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06.04.2023 |

Von Birgit Baustädter

Franz Teschl untersucht an der TU Graz, wie Regentropfen und Starkwetterereignisse die Kommunikation mit Satelliten beeinflussen.

Kleine Regentropfen können die Kommunikation mit Satelliten stören. Bildquelle: Lunghammer - TU Graz

Der folgende Text ist ein wörtliches Transkript der Podcastfolge.

Talk Science to Me – der Wissenschaftspodcast der TU Graz

Herzlich Willkommen bei Talk Science to Me, dem Wissenschaftspodcast der TU Graz. Mein Name ist Birgit Baustädter und heute darf ich meine Fragen an Franz Teschl richten, der am Institut für Kommunikationsnetze und Satellitenkommunikation forscht.

Talk Science to Me: Lieber Herr Prof. Teschl, herzlichen Dank, dass Sie heute meine Fragen beantworten. Sie arbeiten am Institut für Kommunikationsnetze und Satellitenkommunikation. Woran arbeiten Sie momenten?

Franz Teschl: Momentan arbeite ich an einem Beitrag für eine Konferenz. Die Konferenz ist die Antenna and Propagation-Konferenz Ende März. Und mein Thema sind da speziell Regentropfen und, wie man die Streueigenschaften von Regentropfen speziell in extremen Bedingungen, also bei Hurricanes, wie man die eben berechnen kann und, wie uns neuronale Netze dabei helfen können.

Warum Regentropen? Was ist da daran das Interessante oder Spezielle?

Teschl: Regen ist für die Satellitenkommunikation oft ein Hindernis. Speziell für Frequenzen über zehn Gigahertz. Und mittlerweile geht der Trend bei der Satellitenkommunikation zu immer höheren Frequenzen. Und dort hat Regen eine besondere Bedeutung. Der Regen dämpft nämlich die Signale. Und, wenn ich sehr viel Regen habe, kann das entscheidend sein, ob eine Kommunikation mit dem Satelliten zustande kommt oder nicht. Und da muss man eben genau Bescheid wissen. Aber andererseits, und das ist auch eines meiner Forschungsthemen, geht es darum, aufgrund der Untersuchung von diesen Satellitenkommunikationslinks auch Informationen übers Wetter herauszufinden. Das ist auch mein Forschungsthema und nennt sich auch Opportunistic Remote Sensing. Also eben diese Signale auch für die Fernerkundung zu verwenden in erster Linie. Und zunächst einmal nicht dafür gedacht waren, sondern man nutzt Signale opportunistisch, weil sie eben da sind.

Das heißt, Sie unterstützen da ein bisschen den Wetterbericht quasi?

Teschl: Die Informationen werden in Zukunft hoffentlich auch helfen, den Wetterbericht genauer zu machen. Und das Interessante daran ist, dass hauptsächlich in Gebieten, wo wir jetzt zum Beispiel sehr wenig Regenmesser haben, also, wo die terrestrische Infrastruktur nicht so gut ist, dort können Satellitenkommunikationslinks eben auch vielleicht in Zukunft nützlich sein, um zusätzliche Messwerte zu haben und somit ein genaueres Bild über die Wetterlage.

Warum stören Regentropfen oder Regen die Satellitenkommunikation?

Teschl: Weil ein Regentropfen eigentlich ein Hindernis ist. Wenn eine elektromagnetische Welle auf einen Regentropfen trifft, dann wird diese Welle gedämpft, auf Grund der Eigenschaften des Wassers und auch aufgrund der Form der Regentropfen. Und mein Hintergrund ist eigentlich auch Radarmeterologie ein bisschen. Und das war auch mein Einstieg und dann auch Thema meiner Diplomarbeit. Da ist es darum gegangen, wie ich Streuparameter bestimmen kann von Regentropfen. Und der Regentropfen hat eben die Eigenschaft, dass er eben auch elektromagnetische Wellen zurückwirft. Das ist das Prinzip, das bei der Radarmeterologie eben zur Anwendung kommt. Ich sende eine elektromagnetische Welle aus und ein ganz kleiner Teil der Energie wird zurückgeworfen und aufgrund der Laufzeit und auch dieser Signalstärke, die da zurückkommt, kann ich eben diesen Regen detektieren. Der Regentropfen und dieses Echo ist für die Radarmeterologie eben entscheidend, um Regen zu detektieren am Radar. Für die Satellitenkommunikation ist es eben oft ein Hindernis. Und trotzdem gilt es irgendwie die Eigenschaften und diese Streuung zu verstehen, um auch Satellitenkommunikationsverbindungen stabiler zu machen und auch eine gewisse Qualität und Zuverlässigkeit garantieren zu können.

