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14.05.2021 | TU Graz screenshots | TU Graz news | Forschung | Studium

Von Cornelia Kröpfl, BA MA

Egal ob der Lieferdienst das Essen oder Mode bringt: Je schneller, desto besser. Die Um-welt bleibt meist auf der Strecke. Kooperation und „Physical Internet“ sind die Lösungen der Zukunft.

Die Hälfte aller Transportfahrten ist leer. Das ist nicht effizient und daher Ausgangspunkt für die Logistik-Forschung von Christian Landschützer (re.) und Mario Hirz (li.) an der TU Graz.

Lieferzeit der Pizza über eine Stunde? Die Wahrscheinlichkeit, dass wir bei dieser Pizzeria bestellen, ist verschwindend gering. Wo es doch fünf andere Pizzerien gibt, bei denen der Lieferdienst nur 40 Minuten braucht. Wenn der Magen knurrt, muss es schnell gehen. Der „Hunger“ nach schnellen Lieferungen beschränkt sich aber nicht auf Pizza, Sushi und Co. Christian Landschützer vom Institut für Technische Logistik der TU Graz: „Wir sind es gewöhnt, dass wir alles, was wir haben wollen, so schnell wie nur irgendwie möglich geliefert bekommen. Und wenn die Händlerinnen und Händler das nicht anbieten, bestellen wir woanders. Auf der anderen Seite sind nahezu die Hälfte der Transportfahrten leer. Alle haben ihre eigene Logistik, was alles andere als effizient ist.“

Wie bei vielen Maschinen gilt auch in der Logistik: Sie läuft am besten unter Volllast. Für diese braucht es Kooperation, steht für Mario Hirz vom Institut für Fahrzeugtechnik außer Frage. „Dass verschiedene Händler eigene LKW betreiben, ist keineswegs optimal. Es führt zu einer hohen Umweltbelastung und hohen CO2-Ausstößen. Der Transport von Waren und Gütern ist – im Vergleich zu anderen Aufwänden – sehr billig. Die Verschiffung eines Containers aus Übersee kostet beispielsweise keine 5.000 Euro.“ Neue gesetzliche Rahmenbedingungen könnten helfen, den Ressourceneinsatz zu optimieren. Und auch neue Lösungsansätze zu entwickeln, zeigen sich Hirz und Landschützer überzeugt. In der Forschungsarbeit ihres Teams sehen die beiden einen wichtigen Beitrag hin zu einer nachhaltigeren Logistik. „Wir stellen Ansätze bereit, die zeigen, dass es anders geht.“

Ganz und gar nicht auf dem Holzweg

Die Ansätze sind vielversprechend. Ein großes Projekt ist das von Fraunhofer Austria koordinierte Leitprojekt PhysICAL (gefördert vom Klimaschutzministerium). Bei diesem ist die TU Graz Kooperationspartnerin. Im Fokus steht das „Physical Internet“. Im Internet verpackt man die Daten einheitlich und schickt sie in offenen Netzen durch die Welt. So könnte das auch mit realen Gütern funktionieren. Ein Beispiel: Es hätte dann nicht jeder Lebensmittelhandel sein eigenes Logistik-Netz mit eigenen LKW. Alle würden ein gemeinsames Logistiksystem nutzen.

Einer der Ansätze, die das Forschungsteam verfolgt, ist ein offenes Warenaustauschsystem. Dieses kann von allen Lieferdiensten genutzt werden. In Graz installiert man dazu ein City Hub. Über den wird eine digital optimierte Tourenplanung aus einer Hand für alle beteiligten Transportunternehmen durchgeführt. Ein anderes Pilot-Projekt im Rahmen von PhysICAL beschäftigt sich mit dem Holztransport im oberen Murtal. Anstelle von unzähligen LKW, die derzeit das Holz transportieren, wird das Holz auf kooperativ genutzte Gebinde verladen. Rund ein Drittel des Transportvolumens verlagert man von der Straße auf die Bahn.

Wie nachhaltig ist autonomes Fahren?

Ein anderer Ansatz ist jener des autonomen Fahrens. Autonome Fahrzeuge haben großes Potenzial, den Personen- und Warentransport zu revolutionieren. In Ländern wie Kalifornien wird diese Technologie auf öffentlichen Straßen eingesetzt, berichtet Hirz. „Dort gibt es bereits Unternehmen, die autonome Zustellung auf öffentlichen Straßen durchführen. Sehr bald werden wir das auch in Europa sehen.“ An der TU Graz beschäftigt sich ein gemeinsames Team vom Institut für Softwaretechnologie und vom Institut für Fahrzeugtechnik mit der Thematik. So hat man autonome Zustellung bereits in der Grazer Innenstadt getestet. In Sachen Nachhaltigkeit sieht Hirz das autonome Fahren aber skeptisch: „Die Zustellung wird damit effizienter und einfacher. Doch das muss nicht unbedingt zu weniger Verkehrsaufkommen führen. Auch hier gilt: Man muss ökonomische und ökologische Interessen möglichst gut in Einklang bringen.“

