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TU Graz/ Studium/ International studieren/

Wohnen am Campus oder in der Stadt? Tipps für die Entscheidung

Von Peter Fürlinger | 26.01.2026
Bildquelle: Peter Fürlinger

Die richtige Unterkunft beeinflusst dein Auslandssemester maßgeblich. Dieser Beitrag zeigt dir, worauf es bei der Wahl ankommt.

Einer der größten Unterschiede zwischen dem Studium an einer europäischen Universität und jenem in einem anderen Teil der Welt ist die Art der Unterbringung. In den meisten Städten hast du die Wahl zwischen einer Unterkunft auf dem Campus in Studierendenwohnheimen und Zimmern, die von deiner Gastuniversität bereitgestellt werden, und einer Unterkunft außerhalb des Campus in einer eigenen Wohnung.

Besonders bei der Planung eines Auslandssemesters, bei mir war es für mein Semester an der Universiti Teknologi PETRONAS in Malaysia, ist die Wahl der Unterkunft eine wichtige Entscheidung, die unbedingt früh genug getroffen werden sollte. Dieser Blogeintrag soll bei der Entscheidungsfindung helfen.

Die Illusion der Wahl

Bevor man sich über die Wahl des Wohnheims Gedanken macht, sollte man abwägen, welche Möglichkeiten einem überhaupt zur Verfügung stehen. Manche Universitäten bestehen auf gewisse Regeln, die vorschreiben, wo ihre Studierenden leben dürfen. In meinem Fall traf dies speziell auf Bachelorstudierende zu. Ein Grund für solche Regeln ist, dass manche Institutionen sehr viel Budget aufwenden, um auf ihren eigenen Grundstücken Wohnungsmöglichkeiten für die Studierenden zur Verfügung stellen und diese Ausgaben dann auch wieder rückgewonnen werden müssen. Ein weiterer Grund ist die verbesserte Überwachung und Sicherheit der Studierenden.

Manche Universitäten verfügen sogar über eine eigene Campuspolizei, wie auch hier an der Universiti Teknologi PETRONAS. (Bildquelle: Peter Fürlinger)
 

Universitäten, wie beispielsweise die Universiti Teknologi PETRONAS (UTP) in Malaysia schreiben vor, dass alle Undergraduate (also Bachelor-) Studierenden in einem am Campusgelände befindlichen Wohnheim leben müssen. Graduate (Master-) Studierenden ist es erlaubt, außerhalb des Campus zu wohnen. Diese Regel gilt allerdings nur für die Adresse, mit der man sich bei der Universität anmeldet. Wohlhabendere Studierende können diese Regel also einfach umgehen, indem sie zwar für die Unterbringung im UTP-Studierendenheim bezahlen, sich dann allerdings zusätzlich eine Mietwohnung außerhalb des Geländes suchen. Da es unmöglich ist, zu kontrollieren, wo die Studierenden tatsächlich leben (ohne eine nächtliche Ausgangssperre zu verhängen), ist dies eine weit verbreitete Taktik unter Studierenden.

In manchen muslimischen Ländern sind Studierendenwohnheime meist strikt geschlechtergetrennt. (Bildquelle: Peter Fürlinger)
 

Preis

Der wichtigste Faktor, den outgoing Studierende berücksichtigen sollten, wenn sie eine Bleibe für die Dauer ihres Auslandssemesters suchen, ist selbstverständlich der Preis der Unterkunft. Generell sind Studierendenheime, die von der Universität zur Verfügung gestellt werden, billiger als Mietwohnungen.

Darüber hinaus ist ein wichtiger Unterschied zwischen den beiden Auswahlmöglichkeiten die Notwendigkeit einer Kaution. Die meisten Vermieter*innen verlangen von potenziellen Bewohner*innen eine Kaution in der Höhe von in etwa ein bis drei Monatsmieten. Diese kann unter Umständen auch nach dem Auszug noch lange zurückbehalten werden (zum Beispiel aus administrativen Gründen), und erhöht die Einstiegskosten vor dem Antritt des Auslandssemesters maßgeblich (speziell, wenn man bedenkt, dass auch die Austauschprogramme selbst oft eine Kaution voraussetzen und Flüge vor dem Antritt der Reise gebucht werden müssen).