Wie muss ich mir das genau vorstellen? Lassen Sie es in Ihrem Labor regnen? Oder wie geht das?

Teschl: Wir nutzen dazu ein Distometer. Das ist ein Gerät, das in Graz auch entwickelt wurde vor vielen Jahren und immer wieder verbessert wird. Das ist ein Gerät, das jeden Regentropfen sozusagen fotografiert. Von der Seite und von vorne. Und es wird auch die Fallgeschwindigkeit bestimmt. Und somit kann ich wirklich auch das Volumen nachbilden. Das Volumen, das Regenvolumen nachbilden. Ich weiß, wie die Tropfenverteilung ist und, wie diese Regentropfen aussehen. Und da gibt es übrigens oft ein Missverständnis in der Bevölkerung: Regentropfen haben nicht diese Tränenform, wie sie oft vielleicht im Wetterbericht gezeichnet oder symbolisiert werden. Ganz kleine Regentropfen sind oft rund. Aber je größer sie werden, desto abgeplatteter sind sie und sie haben auch Oszillationen und sie können bestimmte Formen annehmen. Und speziell in extremen Ereignissen, wie Hurricanes oder auch hohen Windgeschwindigkeiten haben sie besondere Form. Und gerade auch diese extremen Ereignisse sind interessant. Sowohl für die Radarmeterologie, als auch für die Satellitenkommunikation. In der Satellitenkommunikation geht es darum, eine gewisse Qualität garantieren zu können. Sehr hohe Qualität. Das heißt, nur ein paar Minuten im Jahr ist es erlaubt sozusagen, dass der Link nicht funktioniert. Und darüber muss man eben auch Bescheid wissen. Und diese extremen Situationen einplanen. Und eben auch Statistiken führen. Für unterschiedliche Länder und unterschiedliche Gebiete gibt es auch unterschiedliche Regenwahrscheinlichkeiten und Statistiken und extreme Ereignisse.

Arbeiten Sie da konkret für ein Satellitenprojekt oder ist das Grundlagenforschung?

Teschl: Dieser Bereich ist sozusagen Grundlagenforschung. Zu schauen, wie die Streuparameter ausschauen und speziell, welchen Einfluss die haben für sehr hohe Frequenzen. Und, wie man diese Informationen eher jetzt klassifiziert und diese Regentropfen vielleicht kategorisiert.

Das heißt aber, Sie arbeiten da auch sehr viel mit Simulationen, nehme ich an.

Teschl: Ja. Da geht es darum, zum einen für eine Reihe von Regentropfen und verschiedene Formen die Streuparameter zu bestimmen, zu simulieren. Und dann arbeite ich natürlich auch mit dem Thema neuronale Netze. Weil es geht auch darum, die vielen Daten, die wir schon haben, eben zu nutzen und mit Hilfe von künstlicher Intelligenz vorherzusagen, wie die Streueigenschaften von den vielen Partikeln sind, wenn eben nur einige bestimmte Werte bekannt sind.

Und funktioniert das gut?

Teschl: Da sind wir im Moment dran. Also, mit ein paar wenigen Informationen über Regentropfen ist es mit Hilfe von künstlicher Intelligenz schon möglich, dass ich diese Streueigenschaften bestimme, ohne, dass ich den gesamten Tropfen im Detail nachmodellieren muss. Und eben aufwendige Einzelsimulationen durchführen muss.

