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TU Graz/

Die Lehrlingsausbildung an der TU Graz


von Ines Hopfer-Pfister veröffentlicht am 05.05.2026
Die Lehrlingsausbildung an der TU Graz
Von der Werkstatt bis zum Chemielabor: Wussten Sie, dass man an der TU Graz 14 verschiedene Lehrberufe erlernen kann? TU Graz people blickt hinter die Kulissen und stellt Lehrlinge und Ausbildner*innen vor.
3 Männer und eine Frau stehen auf einer Stiege. Zwei Männer sind mit einem weißen Labormantel bekleidet, die Frau und der andere Mann tragen ein schwarzes T-Shirt. Mäntel und Shirts sind mit dem TU Graz-Logo bedruckt.
Ausbildner Günter Rumpf mit seinem ehemaligen Lehrling Leonie Fasching, Lehrling Christoph Schaffer und Ausbildner Philipp Pelzmann (v. l. n. r.). Bildquelle: Lunghammer – TU Graz

Die Funken sprühen: Leonie Fasching arbeitet fokussiert in der Werkstätte des Instituts für Thermodynamik und nachhaltige Antriebssysteme in der Inffeldgasse 21 und bedient mit Geschick das Schweißgerät. „Ich wollte schon immer etwas Handwerkliches und mit Metall machen“, so die 19-Jährige. Fasching hatte sich mehrere Lehrberufe vorab angeschaut, Kfz-Technikerin, Lackiererin, aber auch Restaurantfachfrau waren darunter. Doch sie merkte recht schnell, dass es etwas „mit Metall sein muss“, und beim Schnuppern an der TU Graz wurde ihr schnell klar: Hier hatte sie ihren Traum-Lehrberuf gefunden. Seit Kurzem hat Fasching die Lehre zur Metalltechnikerin im Fachbereich Maschinenbautechnik abgeschlossen und befindet sich in der Behaltefrist. Das bedeutet, dass der Lehrbetrieb verpflichtet ist, den Lehrling nach Abschluss der Lehrzeit für drei Monate weiter zu beschäftigen. Nach der Behaltefrist wird Leonie Fasching allerdings nicht in Graz bleiben. Für sie geht es fix nach Linz – der Liebe wegen.

Vom ersten Tag an mittendrin

„Die Lehre hier war total interessant und abwechslungsreich, das hat mir sehr gefallen“, lobt die junge Frau ihren Lehrplatz. Fasching ist eng im täglichen Werkstättenbetrieb eingebunden – und war das von Anfang an. „Von meinem ersten Lehrtag an war ich Teil des Teams“, betont der ehemalige Lehrling, „und durfte schon früh selbstständige Arbeiten übernehmen, das hat mir sehr gefallen.“ Und so hantiert Fasching professionell an der Dreh- und Fräsmaschine, schneidet Gewinde, bohrt, schweißt, fertigt Elemente für die Motorenprüfstände, macht Bestückungen oder Sonderanfertigungen, „alles, was für unsere Versuchsaufbauten so benötigt wird“. Günter Rumpf, Werkstättenleiter und Leonie Faschings Ausbildner, legt großen Wert auf selbstständiges Arbeiten: „Natürlich müssen Lehrlinge vieles lernen. Aber jede*r muss bei uns Arbeiten annehmen und sich dafür eigenständig Lösungen ausdenken können.“ Und Günter Rumpf hat schon viel gesehen an der TU Graz, seit über 40 Jahren arbeitet er an der Grazer Technikschmiede, seit 26 Jahren bildet er hier Lehrlinge aus. „Ich hatte immer großes Glück mit meinen Lehrlingen, die relativ früh schon Dinge konnten, die eigentlich erst für später vorgesehen waren. Ich hatte immer ein sehr gutes Verhältnis zu meinen Lehrlingen und es macht einfach stolz, wenn Lehrlinge gut abschließen und dann erfolgreich ihre eigenen Wege gehen.“

