Artificial Intelligence (AI) an der TU Graz
Dritte Akteurin im Hörsaal: Lehrende, Studierende – und die AI
„Künstliche Intelligenz ist angekommen und wird nicht mehr weggehen. Das ist eine Kulturtechnik, die im Lehren und Lernen ganz zentral werden wird“, ist sich Verena Schwägerl-Melchior sicher. Die Hochschuldidaktikerin leitet an der TU Graz die Teaching Academy, an der sich Lehrende weiterbilden können. „Daher ist AI in allen unseren Kursen als Thema integriert.“
Seit dem Start von ChatGPT Ende 2022 hat AI unser aller Alltag umgekrempelt – und damit auch Lehre, Forschung und Verwaltung an unserer Universität. Bereits 2023 erstellte die TU Graz eine Leitlinie für den Einsatz von KI-gestützten Tools im Bereich der Lehre, die laufend aktualisiert wird. Im Wesentlichen gilt: An der TU Graz dürfen Studierende AI-basierte Tools nur zur Rechtschreibkontrolle, Übersetzung und stilistisch-grammatischen Verbesserung ihrer Texte verwenden. Lehrende können einen darüber hinausgehenden Einsatz von AI-gestützten Tools zulassen, aber deren Einsatz auch einschränken. Bei Prüfungen sind AI-Tools nicht erlaubt, außer sie werden explizit zugelassen.
Auf der TELucation-Website gibt es hilfreiche Beiträge für Lehrende, etwa zur LV-Vorbereitung mit KI-Unterstützung, zum KI-Einsatz in der Lehrveranstaltung oder zum Prüfen in Zeiten von KI. Zudem widmet der Podcast „Lehren – Lernen – Lauschen“ mehrere Folgen dem Thema AI, so spricht etwa in der aktuellen Ausgabe Benedikt Brünner vom Institute of Human-Centred Computing über KI-gestützte Lehre.
Dass künstliche Intelligenz verändert, wie der Kompetenzerwerb der Studierenden sinnvoll überprüft werden kann, ist für viele Lehrende ein Thema. „Mit dem Thema der Leistungsfeststellung ist gleichzeitig auch die Auseinandersetzung mit dem Lernprozess und den angestrebten Lernergebnissen in der eigenen Lehrveranstaltung gefragt“, sagt Schwägerl-Melchior. „Mit AI hat sich eine dritte Akteurin zu Lehrenden und Studierenden gesellt – die sich dadurch ergebenden Möglichkeiten sollten wir didaktisch wohlüberlegt nutzen.“
Wenn Lehrende AI einsetzen, sollten sie vorrangig die didaktisch sinnvolle Nutzung von AI für ihre Lehrveranstaltung im Blick haben, betont Schwägerl-Melchior. Die Möglichkeiten sind vielfältig: „Einerseits kann AI in der Planung von Lehrveranstaltungen oder beim Formulieren von Lernergebnissen unterstützen. Andererseits können Lehrende AI auch direkt in der Lehrveranstaltung einsetzen – zum Beispiel, indem Studierende den Output eines AI-Tools mit eigenen Arbeiten vergleichen.“ Am wichtigsten sei dabei, dass die Studierenden lernen, kritisch mit AI zu interagieren und Ergebnisse stets selbst zu überprüfen. Und dass Studierende durch zu frühen AI-Einsatz die dafür erforderlichen fachlichen Kompetenzen nicht mehr erwerben, sollte in jedem Fall didaktisch vermieden werden.
TU4U-Seite für Lehrende: KI-Einsatz in der Lehre
TU4U-Seite für Studierende: KI-Einsatz im Studium
Forschungsdaten: Wie viel AI steckt in FAIR?
Seit Kurzem gibt es an der TU Graz auch einen AI-Leitfaden für die Forschung, der Prinzipien für den Umgang mit AI-basierten Anwendungen skizziert. Denn um weiterhin kompetitiv zu bleiben, ist es wichtig, dass Forschende die Möglichkeiten von AI in ihrem Forschungsprozess aktiv nutzen. Die Prinzipien sind als „AI-TU-Regel“ prägnant formuliert: Analysieren Sie die Daten. Interpretieren Sie kritisch. Teilen Sie die Ergebnisse verantwortungsvoll. Überprüfen Sie das Ergebnis.