Aber, wenn ich das richtig verstehe ist das ein Forschungsgebiet, das noch eher am Anfang steht?

Teschl: Die Forschung für Regentropfen und Wellenausbreitung gibt es schon lange. Aber jetzt speziell der Einfluss, wie diese Formen ausschauen, welches Verhalten die Regentropfen zeigen in extremen Situationen und bei hohen Frequenzen, da sind wir erst am Anfang.

Von Graz aus sind ja auch schon einige Satellitenmissionen selbst gestartet. Also, nicht von Graz aus, aber in Graz wurden die Satelliten gebaut. Und auch diese müssen getestet werden was ihre Kommunikation betrifft. Welche Möglichkeiten habe ich da an der TU Graz?

Teschl: Ich war an zwei Satellitenmissionen beteiligt. Zunächst die Mission OPS-Sat, die im Dezember 2019 gestartet ist und noch im Gang ist. Die nächste Mission wird PRETTY sein. Also passive Reflektometrie. Übrigens auch eine Idee eigentlich von Opportunistic Remote Sensing. Denn wir versuchen auch hier Signale zu detektieren von Navigationssatelliten, die da sind. Also wir brauchen nicht unser eigenes Signal erzeugen, sondern wir nutzen Signale, die da sind. Und wir wollen damit, mit Hilfe des direkten Signals und des reflektierten Signals; zum Beispiel eben Altimetermessungen durchführen. Das heißt zum Beispiel Meereshöhen und die Reflexionseigenschaften detektieren. Zum Thema, wie jetzt diese Satelliten getestet werden müssen: Da haben wir bei uns am Institut einige Möglichkeiten. Zunächst gilt es eben, diese extremen Bedingungen, die der Satellit im Weltraum eben vorfindet, zu simulieren. Das ist einerseits das Vakuum. Das heißt, alle Komponenten müssen Vakuumfest sein. Wir müssen alle Komponenten so auch zuerst einmal im Vakuum testen. Ich habe zum Beispiel an einer Antenne gearbeitet. Und die habe ich eben gebaut und klassifiziert für unseren Satelliten OPS-Sat. Und wenn zum Beispiel da etwas geklebt wird und da wäre ein Lufteinschluss, dann würde das im Weltraum, im Vakuum natürlich nicht halten und die Luft würde entweichen wollen. Und deshalb muss man zum Beispiel alle im Vakuum testen. Ein anderer Test, der durchgeführt wird, ist, den Satelliten eben zu testen, ob er die ganzen Vibrationen aushält, die erwartet werden, speziell während des Starts. Und da haben wir zum Beispiel eine Rüttelplatte, einen Rütteltisch, wo wir diese Vibrationen testen. Das heißt, die einzelnen Komponenten des Satelliten, aber dann auch den Satelliten als Ganzes. Und für die Kommunikation, da ist speziell die Antennenmesskammer, die wir mit dem Institut für Hochfrequenztechnik zusammen nutzen, eben entscheidend, um die Antennen zu vermessen.

Was passiert da genau?