Auch hier stimmt die Chemie

Schauplatzwechsel: Statt Werkstättenlärm herrscht monotones Surren der Messinstrumente im Labor des Instituts für Biochemie in der Petersgasse 12. Und statt Funken gibt es Nebel. Christoph Schaffer entnimmt eine eingefrorene Proteinprobe zur Massenbestimmung. Der 17-Jährige befindet sich gerade im dritten Lehrjahr seiner Ausbildung zum Labortechniker Chemie/Biochemie. Naturwissenschaften, insbesondere Chemie, standen bei ihm schon immer hoch im Kurs. Dass er allerdings eine Lehre macht, war nicht ganz so eindeutig: „Hätte ich den Lehrplatz hier nicht bekommen, wäre ich weiter ins Gymnasium gegangen“, erklärt er. Aber eines ist für den Eggersdorfer ganz fix: Er will studieren – natürlich Chemie. Daher drückt er an den Wochenenden fleißig die Schulbank und macht die berufsbegleitende Matura. „Für mich ist das eindeutig eine Win-win-Situation. Ich bin zwar zwei Jahre später als meine Schulkolleg*innen mit der Matura fertig, habe aber dafür eine Doppellehre absolviert und ungemein viel gelernt.“ Die Ausbildung, die ihm hier an der TU Graz geboten wird, ist wahrlich etwas Besonderes. Dank des Engagements von Barbara Seibt und Adelheid Bakhshi wird den Labortechnik-Lehrlingen eine interinstitutionelle Ausbildung angeboten (vgl. dazu das Interview mit den beiden Ausbildnerinnen), die in eine Doppellehre mündet: „Ich bin wirklich begeistert, dass ich so viele Einblicke an verschiedenen Instituten bekomme“, so Schaffer.

„Für mich ist es schön, wenn der Lehrling so eine Freude an der Ausbildung hat. Diese intrinsische Motivation ist schön zu beobachten und tut einem selbst auch sehr gut“, erklärt Philipp Pelzmann, Christoph Schaffers Ausbildner. Der Chemotechniker ist seit vier Jahren am Institut für Biochemie tätig, schon an seinem vorherigen Arbeitsplatz bildete er Lehrlinge aus. „Mir ist eine grundlegende Einschulung sehr wichtig. Zu Beginn mache ich mit den Lehrlingen vieles gemeinsam, versuche aber, dass sie Routinetätigkeiten bald auch selbstständig erledigen können. Wichtig ist mir dabei immer, der erste Ansprechpartner zu sein. Christoph kann immer zu mir kommen.“

Wegbereiter*in für vieles

An der TU Graz sind 50 Personen als Ausbildner*innen gemeldet, 24 Personen sind im Moment aktiv als Ausbildner*innen tätig. Hohes Engagement, fachliche Expertise und großes Verantwortungsbewusstsein zeichnen diese Personen aus, die Lehrlinge neben ihrer alltäglichen Arbeit an der TU Graz ausbilden. Extrazulagen gibt es dafür keine. Hat ein Lehrling die LAP erfolgreich abgeschlossen, gibt es für die Ausbildner*innen eine Prämie. „Man macht das aus Überzeugung“, betont Günter Rumpf, „ich habe hier selbst an der TU Graz gelernt. Und mich freut es, wenn man jungen Leuten eine attraktive Lehrstelle bieten kann. Es taugt mir einfach, wenn ich junge Leute motivieren und ihre Begeisterung wecken kann.“ Das kann Philipp Pelzmann nur bestätigen: „Es ist für mich sehr erfüllend, wenn ich mein Wissen und mein Handwerk weitergeben und dabei beobachten kann, wie sich die jungen Menschen fachlich, aber auch persönlich weiterentwickeln. Man ist Wegbereiter für vieles. Und dank Christophs Geschick und Selbstständigkeit ist er für mich auch eine große Unterstützung im Laboralltag.“

Praxisnah und vielfältig

„Dass man an der TU Graz auch einen Beruf erlernen kann, wissen viele nicht“, davon ist Stefan Kratochwill, stellvertretender Vorsitzender des Betriebsrats und Lehrlingskoordinator an der TU Graz, überzeugt. „Unsere Universität ist bekannt für ihre akademische Ausbildung in den technischen und ingenieurwissenschaftlichen Studien, aber hier werden auch hochkarätige Fachkräfte ausgebildet.“ Dabei ist die Berufsbildung an unserer Universität sehr vielseitig: Ob Metalltechniker*in oder Mechatroniker*in, ob Bibliotheksassistent*in oder Werkstofftechniker*in – 14 verschiedene Lehrberufe können an der TU Graz erlernt werden. „Was uns von anderen großen Betrieben unterscheidet, ist das vielfältige Ausbildungsprogramm hier an der TU Graz“, betont Kratochwill. „Ob das nun die Motorentechnik, der Prototypenbau ist oder ob es wissenschaftliche Experimente im Labor sind – jedes Institut hat einen anderen Schwerpunkt und unsere Lehrlinge erleben so Forschung hautnah mit“, freut sich der Lehrlingskoordinator.

