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06.12.2020 | TU Graz screenshots | TU Graz news | Forschung | Studium

Von Cornelia Kröpfl BA MA

Holzbau boomt, gerade in den Städten. Tom Kaden, Österreichs erster Stiftungsprofessor für Architektur und Holzbau an der TU Graz, ortet noch großes Potenzial.

Tom Kaden ist Österreichs erster Professor für Architektur und Holzbau an der TU Graz.

50 Zentimeter. So viel wächst eine Fichte ungefähr pro Jahr – oder so wenig, je nach Betrachtungsweise. Ein ganz anderes Tempo legen Fichten und andere Bäume hingegen vor, wenn sie im Hausbau zum Einsatz kommen. „Einer der großen Vorteile von Holzbau ist, dass die Bauzeit im Vergleich zu anderen Bauarten kurz ist. Das wird durch den hohen Anteil an Vorfabrikation möglich“, weiß Tom Kaden. Er ist Österreichs erster Professor für Architektur und Holzbau an der TU Graz. Zunehmend werde von Seiten der Bauherrinnen und Bauherrn das Potenzial von Holz erkannt.

„Die klassischen Vorurteile – etwa, dass moderne Holzkonstruktionen leicht entflammbar oder im Sommer heiß und im Winter kalt seien – lassen sich längst mit technischen Argumenten entkräften. Und auch der Klimaschutz und damit das energieeffiziente Bauen mit einem natürlichen, nachwachsenden Rohstoff spielen zunehmend eine Rolle.“

Holzbau braucht mehr an Planung

Mit der Stiftungsprofessur an der TU Graz, die 2017 gestartet wurde, trägt man dem Holzbau-Boom Rechnung. Denn „am Markt fehlen nach wie vor gut ausgebildete Holzbau-Architektinnen und -Architekten“, so der Berliner, der sich seit mehr als 20 Jahren ausschließlich mit Holzbau beschäftigt. Das Interesse der Studierenden am Holzbau war bereits beim Start der Professur groß. Und daran hat sich bis heute nichts geändert.

„Wir haben mittlerweile auch schon erste Absolventinnen und Absolventen, die sowohl in Graz als auch international in renommierten Holzbau-Büros arbeiten“, freut sich Kaden.

Ihm ist der Praxisbezug im Studium ein besonderes Anliegen. „Wir besuchen regelmäßig ausführende Betriebe und schauen uns Baustellen an. Im Holzbau hat man einen immens hohen Vorfertigungsgrad. Ganze Elemente werden in den ausführenden Zimmereien vorgefertigt und dann auf den Baustellen montiert. Deswegen ist die Planungstiefe sehr viel höher als bei anderen Baumaterialien. Und es ist mithin unerlässlich, dass eine frühzeitige gemeinsame Planungsebene zwischen allen Beteiligten aus den Bereichen Architektur, Fachplanung und Bauausführung gegeben ist“, so Kaden. Interdisziplinäre Zusammenarbeit sei unerlässlich. „Und die Studierenden brauchen natürlich auch ein Bewusstsein für die Kostenrelevanz diverser Konstruktionsarten. Wir haben dieses Thema seit letztem Semester noch stärker in den Studienplan integriert.“

Nicht Äpfel mit Birnen vergleichen

Die Kosten sind ein entscheidender Punkt im Baugewerbe, vor allem die Kostenwahrheit. Laut Kaden werde hier schlicht und einfach oft nicht richtig gerechnet bzw. würden nur isoliert die reinen Baukosten betrachtet.

„Ich muss mir sowohl den Energieverbrauch als auch die Kosten über den ganzen Lebenszyklus hinweg anschauen."

"Wenn ich nur die Baustelle betrachte, ist das wie ein Vergleich zwischen Äpfel und Birnen. Nur wenn ich die ganze Wertschöpfungskette einfließen lasse und sogar das Ende der Gebäude mitdenke, ist das ein schlüssiger Vergleich. Momentan verbauen wir leider noch millionenfach geschäumtes Heizöl an unseren Fassaden. Da muss ich auch an die Entsorgungskosten dieses Sondermülls denken und diese beim Lebenszykluskostenvergleich berücksichtigen“, bringt es Kaden auf den Punkt.

„Die Rechnung ist nicht so einfach, da müssen wir noch sehr viel weiter nach vorne schauen.“ Potenzial sieht der Holzbau-Experte auch noch bei den rechtlichen Rahmenbedingungen. „Die technologischen Möglichkeiten des modernen Holzbaus sind bei Weitem noch nicht im Gesetzestext abgebildet. Es gab bereits erste Anpassungen, aber es bleibt noch viel Luft nach oben.“

Holz(-bau) wächst in den Städten

Viel Potenzial gibt es auch bei der Dichte an Holzbauprojekten. Holzbau boomt in den letzten Jahren zwar und in immer mehr Städten entstehen mehrgeschoßige Holzhäuser. Doch die Gesamtbetrachtung relativiert den Boom wieder. „Im gesamten Baugeschehen macht der Holzbau noch immer einen eher kleinen Prozentanteil aus. Wir brauchen nicht nur Leuchtturm-Projekte sondern Wiederholungen.“

Graz sei hier ein gutes Vorbild, Pionier-Projekte finden zunehmend Nachahmung.

Mit dem QUARTIER SIEBEN hat die Wohnbaugruppe ENNSTAL aktuell wieder einen mehrgeschoßigen Holzbau umgesetzt. Auch „Holz-Krankenhäuser“ gibt es in Graz am Gelände des LKH Graz Süd-West bereits zwei.

Nicht zuletzt wegen der positiven Wirkung von Holz auf die Psyche des Menschen wie der ärztliche Direktor Michael Lehofer betont: „Der Baustoff Holz soll die spezielle therapeutische Atmosphäre und die Genesung während des Krankenhausaufenthaltes und darüber hinaus unterstützen. Oft steht die Therapie im Vordergrund und der Kontext wird weniger beachtet. Hier im Haus versuchen wir beides zu berücksichtigen und dafür ist der Holz-Pavillon ein schönes Zeichen.“

Die Forschenden der TU Graz suchen Lösungen für die brennenden Probleme der Gegenwart. Welche Themen sie derzeit auf dem Schirm haben und was man studieren kann, um wie sie die Zukunft zu verändern, erfahren Sie auf TU Graz screenshots.

Information

Studieren an der TU Graz

Graz – Stadt der Architektur und des Holzbaus. Auch dazu hat die TU Graz mit den Studien der Architektur und der Bauingenieurwissenschaften das passende Studienangebot.

Kontakt

Tom KADEN
Dipl.-Des. BDA Univ.-Prof.
TU Graz | Institut für Architekturtechnologie
Rechbauerstraße 12, 8010 Graz
Tel.: +49 0172 6036584
E-Mail: kadennoSpam@tugraz.at
kadennoSpam@kadenundlager.de