Teschl: In einer Antennenmesskammer ist die Funktion eigentlich ähnlich so wie hier in diesem Studio. Hier ist ein Tonstudio und die Idee hier ist, dass zunächst keine Störung von außen reinkommt. Und zweitens, dass ich hier nicht viel Schall habe, in diesem Tonstudio. Ähnliche Analogie gibt es auch in der Antennenmesskammer. Ich möchte die Richtcharakteristik einer Antenne in der Antennenmesskammer messen. Dazu habe ich diese Messkammer. Die simuliert mir sozusagen ein freies Feld. Vielleicht auch den Weltraum. Die Idee ist, dass von außen nichts reinkommt. Und, dass eine elektromagnetische Welle, die ausgesendet wird, dass sie nicht reflektiert wird. Dass sie sich eben verläuft und von den Wänden absorbiert wird. Und somit kann ich dann die Richtcharakteristik dieser Antenne genau bestimmen. Und in der Satellitenkommunikation ist es eben wichtig, dass wir, wenn wir einen Satelliten testen, dass wir sichergehen, dass dieser Satellit mit dieser Leistung eben sendet, die maximal möglich ist, mit dieser Frequenz, die erlaubt ist, dass wir nicht andere stören. Und deshalb müssen zunächst auch Satelliten in dieser Antennenmesskammer, die Übertragung muss in dieser Antennenmesskammer getestet werden. Und in einer Antennenmesskammer habe ich auch noch die Möglichkeit, eben die Richtcharakteristik der Antenne zu bestimmen. Das heißt, einfach in welche Richtung wird mehr oder weniger Energie abgestrahlt. Das ist auch entscheidend, um zu wissen, wie dann der Satellit ausgerichtet sein muss und, in welche Richtung der Satellit Signale abstrahlt.

Wenn ich da jetzt reingehe, dann ist die Antennenmesskammer ein mittelgroßer Raum, und es sind da sehr viele blaue Spitzen, die ein bisschen funkeln. Welche Funktion haben diese Spitzen?

Teschl: Diese absorbierenden Pyramiden haben die Funktion, dass die elektromagnetische Welle eben absorbiert wird. Und ähnlich wie hier in einem Tonstudio: Da gibt es auch typischer Weise solche Strukturen. Die elektromagnetische Welle soll völlig absorbiert werden. Ein Teil der Welle wird eben immer wieder reflektiert und absorbiert. Und durch diese konische Form wird auf jeden Fall gewährleistet, dass die Welle nicht mehr zurückfällt. Und, durch das Material, das eben absorbierend ist, wird im Endeffekt die elektromagnetische Energie in Wärme umgesetzt und wird nicht mehr zurück reflektiert.

Sie haben vorher erwähnt, dass man schauen muss, dass sich die Satelliten nicht stören in ihrer Frequenz und in ihrem Sendeverhalten und Kommunikationsverhalten. Ist das ein sehr großes Thema mittlerweile im Weltall?

Teschl: Es ist ein Thema, dem natürlich Beachtung geschenkt werden muss. Wir haben so viele Satelliten im Weltall und es werden immer mehr. Wir sprechen von Mega-Constellations und tausende Satelliten sind im Weltall. Und es muss natürlich gewährleistet sein, dass jeder Satellit nur auf der Frequenz sendet, die eben erlaubt ist. Und dafür gibt es einerseits die International Telecommunication Union, also die oberste Fernmeldebehörde. Und weil aber so viele Satelliten, eben immer mehr Frequenzbereiche schon nutzen, ist es notwendig, dass man immer wieder auf höhere Frequenzen geht, weil ja alle anderen Frequenzbereiche schon besetzt sind. Und deshalb sehen wir, dass wir immer höhere Frequenzbereiche eben erschließen, die aber, jetzt wieder zurückkommend aufs Wetter, immer mehr gedämpft werden auf Grund von Niederschlag. Und da ist auch einerseits die Herausforderung, da eine zuverlässige Kommunikation zu gewährleisten.

Wo ist bei Ihnen so das Interesse entstanden an der Satellitenkommunikation?

Teschl: Es hat am Anfang schon im Studium begonnen. Und ich war eben, wie erwähnt, zuerst im Bereich Wellenausbreitung und meteorologische Aspekte tätig. Und hab dann immer mehr die Möglichkeit gehabt, auch bei Joanneum Research in Graz, Messexperimente durchzuführen. Da ist es darum gegangen, Satellitensignale zunächst zu simulieren. Ich war da beteiligt an einigen Messkampagnen, wo zunächst Flugzeuge des österreichischen Bundesheeres Signale ausgesendet haben, um Satelliten, zukünftige Satelliten zu simulieren. Und wir haben dann die Mehrwege-Ausbreitung und die Empfangsqualität gemessen an verschiedenen Orten: in Städten, auf Freiland... Und solche Experimente. Und 2014 habe ich dann die Möglichkeit gehabt, am Institut für Kommunikationsnetze und Satellitenkommunikation auch dieses Wissen einzubringen. Und dort habe ich dann auch die Möglichkeit gehabt, am OPS-Sat, an diesem Satellitenprojekt, mitzuarbeiten und die Kommunikationsantennen zu entwickeln, zu testen und dann auch zu bauen. Und im Endeffekt dann auch weltraummäßig zu spezifizieren und zu testen.