Von einer Universität eröffnete Studierendenwohnheime verlangen hingegen entweder gar keine Kaution oder eine vergleichbar niedrige. Das Risiko des Kautionsverlustes ist auch erheblich geringer, da Universitäten in der Regel weniger oft schließen oder die Besitzer wechseln als Immobilienunternehmen.

Ein weiterer Vorteil von Studierendenheimen: Viele verfügen über Sportanlagen wie zum Beispiel Tennisplätze oder Fitnessstudios. (Bildquelle: Peter Fürlinger)
 

Wichtige Denkanstöße

Wenn die gewünschte Universität in der Stadt, in der man studieren will, mehrere Campi hat, sollte man möglichst schnell herausfinden, welchen dieser Campi man am öftesten besuchen wird, um an Kursen teilzunehmen. Selbst wenn die Uni nämlich einen „Haupt-Campus“ hat, muss nicht unbedingt gegeben sein, dass man die meiste Zeit tatsächlich an diesem verbringt.

In heißeren Gebieten ist es darüber hinaus wichtig abzuwägen, ob man ein Zimmer oder ein Apartment mit einer Klimaanlage benötigt. Dies gilt für Wohnungen auf und abseits des Universitätsgeländes.

Mit dem globalen Zuwachs an Austauschstudierenden und Austauschprogrammen wächst auch die Zahl an Unternehmen, die es sich zur Mission gemacht haben, Studierende auszubeuten. Oftmals versprechen diese eine einfache Möglichkeit, um nach Unterkünften zu suchen. Meistens werben sie obendrein mit einfacher, kautionsfreier Abwicklung. In Wirklichkeit sind sie aber eine Abzocke, da sie oft nicht das halten, was sie versprechen. Aus diesem Grund bewährt es sich, die Bewertungen des Unternehmens zu überprüfen, mit denen du einen Vertrag abschließen möchtest. Aber es sei darauf hingewiesen, dass sogar diese gekauft oder gefälscht werden können.

Arten der Unterbringung außerhalb des Campus

Wenn man sich entscheidet, außerhalb des Universitätsgeländes zu wohnen, kann man aus vielen verschieden Arten an Unterkünften wählen. Die gängigste Art ist dabei selbstverständlich einfach eine Wohnung zu mieten, wie man das auch in seiner Heimatstadt tun würde. Das Hauptproblem mit diesem Ansatz ist (neben einer teuren Miete), dass ein Austauschsemester üblicherweise nur rund sechs Monate (oder sogar weniger) dauert. Viele Vermieter*innen nehmen für einen so kurzen Zeitraum keine Mieter*innen an.

An den meisten Destination sind Mietverträge mit einer Mindestvertragsdauer von zwölf Monaten der Standard, doch es gibt auch Ausnahmen. Es lohnt sich auf jeden Fall, die Lage im Zielland zu prüfen, bevor man diesen Weg einschlägt.

Eine praktische Art, die Zeit im Zielland so gut wie möglich auszukosten – ohne sich um komplizierte Mietverträge kümmern zu müssen – ist als Untermieter*in mit einem Zimmer in einer Wohngemeinschaft oder einem „shared house“. Letztere sind speziell in Asien (vor allem in Japan) üblich. Hier wird das gesamte Haus von einer Firma verwaltet, verfügt über mindestens ein gemeinsames Badezimmer sowie eine gemeinsame Küche, während man das Zimmer, in dem man schläft, alleine nutzt. Wohngemeinschaften sind auch eine kostengünstige Wohnmöglichkeit, mit weitaus weniger strikten Regeln hinsichtlich Vertragsabschluss und Zusammenleben (je nach Mitbewohner*innen kann dies allerdings stark variieren). Die gängigsten Plattformen, um eine solche Wohngemeinschaft zu finden, unterscheiden sich normalerweise von Land zu Land. Die populärste Webseite im deutschsprachigen Raum ist beispielsweise „WG gesucht“, während in Spanien die meisten Wohngemeinschaften wohl über „Idealista“ zu finden sind. Eine schnelle Google-Suche oder noch besser das Gespräch mit zurückgekehrten Studienkolleg*innen sollte schnell offen legen, welches Portal für das jeweilige Land die besten Optionen bietet.