Über den Tellerrand hinausblicken

Dazu braucht es in der Forschung interdisziplinäre Teams, steht für Landschützer und Hirz außer Frage: „Logistik funktioniert nicht ohne Fahrzeugtechnik, Digitalisierung und Betriebswirtschaft. Das muss alles Hand in Hand gehen.“ Um dieser Vernetzung noch stärker Rechnung zu tragen, wurde an der TU Graz eine „Forschungsinitiative für nachhaltige Personen- und Gütermobilität“ gegründet. Diese bündelt neun Dissertationen an acht Instituten. Alle beschäftigen sich mit Fragen zur nachhaltigen Mobilität. Zwei Beispiele: Dissertantin Thu Trang Nguyen bewertet Technologien und Transportsysteme hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Klimaerwärmung. Dissertant Florian Ratz entwickelt neue Business-Modelle für nachhaltigen Personen- und Gütertransport.

Im Mittelpunkt steht die fachübergreifende Vernetzung. In dieser sehen Hirz und Landschützer eine wichtige Voraussetzung für eine klimaschonendere und effizientere Logistik. „Eine der großen Fragen wird auch in Zukunft sein: Wie bringe ich eine Lieferung möglichst umweltschonend, komfortabel und kostengünstig zu den Kundinnen und Kunden? Hier kann ich nur Lösungen finden, wenn ich als Forschender über meinen Tellerrand hinausblicke. Ich muss Verständnis für andere Disziplinen entwickeln. Wir wollen unseren Teil dazu beitragen. Studierenden sollen nach ihrer Ausbildung dieses Wissen und das Mindset in die Unternehmen weitertragen.“

Studieren an der TU Graz: Das Angebot an Studiengängen der TU Graz in den Ingenieurwissenschaften ist breit gefächert. Es reicht vom Maschinenbau und den Bauingenieurwissenschaften bis zur Elektrotechnik. Diese kann man jeweils auch in Kombination mit Wirtschaft belegen. Außerdem gibt es das englischsprachige Masterstudium Production Science and Management.
An der Schnittstelle von Elektrotechnik, Maschinenbau und Informatik bietet die TU Graz ab Herbst das neue Bachelorstudium Digital Engineering an. Im Masterstudium Information and Computer Engineering erwerben Studierende kombinierte Kenntnisse in Informatik und Elektrotechnik – mit vielfältigen Vertiefungsmöglichkeiten.
Weitere Infos unter www.tugraz.at/go/studienangebot

Fliegender Teppich für Pakete

Um 30 Prozent mehr Pakete als im Vorjahr hat die Österreichische Post im Jahr 2020 zugestellt. Um die Zustellung effizienter zu machen und die Mitarbeitenden zu entlasten, sind innovative Logistik-Technologien gefragt. Dabei setzt man immer wieder auf das Know-how der TU Graz. Die Post ist daher auch am steirischen Start-up PHS Logistiktechnik GmbH beteiligt. Dieses beschleunigt mit seinem Produkt, dem „Rapid Unloader“, die Entladung von LKW um 75 Prozent. PHS ist eine Ausgründung der TU Graz. Sie wird von Andreas Wolfschluckner und Matthias Fritz geleitet. Vor ihrer Selbstständigkeit forschten beide am Institut für Technische Logistik.
PHS hat ein Entladesystem mit einer sogenannten „Dock-and-go-Lösung“ entwickelt. Das System besteht aus einem aufrollbaren Ladungsträger. Diesen bringt man im LKW an. Außerdem gibt es eine stationäre Vorrichtung am Tor der Lagerhalle, in die die Pakete gebracht werden sollen. Die stationäre Vorrichtung hat die Aufgabe, sich an den aufrollbaren Ladungsträger im LKW anzukoppeln, die Pakete herauszuziehen und diese einzeln an die jeweiligen Aufschusslinien zu übergeben. Durch das smarte Schnellentladesystem läuft die Entladung um 75 Prozent schneller als bei manuellem Ausladen ab. Damit aber noch nicht genug: PHS entwickelt die Technologie derzeit noch weiter, um noch effizienter und damit umweltfreundlicher zu werden.

Rote Buchstaben mit der Bezeichnung Screenshots, Mann im Hintergrund

Die Forschenden der TU Graz suchen Lösungen für die brennenden Probleme der Gegenwart. Welche Themen sie derzeit auf dem Schirm haben und was man studieren kann, um wie sie die Zukunft zu verändern, erfahren Sie auf TU Graz screenshots.

Information

Beratung zu Studien

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studynoSpam@tugraz.at

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Kontakt

Christian LANDSCHÜTZER
Assoc.Prof. Dipl.-Ing. Dr.techn.
TU Graz | Institut für Technische Logistik
landschuetzernoSpam@tugraz.at; +43 316 873 7325

Mario HIRZ
Assoc.Prof. Dipl.-Ing. Dr.techn.
TU Graz | Institut für Fahrzeugtechnik
mario.hirznoSpam@tugraz.at; +43 316 873 35220