Ist es für Sie jetzt mehr der Kommunikationsanspekt, der Sie interessiert? Oder ist es das Weltall? Sind es die Satelliten?

Teschl: Also für mich sind es alle Aspekte. Gerade in der Satellitenkommunikation spielt vieles mit. Und damit man eben hier Satelliten starten kann braucht man einen Überblick über vieles. Es ist Kommunikation extrem wichtig, denn ohne Kommunikation ist jeder Satellit ein potentiell gefährliches Hindernis. Und ist eigentlich Weltraumschrott, wenn ich mit dem Satelliten nicht kommunizieren kann. Aber auch das gesamte Umfeld ist interessant. Das ist auch sehr faszinierend. Eben zu wissen, welchen Bedingungen der Satellit ausgesetzt ist. Auch die ganzen Themen, wie oft man den Satelliten zu Gesicht bekommt sozusagen und wie oft man Sichtbarkeit mit dem Satelliten hat. Und das heißt eben: Wenn er wieder über Graz fliegt. Und all diese Themen sind interessant.

Sind Sie da auch in der Bodenstation öfter tätig?

Teschl: Ich persönlich nicht, aber mittlerweile ist schon sehr viele automatisiert. Aber in der Lehre zeige ich das gerne her. Dass ich in der Vorlesung „Satellite Communications“ eben den Studierenden zeige, wo unsere TU Graz-Satelliten sich gerade befinden, wie man berechnen kann, wo sie sind, wie lange es dauert, bis sie wieder sichtbar sind und mit welchen Geschwindigkeiten sie unterwegs sind. Und all diese Themen und Fragestellungen.

Wenn ich mich an der TU Graz mit dem Weltraum beschäftigen will als Studentin oder Student, welche Möglichkeiten habe ich da?

Teschl: Also bei uns an der TU Graz gibt es da mehrere Möglichkeiten. Es gibt einerseits viele Institute, die sich mit dem Weltraum beschäftigen. Und außerdem gibt es auch noch das Studium „Space Sciences and Earth from Space“, das sich auch vielen Aspekten der Weltraumforschung widmet.

Und es gibt auch die Weiterbildung „Space Tech“ an der TU Graz.

Teschl: Richtig. Space Tech ist ein Weiterbildungs-Lehrgang. Aber der richtet sich speziell an Interessentinnen und Interessenten, die schon einige Jahre Berufserfahrung haben. Die meisten von ihnen haben schon einen wissenschaftlichen Abschluss, arbeiten schon zum Beispiel in einem Weltraumumfeld und haben schon mehrjährige Berufserfahrung. Und im Rahmen dieses Space Tech-Studiums wollen wir den Studierenden, diesen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, fast alle Aspekte der Weltraumforschung zeigen. Da geht es um Kommunikation, Satellitenkommunikation, um Navigation und um Human Space Flight. Es geht auch darum, das ganze Weltraumumfeld zu verstehen und die Studierenden arbeiten da an sogenannten Fallstudienprojekten. Also die Idee ist wirklich, eine Idee für ein kommerzielles Weltraumprogramm im Detail zu planen und auch die Machbarkeit zu zeigen. Und dazu haben die Studierenden eben einige Monate Zeit. Und am Ende arbeiten sie auch an ihrer persönlichen Diplomarbeit.

Was ist da ihr Part an dem Programm?

