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Studieren in Österreich vs. Rumänien: Die Unterschiede

In Rumänien studieren oder nach Österreich gehen? Entdecke die wichtigsten Unterschiede zwischen dem Studium in Österreich und Rumänien – von Studienaufbau und Anforderungen bis zum studentischen Alltag.

Als ich von Rumänien nach Österreich zog, um an der Technischen Universität Graz (TU Graz) zu studieren, rechnete ich mit Unterschieden wie Sprache und Bürokratie. Am meisten überrascht hat mich jedoch die Studienkultur. Sie ist nicht unbedingt schwieriger oder leichter – nur anders. Und wenn du weißt, was dich erwartet, fällt der Wechsel deutlich leichter.
Hier sind die größten Unterschiede, die mir zwischen dem Studium an einer Universität in Österreich und dem Studium in Rumänien aufgefallen sind.

Mehr Freiheit bedeutet mehr Verantwortung

Ich erinnere mich noch gut an mein erstes Semester an der TU Graz: Ich fühlte mich anfangs etwas verloren, weil mich niemand an Lehrveranstaltungsanmeldungen oder an Prüfungstermine erinnerte. Schnell habe ich erkannt, dass Planung unverzichtbar ist und dass ich mich selbst organisieren muss. Das ist allerdings gar nicht so kompliziert, wie es scheint. Die International Student Ambassadors, das Welcome Center und die Checklisten der TU Graz helfen dir dabei.
An Universitäten in Österreich liegt es größtenteils an dir, den Überblick über Lehrveranstaltungen, Fristen und Prüfungen zu behalten.
In der Regel entscheidest du selbst:

  • welche Lehrveranstaltungen du in diesem Semester belegst,
  • wie viele Prüfungen du machst
  • und wie schnell du dein Studium absolvierst.

Diese Freiheit ist großartig, bedeutet aber auch, dass du gut organisiert sein musst. 
Wenn du dein Semester nicht planst, gerätst du schnell ins Hintertreffen, ohne es sofort zu merken.
In Rumänien erhältst du zu Beginn des Semesters meist einen festen Stundenplan, und du musst dich nicht selbst zu einzelnen Prüfungen anmelden – das geschieht automatisch. Alle Studierenden eines Jahrgangs folgen demselben Ablauf. Das heißt, du besuchst gemeinsam mit deiner Gruppe dieselben Vorlesungen, Seminare und Labore und legst die Prüfungen zur gleichen Zeit wie deine Studienkolleginnen und -kollegen ab. Im Vergleich zu Österreich ist deutlich weniger individuelle Planung erforderlich.

Es ist nicht immer die eine, große Prüfung

Im Studium in Rumänien konzentriert sich der Druck in der Regel auf die Prüfungsphase, in der die meisten Prüfungen innerhalb weniger intensiver Wochen stattfinden. Das bedeutet, dass man das Semester mit weniger Zwischenprüfungen absolvieren kann, dafür aber in kurzer Zeit viel lernen muss und das Endergebnis stark von diesen schriftlichen Prüfungen abhängt.
In Österreich ist die Situation vielfältiger. Je nach Lehrveranstaltung kann es geben: 

  • eine Abschlussprüfung,
  • Zwischenprüfungen,
  • Hausarbeiten oder Projekte,
  • Laborübungen,
  • Präsentationen
  • oder eine Mischung aus all dem.

Für mich war das positiv. Du hast nicht ständig das Gefühl, dass alles von einer einzigen Prüfung abhängt. Gleichzeitig erfordert dieses System mehr Kontinuität. Du kannst eine Lehrveranstaltung nicht bis zum Semesterende ignorieren, da bei manchen Lehrveranstaltungen wöchentliche Aufgaben, Laborberichte oder Abgabefristen in die Endnote einfließen.

Die Studienorganisation unterscheidet sich in Österreich und Rumänien. (Bildquelle: Fotogenia – TU Graz)


Das Universitätssystem basiert auf eigenverantwortlichem Studieren

Viele Lehrveranstaltungen haben weniger Lehrkontaktstunden als du erwarten würdest, und ein großer Teil des Lernprozesses findet außerhalb des Hörsaals statt. Von dir wird erwartet, dass du Unterlagen selbständig durchliest, Übungen löst, Aufgaben vorbereitest und von Folien oder Lehrbüchern lernst, ohne dass dich ständig jemand erinnert. Vorlesungen und Übungen geben dir die Struktur vor, aber das Lernen selbst passiert zu Hause oder in der Bibliothek.
In Rumänien gilt üblicherweise Anwesenheitspflicht für die meisten Laborübungen und in vielen Fällen sogar bei Vorlesungen und Seminaren. Das bedeutet, dass du mehr Stunden physisch im Hörsaal anwesend bist und das Lerntempo stärker von den Lehrenden gelenkt wird.

