Erfahrungen, die verbinden
Markus Kaspar lächelt, als er auf seine neue Funktion der Behindertenvertrauensperson für das wissenschaftliche Personal angesprochen wird. Dieses neue Amt, das er seit Jänner bekleidet, ist ihm immens wichtig: „Ich möchte Aufklärungsarbeit leisten und über sichtbare und nicht sichtbare Behinderungen informieren. Ich glaube, es gibt viele Menschen, die gar nicht wissen, dass sie in den Personenkreis der begünstigt Behinderten fallen, und daher auf Vorteile verzichten.“ Wieso er da so sicher ist? „Weil es mir gleich erging. Ich bin aufgrund eines persönlichen Schicksalsschlags auf einmal in diese Personengruppe gefallen und wusste es zuerst gar nicht. Behinderung setzen viele mit einer sichtbaren Beeinträchtigung gleich, zum Beispiel im Rollstuhl sitzend, aber es gibt hier so viele Schattierungen“, macht der 39-Jährige deutlich.
Auf einmal ist alles anders
Seit 14 Jahren ist Markus Kaspar am Institut für Angewandte Geowissenschaften tätig. Der Feldkirchner arbeitet als Projekt Senior Scientist und forscht zu Gebirgs- und Gesteinscharakterisierungen. Seine Arbeit macht ihm großen Spaß. Den Dingen auf den Grund zu gehen und praxisorientiert zu arbeiten und dabei klassische Problemstellungen und Aufgaben in der Ingenieurgeologie mit modernen Methoden zu kombinieren, darin sieht er seinen Forschungsauftrag. Als vor drei Jahren plötzlich eine Hiobsbotschaft über ihn hereinbricht, ist plötzlich alles anders. Der Wissenschafter erhält die Diagnose Krebs – von einem Tag auf den anderen. Und die Wertigkeiten im Leben verschieben sich.
Ich möchte eine Anlaufstelle sein, wo man Fragen stellen, aber auch seine Bedenken äußern kann. Viele hadern vielleicht mit dem Begriff ,begünstigte*r Behinderte*r‘ oder wissen gar nicht, dass sie auch in den Personenkreis fallen.
Heute gilt der Vater eines Achtjährigen als geheilt, „austherapiert“, so der Fachjargon. Im Zuge seiner Erkrankung erfährt er per Zufall, dass auch er in den Kreis „begünstigte*r Behinderte*r“ fällt und daher auch Anspruch auf diverse Unterstützungsangebote und Vergünstigungen hat. So haben Betroffene beispielsweise einen erhöhten Kündigungsschutz, steuerliche Begünstigungen und auch Anspruch auf Zusatzurlaub. Alles Dinge, die den Genesungsverlauf erleichtern. Der Forscher möchte seine Erfahrungen nun an Betroffene weitergeben: „Ich möchte eine Anlaufstelle sein, wo man Fragen stellen, aber auch seine Bedenken äußern kann. Viele hadern vielleicht mit dem Begriff ,begünstigte*r Behinderte*r‘ oder wissen gar nicht, dass sie auch in den Personenkreis fallen.“
Universität als Raum für alle
An der TU Graz gibt es rund 60 Personen mit dem Status „begünstigte*r Behinderte*r“; die Dunkelziffer dürfte deutlich höher sein. Denn neben sichtbaren Behinderungen wie Geh- oder Sehbehinderungen zählen unter anderem auch nicht sichtbare Krebserkrankungen, Diabetes, Autismus-Spektrums-Störung, ME/CFS (chronisches Fatigue Syndrom), Multiple Sklerose, Endometriose, Epilepsie, Depressionen oder psychische Erkrankungen dazu.
Seit über zwei Jahrzehnten ist Andreas Gößler, Leiter der OE Einkaufsservice, als Behindertenvertrauensperson an der TU Graz im Einsatz. Seit diesem Jahr gibt es mit Markus Kaspar (Stellvertretung Christina Mühlthaler vom Institut für Analytische Chemie und Lebensmittelchemie) nun erstmals auch eine eigene Behindertenvertrauensperson für das wissenschaftliche Personal. „Wissenschafter*innen haben vielleicht andere Bedürfnisse und vermehrt Fragen zu Dienstreisen, Lehrtätigkeit, oder zu Forschungsarbeiten, die im Gelände, im Labor, oder generell abseits des Büroalltags stattfinden. Und hier kann ich unterstützen. Ich freue mich, wenn sich Interessierte bei mir melden, jede Anfrage wird natürlich vertraulich behandelt“, betont der Forscher.
Die Behindertenvertrauenspersonen werden gemeinsam mit einem Betriebsrat alle vier Jahre neu gewählt. Markus Kaspar wurde im November 2025 zur Behindertenvertrauensperson für das wissenschaftliche und künstlerische Universitätspersonal der TU Graz gewählt, die Stellvertretung hat Christina Mühlthaler inne. Andreas Gößler wurde zur Behindertenvertrauensperson für das allgemeine Universitätspersonal gewählt, Elisabeth Lenz und Daniela Agrinz zu seinen Stellvertreterinnen.
Mitarbeitende mit Behinderung, physischer und/oder chronischer Erkrankung erhalten Infos und Unterstützung bei der Servicestelle Barrierefrei Arbeiten.
Weitere Infos auf der TU Graz-Website: Behindertenvertrauensperson
Diesen Beitrag und weitere Artikel zum Schmökern finden Sie in TU Graz people #95, dem Magazin für TU Graz-Mitarbeitende und Interessierte.