Teschl: Seit einem Jahr bin ich jetzt zuständig als wissenschaftlicher Lehrgangsleiter. Und da geht es speziell darum, immer wieder zu adaptieren, welche Themen gerade wichtig sind. Und das Weltraumumfeld ändert sich auch schnell. Es gibt einerseits auch viele Fragestellungen, die sich neu entwickeln. Und wir wollen eben, dass die Studierenden da ideal auf das vorbereitet sind. Und es geht auch immer darum, zu entscheiden, welche neuen Themen nehmen wir in unser Programm auf. Und vielleicht, welche Themen sind nicht mehr so wichtig. Und, dass wir da immer eine gute Balance haben und immer gut am Puls der Zeit sind. Und außerdem wollen wir in diesem Space Tech-Lehrgang den Studierenden auch das Umfeld zeigen. Sie werden unterrichtet in Graz, an der TU Graz. Aber auch an vielen europäischen Weltraumzentren, wie zum Beispiel in Toulouse bei der französischen Weltraumbehörde. Oder beim deutschen Institut für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen. Bei dem Astronautenzentrum in Köln. Oder in Frascati im ESA-Erdbeobachtungszentrum. Und schließlich gibt es dann auch eine Möglichkeit, am Ende dieses Lehrgangs das ESA-Technikzentrum in den Niederlanden in Nordwijk zu besuchen. Und dort auch nicht nur die Einrichtungen zu sehen und die Möglichkeiten zu sehen, sondern auch mit Expertinnen und Experten vor Ort einen guten Einblick zu bekommen in dieses Umfeld.

Sie haben es vorher schon erwähnt: Welche Themen sind den aktuell wichtig im Weltraumumfeld?

Teschl: Also im Moment ist ein entscheidendes Thema auch speziell die nächste Mond-Mission. Denn, die internationalen Weltraumagenturen haben ein ambitioniertes Programm. Nämlich wieder auf den Mond zurück zu kehren. Und in weiterer Folge auch vielleicht alle Infrastruktur, die dort in Zukunft vielleicht aufgebaut wird, auch zu nutzen für die Weiterreise zum Mars. Und so gesehen ist auch das ganze Wissen um Satellitenorbits um den Mond entscheidend. Und das ist auch das Thema des laufenden Space Tech-Lehrgangs, an dem die Studierenden zurzeit arbeiten.

Würden Sie selbst gerne einmal ins All?

Teschl: Ich habe fast jetzt schon eine enorme Möglichkeit gehabt, dieses Umfeld zu sehen. Nämlich vor einigen Wochen, als ich die Möglichkeit hatte, im ESA-Astronautenzentrum in Köln einzelne Module zu sehen, reinzugehen sogar, und dort sind einzelne Module der Internationalen Weltraum Space Station eben nachgebaut. Speziell auch für die Astronauten zum Training. Und das habe ich schon gesehen. Also einige Wochen lässt es sich hier schon aushalten da drinnen. Aber, so wie ich das jetzt sehe, gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten, in den Weltraum zu gelangen. Einerseits als Weltraum-Tourist. Und andererseits eben als Astronaut. Weltraum-Tourist wäre nicht so interessant für mich, weil da ist man eigentlich nur Passagier. Als Techniker möchte ich natürlich etwas angreifen. Und auch vielleicht an den Messgeräten tatsächlich etwas messen oder Experimente durchführen. Und darum wäre dann schon eine Astronauten-Karriere interessanter.

Und wo würden Sie da gerne hin?

Teschl: In dem Fall ist schon ein großer Teil meines Hungers gestillt. Wenn ich jetzt auch so das ganze Leben in der Raumstation mir vor Augen führe, dann ist es nicht mehr so interessant, weil es dann doch lange Zeit ist, die man mittlerweile als Astronaut oder Astronautin im Weltraum sein muss. Und es geht nicht mehr nur kurz rauf und dann wieder zurück. Sondern wirklich Langzeitmissionen. Aber natürlich selbstverständlich war es auch ein Kindheitstraum von mir, immer schon gewesen, auch einmal die Erde vom Weltall aus zu sehen. Und alle Astronauten, mit denen ich bisher gesprochen habe sagen, dieses Erlebnis ist einzigartig.

