Seit jeher gestaltet der Mensch seine Umwelt. Wir alle leben in der gebauten Welt
, sind von Häusern, Straßen und anderer Infrastruktur umgeben. Damit greift der Mensch massiv in seine Umwelt ein und beeinflusst sie nachhaltig – nicht immer nur positiv.
Die Umweltwirkungen klein zu halten, nachhaltige Bauprojekte möglich zu machen und das Bauwesen neu zu denken, sind die Ziele des an der TU Graz etablierten Forschungsnetzwerkes Graz Center of Sustainable Construction. Gemeinsam befassen sich Forschende unterschiedlicher wissenschaftlicher Hintergründe mit Themen des Bauens – angefangen bei der Architektur, über das Bauwesen bis hin zur Digitalisierung des Bauprozesses, der Planung und Möglichkeiten zur Einsparung von Baumaterial.
Ziel des GCSC ist es, die gebaute Umwelt in eine klimaneutral gebaute Umwelt zu wandeln. Und die bereits bebaute Umwelt klimafit zu machen. Die gemeinsame Arbeit wird dazu in fünf strategische Handlungsfelder gegliedert:
Für jedes Handlungsfeld wurden Fokusthemen identifiziert, die den tatsächlichen inhaltlichen Rahmen bilden und größere Flexibilität in der Forschung ermöglichen.
Talk Science to Me: Podcast zu Nachhaltigem Bauen
Im Rahmen der Vortragsreihe „Spotlight“ von TU Graz Alumni im Festsaal des ÖIAV - Österreichischer Ingenieur- und Architektenverein stand am 4. März 2026 das Graz Center of Sustainable Construction (GCSC) im Fokus.
Alexander Passer, Franz Tschuchnigg, Dirk Schlicke und Werner Lienhart zeigten die Bandbreite aktueller Forschung im Bauwesen und spannten dabei einen Bogen vom Baugrund bis zum Wolkenkratzer. Diskutiert wurden die Erfassung des Baugrunds durch Bodencharakterisierung und geotechnische Numerik sowie deren Interpretation im Hinblick auf Unsicherheiten und Planung.
Darauf aufbauend wurden Schnittstellen zur Tragwerksplanung, insbesondere im Kontext der Boden-Bauwerk-Interaktion, sowie Aspekte der statischen Analyse und der Bewertung unerwünschter Rissbildung im Beton thematisiert. Das Potenzial mechanisch konsistenter Berechnungsansätze für effizientere und ressourcenschonendere Lösungen in der tragwerksplanerischen Praxis wurde aufgezeigt.
Das Monitoring von Bauwerken, das sowohl für die Geotechnik als auch für die Tragwerksplanung von zentraler Bedeutung ist, wurde anhand ausgewählter Praxisbeispiele vorgestellt und verdeutlichte den Mehrwert für die Bewertung und Weiterentwicklung von Projekten.
Die anschließende Diskussion mit den Vortragenden sowie den Forscherinnen Christina Anegg (Krenn) und Sandra Glatz zeigte einmal mehr, wie wertvoll der Austausch zwischen Forschung und Praxis ist.
Forschende im Handlungsfeld 1 Städte und Regionen betrachten Bauwerke in Bezug zu den übergeordneten Strukturen Quartier, Stadt und Land sowie zu der nachhaltigen und sozial gerechten Organisation der sozialen und öffentlichen Infrastruktur. Themen sind dabei Nachverdichtung und Umnutzung von Bestandsbauten unter Berücksichtigung von Energie- und Mobilitätsaspekten genauso wie sozio-kulturelle und sozio-ökonomische Nachhaltigkeit in der Ökologisierung und Qualifizierung des öffentlichen Raumes, der Ortskerne und des Territoriums durch strategische Planung.
Im Handlungsfeld 2 Entwurf und Konstruktion steht das nachhaltige Ganze aus Material, Ressourcen, Baukomponenten und Bauteilen im Fokus, das unter anderem durch den Klimawandel akuten Handlungsbedarf birgt. Forschungsthemen sind innovative Entwurfs- und Planungsmethoden, das Neudenken von Prozessen sowie die Entwicklung von Raumtypologien, Bausystemen, Bauteilen und Baustoffen. Ziel ist es, Nachhaltigkeit im gesamten Bauwesen zu demonstrieren und zeitnahe zu etablieren.
Ressourcen und Baustoffe in Stoffkreisläufen stehen im Zentrum des Forschungsinteresses des Handlungsfelds 3 Material und Ressourcen. Ziel ist, nachhaltige Werkstoff, Bauteile, Bauwerke sowie Städte und Regionen zu entwickeln. Dazu werden primäre und sekundäre Ressourcen sektorübergreifend nutzbar gemacht und Stoffkreisläufe geschlossen, Ressourcen und Materialien effektiv und effizient im Sinne ihrer Performance und des Klimaschutzes verwendet sowie innovative Baustoffe erforscht und entwickelt.
Digitale Verfahren umfassen alle Phasen der Gebäudeentwicklung – von Planung über Ausführung und Betrieb bis hin zu Um- und Rückbauten. Umfassende Modelle, Simulationsverfahren und künstliche Intelligenz machen es in Zukunft möglich, die Performance und Umweltbilanz von Gebäuden über ihren ganzen Lebenszyklus genauer abschätzen und kontrollieren zu können. Forschungsthemen im Handlungsfeld 4 Digitale Methoden sind darüber hinaus innovative Messtechniken, digital gesteuerte Fabrikationsmethoden sowie Visualisierungsverfahren und parametrische Modelle, mittels derer unterschiedliche Zukunftsszenarien entwickelt werden.
Im Handlungsfeld 5 Bewertungsmethoden entwickeln Forschende einschlägige Bewertungsmethoden sowie Planungs- und Entscheidungsprozesse im nachhaltigen Bauen neu oder weiter. Darüber hinaus stehen die systemische Modellierung und lebenzyklusbasierte Nachhaltigkeitsanalyse (Life Cycle Sustainability Assesment) von Demonstrationsbauvorhaben im Zentrum. Ziel ist die Transformation der gebauten Umwelt in Hinblick auf Nachhaltigkeits- und Klimaziele.
Sprecher*innen Team
Marcella RUSCHI MENDES SAADE
Mestra Dr.
Tel.: +43 316 873 1344
m.ruschimendessaade@tugraz.at
Dirk SCHLICKE
Univ.-Prof. Dipl.-Wirtsch.-Ing. Dr.techn.
Tel.: +43 316 873 6196
dirk.schlicke@tugraz.at
Andreas TRUMMER
Assoc.Prof. Dipl.-Ing. Dr.nat.techn.
Tel.: +43 316 873 6212
andreas.trummer@tugraz.at
Koordination/Administration
Doris ARTHOFER
Mag. CIA
Tel.:+43 316 873 6213