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Geschichte

1811 von Erzherzog Johann begründet, blickt die TU Graz auf über 200 Jahre voller Entwicklung, Wandel und Fortschritt zurück. Erfahren Sie in der Zeittafel der TU Graz, welche Ereignisse die Universität im 19., 20. und 21. Jahrhundert besonders prägten. 

 

 

 

Bildquelle: Sammlung Wohinz

Kontakt

Bernhard REISMANN
Mag.phil. Dr.phil.
Archiv und Dokumentation
Technikerstraße 4, 8010 Graz
Tel.: +43 873 6610
E-Mail: bernhard.reismannnoSpam@tugraz.at

19. Jahrhundert

Bildquelle: TU Graz
Erzherzog Johann
Bildquelle: Tezak – TU Graz

1811 | Erzherzog Johann gründet das Joanneum

Im Jahr 1811 schenkt Erzherzog Johann seine persönlichen naturwissenschaftlichen Sammlungen dem eigens gegründeten Joanneum als Hilfsmittel zur Förderung der Naturgeschichte, Ökonomie, Physik, Technologie und Chemie. Am 26. November 1811 überreicht Erzherzog Johann die Schenkungsurkunde dem steirischen Landtag. Dieser Tag gilt als Gründungstag des Joanneums und damit auch der heutigen Technischen Universität Graz.        

1812 | Erste Ausbaustufe: Der Unterricht beginnt

Ab 1812 erstreckt sich der Unterricht am Joanneum im „Lesliehof" in der Raubergasse 10 über Physik, Chemie, Astronomie, Mineralogie, Botanik und Technologie, ergänzt 1818 durch Zoologie. Mit den Professoren von Vests, Jeschowsky, Mohs und Neumann erfährt das Studium am Joanneum seine erste Ausbaustufe.

1827 | „Ständische Lehranstalt“ mit eigenständigem Charakter

Der Unterricht am Joanneum findet regen Zustrom. 1827 bestätigt die Studienhofkommission den eigenständigen Charakter der „ständischen Lehranstalt“, die mit Abt Ludwig Crophius den ersten „Studien-Director“ erhält.                       

1841 | Lehrplan bringt einschneidende Änderungen

Der Lehrplan von 1841 regelt „sämtliche Studienfächer des ständischen Joanneums“ und bringt einschneidende Änderungen. Alle Fachbereiche beginnen im 1. Jahrgang mit den Fächern Mathematik, Geometrie, Geometrisches Linienzeichnen, Zoologie und Botanik. Darauf bauen die Studienpläne für Berg- und Hüttenkunde mit einem 5. und 6. Jahrgang im obersteirischen Vordernberg sowie für die Fachrichtungen Mechanik, Chemie und Landwirtschaft auf.           

1848 | Lehr- und Lernfreiheit für die technische Lehranstalt

Im Revolutionsjahr 1848 erhält die Grazer technische Lehranstalt die Lehr- und Lernfreiheit zuerkannt. Diese Freiheit besteht vorläufig in der Auswahl einiger freier Dozenten, zum Beispiel in Weltgeschichte oder Anthropologie. 1848/49 wird die Vordernberger Lehranstalt organisatorisch vom Joanneum getrennt und in Leoben angesiedelt. Dort beginnt deren Ausbau zur staatlichen Montanlehranstalt, der heutigen Montanuniversität Leoben.                                                            

1864 | Überregionale Ausbildungsstätte mit Diplomprüfung

Die Lehranstalt wird zur „Landschaftlich Technischen Hochschule am Joanneum“ erhoben. Der neue Studienplan für die Hochschule stellt erstmals nicht mehr die regionalen Bedürfnisse in den Vordergrund, sondern entwickelt sich zu einer überregionalen Ausbildungsstätte für technische Berufe. Am Ende eines Studienganges steht nun die Diplomprüfung. Der Schwerpunkt liegt auf der Fachausbildung: Es gibt keinen expliziten Forschungsauftrag, Lehr- und Lernfreiheit sind nicht vorgesehen.

1874 | Geburt der k.k. Technischen Hochschule

1874 übernimmt der Staat die Hochschule als „Kaiserlich-königliche Technische Hochschule in Graz“ (k.k. Technische Hochschule). Sie fällt damit nicht mehr in den Verantwortungsbereich eines Kronlandes. Gleichzeitig wird die Abteilung für Land- und Forstwirtschaft aufgelassen. Ihre Aufgaben übernimmt die 1872 errichtete Hochschule für Bodenkultur in Wien.                  

1890/91 | Fachschule für Hochbau als vierte Fachschule

1890/91 kommt zu den bestehenden drei Fachschulen für Ingenieurwesen, Maschinenbau und chemisch-technisches Berufe noch jene für Hochbau als vierte hinzu. In diesem Jahr beträgt die Hörerzahl 178, im Jahr 1900 gibt es 395 Hörer, 1913/14 erreicht sind es 820. 1920/21 sind 1241 Hörer inskribiert.