Seit über vier Jahrzehnten, seit Herbst 1982, bildet die TU Graz nun Lehrlinge aus. Seither haben sich die Anzahl und die Ausrichtung der verschiedenen Berufe stark verändert, viele Ausbildungen wurden modularisiert, die Bezeichnung der Lehrberufe änderte sich. In den letzten zwanzig Jahren wurden 224 Lehrlinge an der TU Graz aufgenommen, 91 davon waren weiblich. Für das heurige Jahr werden neun neue Lehrlinge aufgenommen.

Angebote für Lehrlinge und Ausbildner*innen

Aktuell werden an unserer Uni 28 Lehrlinge in acht verschiedenen Lehrberufen ausgebildet (vier Personen befinden sich in der Behaltefrist), neun junge Frauen sind darunter. Die TU Graz bietet verschiedene Services für Lehrlinge an, so gibt es beispielsweise Prämien bei ausgezeichneten Erfolgen in der Berufsschule und bei der Lehrabschlussprüfung oder eine Mobilitätsförderung, um öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Dieses Angebot wurde vonseiten des Betriebsrats für das allgemeine Personal und des Jugendvertrauensrats (JVR) eigens für die Lehrlinge initiiert und vom Rektorat genehmigt.

Der Jugendvertrauensrat ist Sprachrohr und Vertretungsorgan für junge Arbeitnehmer*innen an der TU Graz und arbeitet eng mit dem Betriebsrat zusammen. Das Besondere daran ist das Alter: Die Mitglieder des JVR sind alle nicht älter als 23 Jahre und werden von TU Graz-Angestellten, die nicht älter als 20 Jahre sind, gewählt. Christina Raab ist derzeit Vorsitzende des Jugendvertrauensrats. Die 20-Jährige hat letztes Jahr ihre Lehre zur Archiv-, Bibliotheks- und Informationsassistentin abgeschlossen und wurde für ihren ausgezeichneten Lehrabschluss an der TU Graz von der Wirtschaftskammer Steiermark mit dem „Star of Styria“ ausgezeichnet. „Schon immer war mir wichtig, anderen Menschen zu helfen. Gemeinsam mit meinem JVR-Team habe ich ein offenes Ohr für die Anliegen unserer Lehrlinge und deren Ausbildner*innen“, so die gebürtige Deutschlandsbergerin. Der JVR organisiert regelmäßig Veranstaltungen und Besichtigungen mit den Lehrlingen, um den Austausch unter den Lehrlingen zu fördern.

Auch der Betriebsrat für das allgemeine Personal bietet Services und Vernetzungstreffen für Lehrlinge und Ausbildner*innen an. Die Palette ist breit und reicht vom vergünstigten Mittagsteller für Lehrlinge in der Mensa über Weihnachtsfeiern bis zu internen sowie externen Exkursionen. Ein besonderes Angebot sind die Auslandspraktika für Lehrlinge und Job-Shadowing-Programme für Ausbildner*innen, die über den Verein Auxilium laufen. So konnten bereits einige Lehrlinge auf Kreta und auf Malta Auslandserfahrungen schnuppern und Ausbildner*innen sich in Dänemark und Deutschland weiterbilden. Im Mai geht es für einige Lehrlinge nach Dänemark – Labortechnik-Lehrling Christoph Schaffer ist darunter: „Ich freu mich schon sehr, einen Monat in Aalborg in einem Labor zu arbeiten und Neues kennenzulernen. Das wird sicher eine sehr aufregende und coole Erfahrung werden“, lächelt er voller Vorfreude.

Dieser Artikel widmet sich der Lehrlingaussbidlung an der TU Graz. Lesen Sie außerdem in der „TU Graz people“-Coverstory das Interview Ein Erfolgsmodell seit 16 Jahren

Diesen Beitrag und weitere Artikel zum Schmökern finden Sie in TU Grazpeople #96, dem Magazin für TU Graz-Mitarbeitende und Interessierte.