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Samir Kopacic: Von Erdöl zu Bioplastik

18.11.2020 | Planet research | FoE Advanced Materials Science | FoE Sustainable Systems | Young Talents |

Von Birgit Baustädter

TU Graz-Forscher Samir Kopacic möchte dazu beitragen, dass in Zukunft weniger Plastik und mehr biologisch abbaubare Materialien verwendet werden. Und entwickelt eigene, papierbasierte Verpackungen.

Samir Kopacic arbeitet an biologisch abbaubaren Folien und Filmen, mit denen Papierverpackungen beschichtet werden können. © Lunghammer – TU Graz

„Wir haben derzeit knapp 8 Milliarden Menschen auf unserer Erde. Wenn wir weiterhin so viel Plastik konsumieren, wie wir es derzeit tun, dann haben wir in den kommenden Jahren immer mehr biologisch nicht abbaubare Plastikabfälle in unserer Umwelt und steigende CO2-Werte in der Atmosphäre“, erklärt Samir Kopacic mit drastischen Worten, warum er sich für eine Laufbahn im Bereich Green Technology mit Fokus auf Prozess- und Materialentwicklung entschieden hat. Der 31-Jährige forscht am Institut für Biobasierte Produkte und Papiertechnik daran, wie im Bereich der Lebensmittelverpackungen mehr biobasierte Materialien und weniger Kunststoffe eingesetzt werden können. „Klassisches Beispiel sind für mich die Müsli-Verpackungen“, beschreibt er. „Sie bestehen aus einem Karton und innen drin ist ein Plastiksackerl.“ Das aus synthetischen Folien erzeugte Sackerl werde als funktionelle Gasbarriere gebraucht, um beispielsweise die Müsliflocken knusprig zu halten und das Aroma zu bewahren. Als Alternative könnte der Karton aber auch mit einem biobasierten Film oder einer Folie beschichtet werden, die denselben Effekt hätten, so Kopacic.

Wenn wir weiterhin so viel Plastik konsumieren, wie wir es derzeit tun, dann haben wir in den kommenden Jahren immer mehr biologisch nicht abbaubare Plastikabfälle in unserer Umwelt und steigende CO2-Werte in der Atmosphäre.

Der junge Forscher arbeitet an unterschiedlichen multi-funktionellen Biopolymeren, die auf Papier aufgetragen werden oder Plastik gar vollständig ersetzen könnten „Die meisten europäischen Länder sind keine Erdölproduzenten, dafür sind jedoch in Österreich ca. 50 Prozent der Bodenfläche mit Wald bedeckt – also reich an nachhaltiger und erneuerbarer Biomasse, aus der wertvolle Biopolymere gewonnen werden können“, erklärt er den wirtschaftlichen sowie technologischen Aspekt hinter seiner Arbeit.

Die Liebe zur Natur liegt in der Familie

„Ich kann aus akademischer Sicht sehr viel mit diesem Thema anfangen, weil es eine Mischung aus technischer Chemie und Verfahrenstechnik ist – also meine beiden Studien miteinander vereint.“ Samir Kopacic wurde in Gracanica, einer kleinen Stadt im nordöstlichen Teil von Bosnien und Herzegowina, geboren, besuchte die internationale englischsprachige Mittelschule und studierte anschließend Technische Chemie und Verfahrenstechnik an der TU Graz.

„Mir wurde schon im Gymnasium bewusst, dass meine Stärken in der Naturwissenschaft liegen. Schon damals habe ich Interesse an experimentellen naturwissenschaftlichen Fächer gehabt und die Studienwahl war einfach. Die Frage war, ob ich in die technische, medizinische oder naturwissenschaftliche Richtung gehen soll“, blickt er heute zurück. „Meiner 3-jährigen Tochter geht es heute ganz genau so – sie interessiert sich jetzt schon sehr für Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen.“

Mir wurde schon im Gymnasium bewusst, dass meine Stärken in der Naturwissenschaft liegen.

Außer seiner Arbeit widmet er sich in seiner Freizeit seiner Familien, Freunden und gemeinsamen Hobbies. Für seine Tochter und seine Ehefrau – ebenfalls Chemikerin an der TU Graz – kocht er gerne: „Gestern zum Beispiel gab es Hühnerbrust mit einer käseartigen Spezialfüllung und diversen Kräutern“, verrät er. Auch sonst verbringt er jede freie Minute mit seiner Familie und im Freien, wandert gerne und gibt Wohnzimmerkonzerte mit seiner Tochter. „Sie hat gerade eine Ukulele bekommen und ich spiele Gitarre. Wir sind keine Profis, aber es ist Potential da“, schmunzelt er.

Heinzel-Mondi-Sappi Award für Jungforscher

In Zukunft möchte er weiter im technischen Bereich arbeiten, seine fachlichen und persönlichen Kompetenzen weiterentwickeln und in innovativen Felder einsetzen. „Dank vielfältiger akademischer Ausbildungen und professioneller Erfahrung könnte ich mir meine zukünftige berufliche Tätigkeit sowohl im akademischen als auch im industriellen Bereich vorstellen“ sagt er. „Zusammen mit Projektpartnern aus der Industrie und dem akademischem Bereich mache ich sehr viel angewandte Forschung und bin gerade auch an einer Erfindung beteiligt, die patentiert werden soll. Einige Ergebnisse könnten in den nächsten Jahren zu Produkten weiterentwickelt werden.“ Dass auch die österreichische Papier- und Verpackungsbranche ähnlicher Meinung ist, zeigt der Heinzel-Mondi-Sappi Award, den der Jungforscher im Oktober 2020 für seine Forschungstätigkeiten erhalten hat. Kopacic selbst ist jedenfalls felsenfest davon überzeugt, „dass wir in Europa eine Kursänderung bezüglich des Plastikkonsums brauchen und in Zukunft auf Biomaterialien setzen müssen.“

Samir Kopacic hält eine Urkunde in der Hand.

Samir Kopacic erhielt 2020 den Heinzel-Mondi-Sappi Award für seine Forschungsarbeit.

Dieses Forschungsprojekt ist im Field of Expertise „Sustainable Systems“ verankert, einem von fünf strategischen Schwerpunktfeldern der TU Graz.
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Information

Die Unternehmen Heinzel Group, Mondi Group und Sappi vergeben jährlich den Heinzel-Mondi-Sappi Award an Forschende unter 35 Jahren, die außergewöhnliche wissenschaftliche Arbeiten im Bereich der nachhaltigen Verwertung von Holz, Zellstoff und Papier veröffentlicht haben. Der Preis wird in drei Kategorien vergeben: Pulping Process, Cascaded Use of Wood und Paper- and Board Making Process. Insgesamt wird ein Preisgeld von 10.000 Euro vergeben.

Kontakt

Samir KOPACIC
Dipl.-Ing. Dr.techn. BSc
Institut für Biobasierte Produkte und Papiertechnik
Inffeldgasse 23
8010 Graz
samir.kopacicnoSpam@tugraz.at
+43 316 873 30788