Und wie verändert AI den Umgang mit Forschungsdaten? Diese Frage war Teil des Symposiums „FAIR & AI“ an der TU Graz, bei dem sich im November 2025 über 100 Teilnehmer*innen austauschten. Der FAIR-Data-Grundsatz ist gelebte Praxis an unserer Universität und besagt, dass Forschungsdaten findable (auffindbar), accessible (zugänglich), interoperable (kompatibel) und reusable (wiederverwendbar) sein sollen. „FAIR Data bleibt weiterhin sehr relevant – doch in Hinblick auf AI sind die FAIR-Prinzipien alleine nicht ausreichend“, resümiert Ilire Hasani-Mavriqi, die das Research-Data-Management-Team (RDM-Team) an der TU Graz leitet. „Die FAIR-Prinzipien alleine sagen beispielsweise nichts darüber aus, ob Forschungsdaten einen Bias enthalten und damit Ergebnisse verzerren könnten.“ Umgekehrt kann AI dabei unterstützen, Forschungsdatenmanagement zu vereinfachen, z. B. indem automatisch Metadaten generiert werden. Bei rechtlichen oder ethischen Fragen zu den Daten braucht es jedoch zwingend die Analyse von Menschen.
Das RDM-Team der TU Graz ist organisatorisch an der OE Bibliothek und Archiv verankert. Diese gibt auch Tipps zur Literaturrecherche mit AI – so wie in diesem Blogbeitrag: Search smarter: KI als Recherche-Assistent.
Das RDM-Team stellt für alle TU Graz-Wissenschafter*innen eine Reihe an Tools zur Verfügung, die das Management von Forschungsdaten im gesamten Lebenszyklus unterstützen: von der Erstellung eines Datenmanagementplans über die gemeinsame Nutzung von Forschungsdaten bis hin zur Veröffentlichung im TU Graz Repository. Diese Tools helfen außerdem dabei, „AI-ready data“ aufzubereiten – also Daten, die in der Folge sehr gut maschinell verarbeitet werden können, weil sie entsprechend dokumentiert sind.
Für Beratung rund um Forschungsdatenmanagement steht das RDM-Team gerne zur Verfügung: „Unsere Data Stewards bieten maßgeschneiderte Unterstützung für einzelne Forschende oder Forschungsgruppen“, erzählt Hasani-Mavriqi. „Daneben bieten wir wiederkehrende Schulungen im Rahmen der Internen Weiterbildung ebenso an wie spezifische Webinare und Präsenzveranstaltungen.“ Dabei arbeitet das RDM-Team der TU Graz fallweise mit anderen österreichischen Institutionen zusammen, etwa mit der AI Factory Austria.
Artificial Intelligence ist nicht nur integraler Bestandteil nahezu aller Forschungsaktivitäten an der TU Graz, sondern zugleich ein eigenständiges Forschungsfeld. Hier erfahren Sie mehr dazu:
Aktuelle TU Graz-Newsmeldungen rund um Artificial Intelligence
Podcast „Talk Science To Me“: Season 5 mit den Folgen 20 bis 23 widmete sich der künstlichen Intelligenz
Künstliche Intelligenz als Schwerpunktthema im TU Graz Dossier #8
Academic AI für alle
AI ist nicht nur in Lehre und Forschung im Einsatz, seit Dezember 2025 steht allen TU Graz-Bediensteten das Tool Academic AI zur Verfügung. Damit können Sie nicht nur einen Chatbot nutzen, sondern auch Dokumente analysieren und eine eigene Wissensdatenbank für Ihr Fachgebiet erstellen. Innerhalb von zwei Monaten haben sich bereits fast 800 TU Graz-Bedienstete bei Academic AI angemeldet, das ist etwa ein Fünftel aller Mitarbeitenden. Doch wofür verwenden sie das neue Tool?
Datenschutz: Auf Academic AI eingegebene Daten und hochgeladene Dokumente werden innerhalb der EU verarbeitet, sie verlassen die Plattform nicht und werden auch nicht zu Trainingszwecken für die AI verwendet. Natürlich gilt dennoch im Sinne der DSGVO: Personenbezogene Daten dürfen nicht ohne Einwilligung eingegeben werden. Bitte achten Sie außerdem bei der Verarbeitung personenbezogener Daten darauf, diese nach Möglichkeit zu anonymisieren oder zu pseudonymisieren.
„Ich nutze Academic AI als Sparringpartner, um Informationen neu zu strukturieren, Ideen und Konzepte zu entwickeln und Themen aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten“, verrät Lena Neureiter aus der OE International Office – Welcome Center. Georg Url von der OE Zentraler Informatikdienst wiederum verwendet Academic AI „unter anderem zur Musteranalyse von großen Datenmengen wie etwa Logdaten oder zur Abstraktion umfangreicher Dokumente“.
