithilfe der Hausverwaltung), denn das erspart im Alltag viel Stress.

Aussicht von meinem Balkon. (Bildquelle: Marvin Kejzar)
 

Sprache

So schön die italienische Sprache auch ist – rhythmisch, emotional, ausdrucksstark – so herausfordernd war es für mich, sie zu lernen. Italienisch unterscheidet sich stark vom Deutschen: Der Satzbau ist deutlich flexibler und die Sprache lebt von den Verbformen. Da viele Italiener*innen, auch in jüngeren Altersgruppen, nur begrenzt Englisch sprechen, ist es sehr empfehlenswert, bereits im Vorfeld die Basics zu erlernen. Ich habe dafür einen Italienischkurs auf Level A2 an der TU Graz besucht. Mir haben meine Vorkenntnisse sehr dabei geholfen, mich im Alltag besser zurechtzufinden und mit Einheimischen leichter ins Gespräch zu kommen. Denn auch wenn viele Italiener*innen sehr offen sind, wirken sie im ersten Moment oft etwas zurückhaltend, wenn ihr Gegenüber kein einziges Wort der Landessprache versteht.

Learning Agreement

Zur Information, ich studiere Wirtschaftsingenieurwesen-Maschinenbau im Bachelor an der TU Graz, war aber für mein Erasmus-Semester im Masterprogramm „Engineering and Management“ der Politecnico di Torino eingeschrieben. Der Grund dafür war, dass das Abkommen zwischen der TU Graz und der PoliTo offiziell nur für Masterstudiengänge gilt. Da ich außerdem die Ehre hatte, als erster Studierender der TU Graz überhaupt nach Turin zu  gehen, war im Vorfeld einiges an Papierkram nötig. Da das Erasmus+ Agreement zwischen der TU Graz und der PoliTo zum Zeitpunkt meiner Mobilität noch sehr frisch war, gab es noch keine etablierten Prozesse hinsichtlich der Vorausanerkennung von PoliTo-Kursen, die für die Mobilität notwendig war, und ich musste daher einiges selbstständig organisieren und recherchieren. So musste ich mich zum Beispiel an die jeweiligen Professor*innen wenden, um mir die vorläufigen Anrechnungen bestätigen zu lassen. Einige notwendige Rückmeldungen ließen dabei länger auf sich warten und aufgrund der Vorgaben der PoliTo (die mindestens achtzehn ECTS im jeweiligen Programm vorsahen) musste ich meinen Studienplan mehrmals komplett ändern. Das war aufgrund des ohnehin schon engen Zeitplans nicht ganz einfach und hat rund zwei Monate gedauert. Deshalb mein klarer Tipp: Kümmert euch so früh wie möglich darum!

Am Ende hat zum Glück alles gut geklappt. An dieser Stelle möchte ich besonders das International Office der PoliTo, vor allem Francesca und Alice, sowie unser International Office der TU Graz rund um Manuel hervorheben, sie waren bei allen Fragen geduldig, hilfsbereit und eine echte Unterstützung. Ohne dieses Zusammenspiel wäre diese großartige Erfahrung für mich nicht möglich gewesen, und dafür bin ich sehr dankbar!

An der PoliTo selbst lief dann alles reibungslos. Änderungen im Learning Agreement wären theoretisch noch bis Anfang März möglich gewesen und in der übersichtlichen PoliTo-App findet man alle relevanten Informationen.

Klassenraum an der PoliTo. (Bildquelle: Marvin Kejzar)
 

Öffis

Auch das öffentliche Verkehrsnetz in Turin ist etwas chaotisch. Es lohnt sich, gleich am ersten Tag den GTT-Ticketshop in der Nähe von Porta Susa aufzusuchen, wo man unkompliziert ein Monatsabo um fünfundzwanzig Euro abschließen kann. Generell empfiehlt es sich, immer eine frühere Bahn einzuplanen, da Pünktlichkeit nicht gerade die Stärke des Systems ist. Von fünf Minuten zu früh bis zehn Minuten Verspätung ist alles möglich. Bahnlinien ändern sich monatlich, und bei Demonstrationen oder Veranstaltungen im Stadtzentrum werden Linien nicht umgeleitet, sondern oft ersatzlos gestrichen. Daher Google Maps regelmäßig checken und etwas Zeitpuffer einplanen. Trotz allem ist das Netz aber insgesamt gut ausgebaut, und man kommt innerhalb der Stadt relativ unkompliziert überall hin.

Blick auf die Bahnhofshalle Porta Nuova. (Bildquelle: Marvin Kejzar)
 

Mein Fazit

Alles in allem gab es für mich einige Herausforderungen zu bewältigen – ganz ohne wäre es ja auch schon fast fad. Am Ende sind es aber die vielen positiven Erlebnisse und Erfahrungen, die all die kleinen Stolpersteine bei weitem übersteigen und den Aufenthalt unvergesslich machen. Ich hoffe sehr, dass ich zukünftigen Turin-Outgoings mit meinen Tipps ein bisschen weiterhelfen konnte!

Möchtest du noch mehr über mein Auslandssemester an der Politecnico di Torino erfahren? Dann lies weiter in meinem Blogartikel „Mein Erasmus in Turin – zwischen Alltag, Abenteuer und Aperitivo“.
 

Marvin Kejzar studiert Wirtschaftsingenieurwesen-Maschinenbau an der TU Graz und verbrachte das Sommersemester 2025 mit dem Mobilitätsprogramm Erasmus+ an der Politecnico di Torino (PoliTo). Als Study Abroad Peer berichtete er auf den Social Media Kanälen des International Office - Welcome Center auf Facebook und Instagram über seine Erfahrungen in Italien.
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