20. Jahrhundert

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Hedwig Katschinka

1901 | Erste Promotion in der Monarchie

Am 13. April 1901 bekommt die Technischen Hochschule in Graz das Promotionsrecht zuerkannt. Am 14. November 1901 findet die Promotion des k.k. Statthalterei-Ingenieurs Hans Löschner zum Doctor rerum technicarum an der Technischen Hochschule in Graz statt. Die erste Promotion an der TH Graz ist zugleich die erste Vergabe des Technischen Doktorates in der ganzen Monarchie.

1917 | Einführung der Berufsbezeichnung „Ingenieur“

Im Jahr 1917 wird die Berufsbezeichnung „Ingenieur“ eingeführt. Diese ist Absolventen eines Hochschulstudiums vorbehalten. Seit dem Jahr 1938 gibt es die Berufsbezeichnung „Diplom-Ingenieur“.

1923 | Erste Absolventin und erste Promovendin der TH Graz

Ab 1919 sind weibliche Studierenden zugelassen. Als erste Frau schließt Martha Spiera aus Wien am 13. Jänner 1923 ihre Ausbildung an der chemisch-technischen Schule der Technischen Hochschule in Graz erfolgreich ab. Hedwig Katschinka aus St. Pölten erhält als erste Frau das Doktorat der technischen Wissenschaften mit der Promotion am 26. Oktober 1926. Ihr Fachgebiet ist Chemie.

1935 bis 1937 | TH Graz und Montanistische Hochschule werden zusammen gelegt

In der Zeit des Ständestaates wird die Technische Hochschule in Graz aus Einsparungsgründen mit der Montanistischen Hochschule in Leoben zusammengelegt.

ab 1938 | Die TH schließt zu Kriegsbeginn ihre Tore

Zu Kriegsbeginn, am 1. September 1939, wird die Technische Hochschule bis zum Jänner 1940 geschlossen. Der Lehrbetrieb bricht zusammen, im Sommer 1944 wird eine Zusammenlegung der drei steirischen Hochschulen erwogen, zahlreiche Institute werden aufs Land verlagert. Bomben bringen im November 1944 den Mitteltrakt der Neuen Technik vom Erdgeschoß bis zum vierten Stock zum Einsturz. Die Wiederaufbauarbeiten dauern bis zum Wintersemester 1951/ 52. Der Verlust an Studenten durch den Abzug zur Wehrmacht wird durch Studentinnen kompensiert: Von 1939 bis 1944 erhöht sich der Frauenanteil von 1,9 Prozent auf 23,5 Prozent.

1945 | Vorlesungsbetrieb nach Ende des Zweiten Weltkrieges

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges am 8. Mai 1945 wird der Vorlesungsbetrieb wieder aufgenommen. Am 4. Juni beginnt die Einschreibung für das Sommersemester mit 144 Studierenden.

1955 | Rechtspersönlichkeit mit HOG 1955: Gründung von 3 Fakultäten

Das Hochschul-Organisationsgesetz 1955 (HOG 1955) verleiht den Hochschulen und Fakultäten eine eingeschränkte Rechtspersönlichkeit. Die Technische Hochschule in Graz wird in die drei Fakultäten Bauingenieurwesen und Architektur, Maschinenwesen und Elektrotechnik sowie Naturwissenschaften gegliedert.

1975 | UOG ’75: Technische Universität Graz mit 5 Fakultäten

Das Universitäts-Organisationsgesetz 1975 (UOG '75) bringt bedeutende Organisationsänderungen. Alle Entscheidungen im universitären Bereich sind Kollegialorganen übertragen. Rektoren und Dekane selbst haben so gut wie keine Entscheidungskompetenz. In der administrativen Verwaltung kommt ein Universitätsdirektor zum Einsatz, der teilweise dem für zwei Jahre gewählten Rektor und teilweise dem Minister für Wissenschaft und Forschung untersteht. Die Technische Hochschule heißt ab 1976 „Technische Universität Graz", kurz „TU Graz“ oder „TUG“, mit dem Beinamen "Erzherzog-Johann-Universität". Sie gliedert sich in die fünf Fakultäten Architektur, Bauingenieurwesen, Maschinenbau, Elektrotechnik sowie die Technisch-Naturwissenschaftliche Fakultät.

1993 | UOG ’93 stärkt Position des Rektors

Das Universitäts-Organisationsgesetz 1993 (UOG '93) bringt ein verstärktes Aufsichtsrecht des Bundesministeriums und gibt den Kollegialorganen mehr Richtlinienkompetenzen. Die Position des Rektors wird deutlich gestärkt: Er übt seine Tätigkeit hauptamtlich aus, entscheidet über alle Personalaufnahmen, verhandelt bei Berufungen mit dem Bundesministerium und bestellt die Leiterinnen und Leiter der Dienstleistungseinrichtungen. Er verteilt außerdem das Budget und ist für dessen Einhaltung verantwortlich. Die Vizerektoren und Leiterinnen und Leiter der Dienstleistungseinrichtungen sind weisungsgebunden und unterstehen direkt dem Rektor. Rektor und Dekane werden für vier Jahre gewählt, Studiendekane und Vorsitzende der Studienkommissionen für zwei Jahre.