Wie stellen Sie sich das vor?

Teschl: Ich stelle mir das unglaublich vor. Und speziell auch dieses Blau und dieses Weiß, von den Wolken, von den Ozeanen. Das stelle ich mir besser vor als jedes Foto. Und die beste Auflösung, die man sich vorstellen kann.

Und wie war das jetzt, durch diese Module durchzugehen?

Teschl: Es ist natürlich ein ziemlich beengter Raum. Wenn man sich denkt, man muss da monatelang in diesen Gängen eben wohnen und leben, ist es sicher eine Herausforderung, aber andererseits sagen die Astronautinnen, die Astronauten, dass, wenn man dann schwebt in diesen Modulen kommt einem der Raum viel größer vor, als wenn man nur durch diese Gänge geht. Und das ist das, was ich gehört habe.

Haben Sie schon viel mit Astronautinnen und Astronauten Kontakt gehabt?

Teschl: Wir haben mit einigen Astronauten jetzt im Rahmen dieses Space Tech-Lehrgangs auch gesprochen und die Erfahrungen sind interessant und speziell. Wenn ich auch die Biografien lese ist es sehr interessant, was diese Astronauten schon vorher gemacht haben zum Teil, damit sie dann eben auch ausgewählt wurden.

Dann würde ich gerne zur Abschlussfrage kommen: Geld ist in der Forschung immer ein sehr wichtiges Thema. Natürlich auch in der Weltraumforschung. Wenn Geld jetzt einmal kein Thema wäre, wenn Sie wirklich einmal alle Möglichkeiten hätten, das umzusetzen, was sie umsetzen möchten, was würden Sie dann umsetzen?

Teschl: Geld ist tatsächlich immer ein Thema. Und es ist wirklich schwer, so wie Sie es eben fragen, sich es vorzustellen ohne Geld. Gerade in der Weltraumforschung ist schon so viel investiert worden und es müssen fast die Staaten gemeinsam ein Programm aufstellen, damit sie das ganze finanziell stemmen können. Aber, was mir so vorschwebt: Ich habe vorher schon von dieser Idee von Remote Sensing gesprochen. Und speziell Opportunistic Remote Sensing. Ich würde sehr gerne alle diese Infrastruktur, die mittlerweile durch die vielen Satelliten im Weltraum eben schon existiert, nutzen und alle diese Signale zusammenzubringen, zu analysieren und auch das Netzwerk, das Umfeld schaffen, dass diese Daten ausgetauscht werden, und, dass diese Daten, diese Signaldaten auch genutzt werden, analysiert werden, um eben sehr viel über unsere Atmosphäre zu erfahren. Das sind Wettergeschehen, das sind Wetterfragen, Klimafragen, und dazu braucht es aber auch ein bisschen Geld. Und auch die Koordination und das ist ein Thema, dem ich mich zukünftig widmen möchte auch.

Gibt es irgendetwas im Bereich Weltraumforschung oder auch Satellitenmisionen in nächster Zeit, auf das Sie sich besonders freuen?

Teschl: Wir haben eben vor mehr als drei Jahren den OPS-Satelliten gestartet und die Idee ist, dass es ein Nachfolgeprojekt gibt. Und da sind wir im Moment auch in Gesprächen, dass wir da auch wieder beteiligt sind und da ein internationales Konsortium aufstellen und hoffentlich da auch unser Wissen einbringen können in diese geplante OPS-Sat 2 Mission.

Herzlichen Dank für dieses Interview!

Gerne. Danke für die Einladung.

Schön, dass ihr heute wieder zugehört habt. In der nächsten Folge ist Manuela Wenger zu Gast. Sie war Systems Engineer beim ersten österreichischen Satelliten, der den Weg ins All angetreten ist, und erzählt von ihrer Arbeit.