Das bedeutet nicht, dass das österreichische System weniger unterstützend ist. Es baut einfach auf einer anderen Erwartungshaltung auf: Du sollst früher Kontrolle über dein Lernen gewinnen. Wenn du Hilfe benötigst, hast du Zugang zu Tutorinnen und Tutoren, Lehrenden, Sprechstunden und Lernressourcen aber im Unterschied zu Rumänien kümmert sich niemand darum, ob du teilnimmst oder lernst, weil das in deiner eigenen Verantwortung liegt. Der Vorteil ist, dass du unabhängig wirst und lernst, wie du deinen eigenen akademischen Fortschritt managst, was später eine wertvolle Kompetenz bildet.

Viele Studierende in Österreich arbeiten während des Studiums in Teilzeit, absolvieren Praktika oder Auslandssemester. (Bildquelle: Fotogenia – TU Graz)


Es ist normal, längere Zeit zu benötigen

Das war einer der größten kulturellen Unterschiede, der mir aufgefallen ist. In Österreich ist es ganz normal, dass Studierende länger als die Mindeststudiendauer von drei Jahren für ihren Bachelor benötigen. Viele Leute arbeiten Teilzeit, absolvieren Praktika, machen Auslandssemester, wechseln das Studium oder verlegen einfach schwierigere Lehrveranstaltungen auf mehrere Semester. Darum wird ein Studienabschluss in der Mindeststudiendauer nicht vorausgesetzt. Einige Studierende werden schneller fertig, einige später und niemand betrachtet das als Scheitern.

In Rumänien besteht oft höherer Druck innerhalb der offiziellen Zeitvorgabe zu graduieren. Wenn du ein extra Jahr oder Semester benötigst, kann sich das anfühlen wie wenn du „hinten nach“ wärst oder etwas falsch machen würdest, und diese Erwartungshaltung kommt manchmal nicht nur von der Universität, sondern auch von der Familie, Freunden oder von der Gesellschaft allgemein. Es herrscht die Vorstellung, dass du einer strikten Zeitvorgabe folgen musst: beende die Schule mit 18, beende die Universität in drei bis vier Jahren, steig sofort in den Beruf ein und so weiter.
In Österreich ist die Zeitvorgabe flexibler und individueller. Studierende fokussieren sich darauf, Erfahrungen zu sammeln, Kompetenzen zu erweitern und ihre Karriereschritte in ihrem eigenen Tempo zu planen. Mehr Zeit zu benötigen wird als Teil dieses Prozesses gesehen und niemand beurteilt dich danach.

Kontakte mit internationalen Studierenden sind an der TU Graz teil des Universitätsalltags. (Bildquelle: Lunghammer – TU Graz)


Internationale Studierende sind Teil des Studienalltags

Etwas, das für mich hervorstechend war ist, wie sichtbar und integriert internationale Studierende in Österreich sind. Das liegt nicht nur daran, dass Diversität gefördert wird, sondern dass du es tatsächlich täglich erlebst. An der TU Graz triffst du Menschen aus aller Welt in Gruppenprojekten, Vorlesungen, Studierendenvereinigungen, Studierendenheimen und sogar in Verwaltungsbüros, wo Englisch verbreitet gesprochen wird. Das schafft eine Umgebung, in der multikultureller Austausch ganz normal ist.

In Rumänien gibt es ebenfalls internationale Studierende, aber an vielen Universitäten gibt es gefühlt weniger Integration. Internationale Gruppen bleiben oft unter sich, und es ist weniger üblich, gemischte Teams oder Englisch als Arbeitssprache für tägliche Aufgaben zu haben.
Für Studierende, die gerne neue Leute kennenlernen und Netzwerke knüpfen, ist das eine sehr bereichernde Erfahrung. Und wenn du daran noch nicht gewöhnt bist, wirst du schnell damit vertraut, weil hier international zu sein keine Ausnahme bedeutet, sondern Teil des universitären Alltags ist.