21. Jahrhundert

Bildquelle: Lunghammer – TU Graz
Bildquelle: TU Graz
Bildquelle: Lunghammer – TU Graz

2000 | Neues Logo löst altes Siegel ab

Das alte Siegel der TU Graz mit Symbolen für die fünf Fakultäten wird ersetzt. Das neue Logo beruht auf fünf roten ineinander fließenden Quadraten, die ursprünglich die damaligen fünf Fakultäten symbolisieren, aber auch für Interdisziplinarität und Kooperationen im gesamten Spektrum von Forschung und Lehre stehen. Die „Wortmarke“ TU Graz löst 2005 das zuvor verwendete „TUG“ ab.

2001 | Der Bologna-Prozess nimmt seinen Lauf

1999 unterfertigen 29 europäische Bildungsminister in Bologna eine Erklärung zur Schaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulwesens bis 2010. Auch Österreich unterzeichnet. Die vereinbarten Maßnahmen betreffen unter anderem vergleichbare Studienabschlüsse – Bachelor-, Master- und Doktoratsstudien –, die Verwendung von ECTS und die Förderung der Mobilität.  Im Wintersemester 2001/02 startet die Telematik als erste Studienrichtung an der TU Graz ein Bachelorstudium und leitet damit die Umstellung des Diplomstudien-Systems auf das Bachelor- und Masterstudien-System ein, die im Wintersemester 2009/10 mit der Einführung des Masterstudiums Architektur abgeschlossen ist.

2001 | Grundstücke und Gebäude im Eigentum der BIG

Mit 1. Jänner 2001 überträgt der Bund alle Grundstücke und Gebäude der TU Graz an die bundeseigene „Bundesimmobiliengesellschaft m.b.H. BIG“. Ab diesem Zeitpunkt ist die TU Graz Nutzerin der gemieteten BIG-Räumlichkeiten.

2002 | UG '02 tritt in Kraft

Das Universitätsgesetz 2002 (UG '02) tritt an allen österreichischen Universitäten mit 1. Oktober 2002 in Kraft, wird aber erst mit 1. Jänner 2004 wirksam. Es enthält alle Gesetzesbestimmungen zu Organisationsrecht, Studienrecht, Budgetrecht und Personalrecht in einem Bundesgesetz. Mit dem neuen Gesetz werden alle Universitäten aus der Bundesverwaltung ausgegliedert und erhalten ein Globalbudget, das auch eine Leistungskomponente beinhaltet. Mit dem zuständigen Bundesministerium sind Leistungsvereinbarungen über wissenschaftlich und gesellschaftlich erwünschte Ziele abzuschließen. Die Universitäten sind fortan Arbeitgeber ihres Personals.

2004 | 7 Fakultäten nach Implementierung des UG '02

Die Implementierung des UG 2002 ist mit 2004 abgeschlossen. Die TU Graz wird in sieben Fakultäten gegliedert, die gemeinsam rund 100 Institute beherbergen, und wird laut Gesetz eine eigenständige juristische Person öffentlichen Rechts. Die Universitätsleitung besteht aus dem Rektorat, dem Senat und dem Universitätsrat.

2005 | Karl-Franzens-Universität Graz und TU Graz kooperieren unter dem Titel NAWI Graz

Die Zusammenarbeit von TU Graz und Karl-Franzens-Universität Graz in Chemie, Geowissenschaften, Mathematik und den Molekularen und Technischen Biowissenschaften mündet 2005 in eine institutionelle Kooperation. Unter dem Titel „NAWI Graz“ setzen die beiden Universitäten gemeinsam Bachelor-, Master- und Doktoratsstudien um und verpflichten sich zur Organisation und Durchführung gemeinsamer Forschungsvorhaben.

2010 | Gründung des Vereins „TU Austria“

Gemeinsam mit der TU Wien und der Montanuniversität Leoben gründet die TU Graz 2010 den Verein „TU Austria“. Die TU Austria-Universitäten bündeln ihre Kräfte in den Bereichen Forschung, Lehre und Hochschulpolitik und präsentieren sich gemeinsam als Partner für Wirtschaft und Industrie.

2011 | 200 Jahre TU Graz

Die TU Graz feiert ihr 200jähriges Bestehen mit einem Festakt, der Ausstellung „200 Köpfe der Wissenschaft“ und zahlreichen Veranstaltungen.

2012 | Start der Kooperation BioTechMed-Graz

Mit der interuniversitären Kooperation "BioTechMed-Graz" vereinen die Karl-Franzens-Universität Graz, die Medizinische Universität Graz und die TU Graz ab 2012 ihre Kompetenzen an der Schnittstelle zwischen Mensch, Technik und Medizin.

2016 | Eröffnung des ersten internationalen Verbindungsbüros in China

Die TU Graz eröffnet an ihrer strategischen Partneruniversität Tongji Universität in Shanghai ihr erstes internationales Verbindungsbüro. Ziel und Aufgabe des Büros ist die noch engere Vernetzung der beiden strategischen Partneruniversitäten, Ausbau und Weiterentwicklung der Zusammenarbeit zwischen Tongji Universität und TU Graz sowie die Förderung des Austausches unter Studierenden und Mitarbeitenden.