Gesundheitsvorsorge für unsere Schienen
„Ich habe an der TU Graz studiert und bin dann einfach nicht mehr weggegangen“, erzählt Markus Loidolt mit einem Lächeln um die Mundwinkel. Der Assistenzprofessor hat seit kurzem eine sechsjährige Laufbahnstelle am Institut für Eisenbahnwesen und Verkehrswirtschaft angetreten und hat seit einem Jahr auch die stellvertretende Institutsleitung über.
Mehr als nur zwei Schienen
In der Forschung liegt sein Spezialgebiet in der Instandhaltung von Gleisen, die „mehr sind als nur zwei Schienen“. Dazu gehören nämlich auch Befestigungssysteme, elastische Zwischenlagen, Schwellen, Schotter und der gesamte Unterbau, auf dem die Schienen zu liegen kommen. Und diese Gleise müssen intensiven Belastungen standhalten: Bestenfalls bis zu 50 Jahre lang liegen sie bei Regen, Schnee und strahlendem Sonnenschein im Freien und müssen dem Gewicht tonnenschwerer Züge standhalten, die tagtäglich über sie hinwegbrausen. Und sie sollen dabei vor allem eines sein: sicher und zuverlässig.
Damit dies gewährleistet ist, müssen Gleise in regelmäßigen Abständen überprüft und gewartet werden. Markus Loidolt setzt allerdings noch früher im Prozess an und unterzieht die Schienen quasi einer Gesundheitsvorsorge. „Ich möchte herausfinden, wie diese Probleme entstehen, um sie von vornherein verhindern zu können.“
Gesundheitsvorsorge für Gleise
In seiner Dissertation beschäftigte er sich zum Beispiel mit einer sehr häufigen Fehlerquelle: dem Setzen von Gleisen. Wenn ein Zug über sie fährt, werden Gleise dynamisch belastet – die Belastung wird also zunächst stärker und schwächt dann wieder ab. Hinzu kommt, dass Schienen nicht in einem langen Stück verlegt werden können, sondern an mehreren Stellen miteinander verschweißt sein müssen. Dabei entstehen durch die Schweißnähte sogenannte Schweißstöße, die sich als kleine Dellen und Unebenheiten auf der Schienenoberfläche bemerkbar machen. Diese Stellen sind bei Zugüberfahrten stärkeren Belastungen unterworfen und das Schotterbett sowie der Unterbau nehmen dort daher Schaden. Das Gleis setzt sich und verschleißt. Würde dieser Schweißstoß aber geschliffen, könnte das Problem schon vorab wesentlich reduziert werden.
Datenanalyse über 20 Jahre zurück
In seiner weiteren Laufbahn möchte Markus Loidolt Gleismessdaten analysieren, um so weitere Gefahrenquellen für die Schienengesundheit zu finden. „Dank einer Kooperation mit den ÖBB kann ich auf vielfältige Daten der vergangenen 20 Jahre zurückgreifen – diese Daten existieren bereits, sie müssen nur richtig ausgewertet werden.“ Und das möchte der Eisenbahnforscher nun tun. Dabei will er sich die Probleme von zwei Seiten ansehen. Auf der einen Seite möchte er aus bestehender Literatur sowie in Experimenten und Analysen der Daten die häufigsten Ursachen für Gleisschädigungen finden. Und auf der anderen Seite hat er vor, die Daten nach den bisherigen Instandhaltungsarbeiten zu durchsuchen und ihre Kosten zu bewerten. Mit der Kombination beider Ansätze will er nicht nur die naheliegenden Probleme finden, sondern auch Fehlerquellen auftun, die bisher keine Beachtung fanden. „Im Eisenbahnwesen wird Steuergeld investiert und jede kleine Verbesserung ist wichtig.“
Vom Bruder inspiriert
Seinen Weg ins Eisenbahnwesen fand Markus Loidolt über die HTL für Maschinenbau, „weil es mein Bruder gemacht hat und es spannend geklungen hat.“ Für das Studium Bauingenieurwesen entschied er sich aber, „weil es mein Bruder nicht gemacht hat und es spannend klang.“ Das Interesse am Bereich Infrastruktur entwickelte sich im Masterstudium und im Bereich Eisenbahn gab es „die interessantesten Lehrveranstaltungen“. So habe er dann schlussendlich seinen Weg ans Institut gefunden. Dank dessen Namen er sich heute in seinem Umfeld aus mit lustigen Vorurteilen konfrontiert sieht. Etwa: „Viele glauben, dass ich jeden Fahrplan auswendig weiß oder jeden Zug beim Namen kenne. Aber das stimmt überhaupt nicht“, lacht er zum Abschied.
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