Studienbeiträge Österreich vs Rumänien

Ein bedeutender Unterschied zwischen Österreich und Rumänien liegt in den Studiengebühren. In Österreich zahlen die meisten EU/EWR-Studierenden keine Studiengebühren, sondern nur einen geringen Studierendenbeitrag (der Studierendenbeitrag oder „ÖH-Beitrag“ liegt bei etwa 25 Euro). Einen Studienbeitrag zahlst du nur, wenn du die Mindeststudiendauer deutlich überschreitest und sogar dann sind die Regeln fix, transparent und leicht herauszufinden. Nicht EU-Studierende zahlen den Studienbeitrag von Beginn an, und die Beiträge und Voraussetzungen sind klar von jeder Universität vorgegeben und ändern sich nicht plötzlich.

Du kannst die aktuellsten Informationen über Studienbeitrag und Studierendenbeitrag auf der Webseite der TU Graz finden.

In Rumänien ist die Situation anders geregelt. Öffentliche Universitäten bieten eine begrenzte Zahl an staatlich finanzierten Studienplätzen („buget”), die du abhängig von Leistung und Rangliste gewinnen oder verlieren kannst. Wenn du keinen bezahlten Studienplatz hast oder diesen im Lauf des Studiums verlierst, zahlst du Studiengebühren, die je nach Universität und Studienrichtung variieren. Während also beide Länder freie Studienwahl haben, bietet Österreich einen gleichbleibenden Rahmen hinsichtlich der Vorgaben zu Studienbeiträgen, während in Rumänien die Studiengebühren von Wettbewerb und Ergebnissen abhängen können.

Was Verwaltungsabläufe in Österreich anbelangt, sind die Fristen und Zulassungsschritte üblicherweise klar, terminiert und regelbasiert. Die Information, die du benötigst, ist fast immer online verfügbar, und wenn du den Anweisungen folgst, funktionieren die Dinge.

Wenn du ein Studium an der TU Graz beginnen möchtest, besuche die Webseite Internationale Studierende an der TU Graz und prüfe die FAQ für internationale Studierende. Wenn du weitere Hilfe für deinen Aufenthalt in Österreich noch vor deiner Ankunft benötigst, kontaktiere das Welcome Center. Willst du dir vorab ein Bild von Graz machen, besuche die Webseite Leben in Graz.

Was ich einem oder einer Studierenden aus Rumänien vor dem Studium in Österreich sagen würde

An einer Universität in Österreich oder Rumänien zu studieren fühlt sich unterschiedlich an, weil die Systeme auf unterschiedlichen Erwartungen aufbauen. Österreich bietet mehr Freiheit, Flexibilität und Internationalität, setzt aber stark auf Selbststudium und die persönliche Planung und Verwaltung von eigenen Deadlines und Papierkram. Rumänien bietet eine klarere Struktur, synchronisierte Abläufe und mehr Anleitung im Unterricht, aber oft mit höherem sozialem Druck, innerhalb der vorgegebenen Frist fertig zu werden. Wenn du also als Student oder Studentin aus Rumänien nach Österreich kommst, ist die wichtigste Fähigkeit nicht, perfektes Deutsch zu sprechen oder ein Mathegenie zu sein, sondern dich für dein Studium verantwortlich zu fühlen und zu engagieren.
Wenn du dein Semester organisierst, die Termine im Blick behältst und deine eigene Lernroutine entwickelst, wird das System nicht nur überschaubar, sondern wirklich angenehm, und die zusätzliche Freiheit kann zu einem seiner größten Vorteile werden.

 

Mihai Robert Bogdan ist ein rumänischer Student der Informatik an der TU Graz, wo er seiner Leidenschaft für Computer und Netzwerksysteme nachgeht. Während seiner akademischen Reise hat er einen umfassenden Einblick in verschiedene Disziplinen der Informatik gewonnen, was seinen Berufswunsch in diesem Bereich bestärkt. Als Naturliebhaber und Radfahrer ist Graz für ihn die perfekte Stadt, um sein akademisches Leben mit seiner Leidenschaft für Radfahren und Outdoor-Aktivitäten in Einklang zu bringen. Wenn er nicht programmiert oder studiert, gibt er seine universitären Erfahrungen als International Student Ambassador weiter, um zukünftigen internationalen Studierenden zu helfen.
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