„Mein Tipp: Wenn man mit dem Output von Academic AI nicht zufrieden ist, die AI um Prompt-Optimierung bitten und den Kontext präzise mitgeben (Rolle/Expertise, Zielpublikum, gewünschtes Format).“
Lena Neureiter, OE International Office – Welcome Center
Ilire Hasani-Mavriqi setzt Academic AI als Unterstützung ein, um bei Projektanträgen und -berichten allgemeine Textabschnitte zu formulieren und zu strukturieren. Großes Potenzial sieht Verena Schwägerl-Melchior im „Tailored AI“-Modul: Damit können TU Graz-Mitarbeitende eine eigene Wissensdatenbank erstellen, indem sie bis zu 150 Dokumente hochladen, um die AI mit den darin enthaltenen Informationen zu befüllen. „Das ist eine spannende Funktion z. B. für Lehrveranstaltungen, die von mehreren Personen abgehalten werden – denn die Tailored-AI-Modelle kann man unter Kolleg*innen teilen.“
Einen Wunsch an zukünftige Academic-AI-Versionen – das Tool wird laufend weiterentwickelt – hat Margit Schwarz von der OE Zentraler Informatikdienst: „Ich würde mich über die Möglichkeit freuen, auch Grafiken auszuwerten – konkret: dass Academic AI die Flipchart-Protokolle von Workshops transkribiert, sodass ich diese Dokumentation weiter bearbeiten kann.“
Selbstverständlich ist auch bei diesem Tool der Output der AI kritisch zu hinterfragen, Antworten von Academic AI können Fehler oder Unschärfen enthalten. Bitte verifizieren Sie die bereitgestellten Informationen stets anhand von zusätzlichen Quellen und prüfen Sie AI‑generierten Inhalt kritisch.
Rund um AI weiterbilden
Wer jetzt Lust bekommen hat, Academic AI selbst auszuprobieren oder AI stärker in den eigenen Arbeitsalltag zu integrieren, findet an der TU Graz verschiedene Unterstützungsangebote dazu: Mit der prompting.schule lernen Sie kostenlos effektive Prompting-Strategien kennen und können so noch bessere Ergebnisse erzielen. Auf der Plattform iMooX bieten TU Graz und Uni Graz zudem den Onlinekurs „Generative KI: verstehen, gestalten, verantworten“ an, der eine praxisorientierte Einführung in das Themenfeld gibt. Beide Angebote sind für alle Interessierten zugänglich.
TU Graz-Mitarbeitende können auch im Programm der Internen Weiterbildung stöbern, um für sich relevante AI-Kurse zu finden. Die OE Personal-/Kompetenzentwicklung hat zudem auf der TU4U-Seite mit „Future Skills“ rund um Digitalkompetenz hilfreiche Inhalte gebündelt, die Sie zur persönlichen Weiterbildung nutzen können. Ergänzend bietet das Programm Future.Work.Skills sowie die Workshopreihe Future Skills Nuggets weitere praxisnahe Formate, die AI und andere zukunftsrelevante Themen gezielt aufgreifen.
AI studieren: Im Herbst 2025 startete an der TU Graz das erste Erweiterungsstudium zu künstlicher Intelligenz in Österreich. Das Studium Artificial Intelligence Engineering bietet Masterstudierenden und Absolvent*innen die Möglichkeit, Grundlagen der Informatik zu erlernen und AI-Methoden auf ihr Fachgebiet anzuwenden.
Für alle Interessierten bietet die TU Graz Universitätskurse sowie berufsbegleitende Masterprogramme und Universitätslehrgänge rund um das Thema AI an. Für ausgewählte Angebote erhalten TU Graz-Angehörige einen Rabatt. Das vollständige Programm der universitären Weiterbildung finden Sie auf der Website Life Long Learning.
Gebündelte AI-Infos: Die TU Graz fördert den verantwortungsvollen Einsatz von AI-gestützten Tools in Lehre, Forschung und Verwaltung. TU Graz-Mitarbeitende können sich im Intranet TU4U über Unterstützungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten informieren, die TU Graz-Website bietet Infos für alle Interessierten: AI an der TU Graz.
Diesen Beitrag und weitere Artikel zum Schmökern finden Sie in TU Graz people #95, dem Magazin für TU Graz-Mitarbeitende und Interessierte.

