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Mit Reagenzglas und Häkelnadel

04.01.2019 | Planet research | FoE Advanced Materials Science | Young Talents |

Von Birgit Baustädter

Beruflich blickt Beate Steller auf ein erfolgreiches Jahr: Die Chemie-Dissertantin erhielt für ihre Arbeit mehrere Auszeichnungen. Privat mag es die 26-Jährige ruhig und sieht sich ein wenig als „Oma“.

Beate Steller steht täglich in ihrem Labor in der Grazer Stremayrgasse. Die einzige Konstante in ihrem beruflichen Alltag: Sie schaltet am Morgen die Vakuumpumpe (hinten rechts) ein. Und am Abend wieder aus. Ansonsten ist ihr Tag vielfältig und abwechslungsreich. © Lunghammer – TU Graz

„Ich kann mich wirklich nicht über das vergangene Jahr beklagen“, resümiert Beate Steller und lacht. Überhaupt lacht die 26-jährige Jungforscherin gerne und viel, wenn sie in ihrem hellen Labor in der Grazer Stremayrgasse von ihrer Arbeit erzählt. 2018 überzeugte die junge Frau die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) gleich mehrfach mit ihrer Forschung in der anorganischen Chemie: Ihre Masterarbeit erhielt den mit 5.000 Euro dotierten Otto Vogl-Preis und ihre nun begonnene Dissertation fördert die ÖAW mit einem DOC-Stipendium.

„Meine Arbeit ist unheimlich neu“, erzählt sie und lehnt lässig an einer Laborbox, in der sich Kabel, Röhrchen und Reagenzgläser stapeln. Sie arbeitet am Institut für Anorganische Chemie an Modellverbindungen, an denen sie Reaktionen an Oberflächen von anorganischen Materialien beobachten kann. „Oberflächenreaktionen zu beobachten ist sehr schwer, weil hier die Analysemethoden fehlen“, erklärt sie. „Deshalb muss man molekulare Modelle verwenden, die in Lösung gehen und die man stattdessen beobachten kann.“ Vor allem bei Halbleitermetallen, aus denen die meisten elektronischen Bauteile bestehen, ist dieses Wissen wichtig. „Nur, wenn man diese Reaktionen versteht, kann man die Materialien optimieren und weiterentwickeln.“

Ihre Masterarbeit – und nun auch ihre Dissertation – betreut Roland Fischer, außerordentlicher Professor am Institut für Anorganische Chemie: „Beates Dissertationsthema ist extrem herausfordernd. Sie muss eine ganze Reihe von Ausgangsverbindungen für die molekularen Modellverbindungen – zum Teil zum ersten Mal überhaupt – darstellen und dann erforscht sie einen neuen Syntheseweg zu den Clusterverbindungen. Diese muss sie dann in ausreichender Menge darstellen, damit sie die Modellreaktionen untersuchen kann. Da erlebt man häufig Rückschläge und Frustrationen. Aber dank ihres experimentellen Geschicks und ihres Enthusiasmus kommt Beate gut voran!“

Beate Steller baut Modellverbindungen an Hand derer sie Reaktionen an Oberflächen von Materialien beobachten kann.

2018 war ein erfolgreiches Jahr für Masterstudierende und Dissertant/innen der TU Graz: Unter anderem erhielten auch Christina Granitz den Johann Puch Automotive-Award, Armin Buchroithner den TÜV Austria-Wissenschaftspreis sowie den VDI-Preis 2018, Johannes Wall den Förderpreis 2018 des Deutschen Verbandes der Projektmanagerin der Bau- und Immobilienwirtschaft, David Steffelbauer, Maria Eichlseder und Robert Winkler den Award of Excellence, Eva Reitbauer und Tobias Richinger den Würdigungspreis 2018 des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung, Imre Karacsonyi und Florian Arnold den Railway Engineering Award sowie Gerald Feichtinger und Johann Waldauf Forschungspreise von „Österreichs Energie Forschung & Innovation“. Daniel Gruss erhielt für seine Dissertation den GI-Dissertationspreis, den ACM SIGSAC Doctoral Dissertation Award und den Heinz Zemanek Preis 2018. Der Förderpreis des Forums Technik und Gesellschaft ging ebenfalls an Daniel Gruss sowie Niels Buchhold, Johanna Pirker, Moritz Lipp, Michael Schwarz und Christoph Haudum.

Wenn man seiner Zeit voraus ist

In ihrer Forschungsarbeit bewegt sich die Oberösterreicherin am Puls der Zeit – privat geht sie es gemächlicher an. „Ich backe gerne, koche viel und mache Handarbeiten“, bekennt sie und schmunzelt. „Innerlich bin ich ein bisschen eine Oma.“ Vor allem das Häkeln und Nähen sei ihre Leidenschaft. Hoch hinaus geht es nur beim Wandern auf den einen oder anderen Berggipfel.

Die 26-jährige ist im oberösterreichischen Wels geboren und besuchte das Wirtschaftskundliche Realgymnasium der Franziskanerinnen aus Vöcklabruck – zu dieser Zeit noch eine Schule ausschließlich für Mädchen, wie Steller erzählt. Nach der Matura 2011 zog Beate Steller nach Graz – heute ihre Wahlheimat: „Graz ist groß genug, um etwas zu erleben. Aber trotzdem klein genug, um sich nicht verloren zu fühlen.“ 2014 schloss sie das Bachlor-Studium Chemie ab, 2017 beendete sie den Master. Für sechs Wochen arbeitete Steller währenddessen in einem Labor in England, für kurze Zeit auch in den USA. „Es war schön, mal eine andere Chemie kennenzulernen und zu sehen, wie es in einem anderen Labor läuft“, erzählt sie.

Die TU Graz bietet Chemie als Bachelor- und als Masterstudium an. Beide Studien sind Teil der Universitätskooperation NAWI Graz, die die TU Graz im Bereich der Naturwissenschaften gemeinsam mit der Karl-Franzens-Universität Graz betreibt.

Wenn der Alltag nicht alltäglich ist

„Meine Arbeit ist unglaublich abwechslungsreich – im Grunde gibt es gar keinen Alltag.“ Steller wechselt täglich mehrfach zwischen Labors und ihrem Computer im Büro. „Das einzige, das ich wirklich jeden Tag mache: Am Morgen schalte ich meine Vakuumpumpe ein.“

In die Forschung am Institut für Anorganische Chemie sei sie „hineingerutscht“: „Ich habe im Anorganik-Labor im 3. Semester wohl am richtigen Ort zur richtigen Zeit das Richtige gesagt.“ Und darauf wurde Betreuerin Johanna Flock aufmerksam, die die begabte Studentin für ein Praktikum im Sommer ins Labor holte. „Die anorganische Chemie ist für mich eine Herausforderung. Ich habe es mit luft- und feuchtigkeitsinstabilen Verbindungen zu tun“, erklärt Steller den Reiz ihrer Arbeit. „Da muss ich mir schon vorab einiges überlegen und kann nicht einfach irgendetwas zusammenschütten. Ich muss organisieren und vorausdenken – das macht mir Spaß.“

Beate Steller arbeitet mit einer Glove-Box: Das Innere der Box ist versiegelt – die Stoffe mit denen sie arbeitet zersetzen sich bei Kontakt mit Luft oder Feuchtigkeit.

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Kontakt

Beate Gabriele STELLER
BSc MSc
Institut für Anorganische Chemie
Stremayrgasse 9/IV
8010 Graz
Tel.: +43 316 873 32118
beate.stellernoSpam@tugraz.at