In manchen Städten (speziell jenen, die als „teuer“ gelten) kann es sich auch lohnen, die Preise in Hostels zu prüfen. Je nach der Dauer des Aufenthaltes kann dies eine sehr kostengünstige Möglichkeit sein, ein paar Monate seines Austauschsemesters zu überbrücken, falls am Wohnungsmarkt große Knappheit herrscht. Die Voraussetzung hierfür ist natürlich, dass einem mehrere ständig wechselnde Mitbewohner*innen und nicht vorhandene Kochmöglichkeiten nichts ausmachen. Je nach Unterkunft auf dem Campus kannst du dort jedoch auch auf ähnliche Bedingungen stoßen.

Die typische Aussicht aus einer Mietwohnung in Penang. (Bildquelle: Peter Fürlinger)
 

Das Pendeln

Der größte Nachteil an einem Leben außerhalb des Campus ist die Notwendigkeit, den Weg zur Lehrveranstaltung und zurück selbst planen zu müssen. Bevor man also entscheidet, in welchem Viertel der ausgesuchten Stadt man wohnen möchte, könnte es von Vorteil sein, zuerst zu checken, wie dicht der Verkehr und wie gut das Angebot der öffentlichen Verkehrsmittel rund um die Universität sind. Diese Daten können benutzt werden, um das potenzielle Suchgebiet der Unterkunft einzuschränken.

Falls die Stadt eher überschaubar oder ländlicher gelegen ist, kann es sein, dass man hierfür Google Maps nicht zur Hand nehmen kann, da kleinere Verkehrsbetriebe ihre Informationen diesen Plattformen oft nicht zur Verfügung stellen. Je nachdem, wann der Unterricht beginnt (und wie viele sonstige Aktivitäten man im Stadtzentrum pro Woche plant), kann es vorteilhaft sein, auch die erste und letzte Verbindung nach Hause im Vorhinein anzusehen.

Schlusswort

Sowohl das Leben am und außerhalb des Universitätsgeländes hat seine Vor- und Nachteile. Das macht es zu einer schwierigen Entscheidung, die man lange vor Beginn des Auslandssemesters treffen muss. Wie man lebt, schafft die Grundatmosphäre der Mobilität, daher sollte man diese Entscheidung nicht leichtfertig treffen.

Ich hoffe, ich konnte euch in diesem Blogeintrag genügend Denkanstöße liefern, um diese Entscheidung zumindest ein klein wenig einfacher zu machen. Wie bei allen Dingen rund um das Auslandssemester ist der Dialog mit zurückgekehrten Studierenden meistens die größte Hilfe bei diesem Thema, da deren Erfahrungen mehr relevante Informationen beinhalten, als es jede Google Suche oder Blogeintrag je könnte.

Du möchtest noch mehr Erfahrungsberichte von Studierenden hören, die schon ein Auslandssemester hinter sich haben? Dann wirf einen Blick ins Intranet TU4U, wo du zum Beispiel auf der Seite des OverSEAs Programms bei den jeweiligen Partneruniversitäten noch weitere Erfahrungsberichte findest.
Außerdem hast du die Möglichkeit, dich bei der jährlich im Oktober stattfindenden Go! International Fair persönlich mit zurückgekehrten Austauschstudierenden und gerade an der TU Graz befindlichen Austauschstudierenden zu vernetzen.
 

Peter Fürlinger studierte Information and Computer Engineering an der TU Graz und verbrachte das Sommersemester 2025 mit dem Mobilitätsprogramm OverSEAs an der Universiti Teknologi PETRONAS in Malaysien. Als Study Abroad Peer berichtete er in dieser Zeit auf den TU Graz International Social Media Kanälen von seinen Auslandserfahrungen. 
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