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Falling Walls Lab – Projekte, die die Welt verändern

Bianca Grabners inspirierende Reise von Graz über Alpbach nach Berlin und ihre Erzählung von Kaffeekapseln als Reaktoren und andere bahnbrechende Ideen.

TU Graz-Chemikerin Bianca Grabner erlebte beim Falling Walls Lab viele tolle Momente. © Falling Walls Foundation

Keine Schnapsidee, sondern eine „Kaffeepausenidee“ stand am Anfang meines unvergesslichen Abenteuers rund um den internationalen Ideenwettbewerb Falling Walls Lab: Während das koffeinhaltige Heißgetränk in die Tasse tropfte, diskutierte ich mit meinem Masterstudenten den Aufbau der Maschine, die täglich meinen Wachmacher zubereitet. Unser Fazit: Die Kapsel-Kaffeemaschine ist doch nichts anders als ein kontinuierlicher Reaktor,  bestehend aus einem Vorratsgefäß, einer Pumpe, dem Reaktor (hier die Kapsel) und meiner Tasse als Auffanggefäß. Dieser Moment war die Geburtsstunde der Idee eines „Nespresso-Reaktors“ – und das Falling Walls Lab war die ideale Plattform, um diese Idee zu kommunizieren und gleichzeitig spannende Persönlichkeiten kennenzulernen.

Great minds, 3 minutes, 1 day“ stand auf dem Plakat am Campus Inffeldgasse zu lesen. Jeden Tag spazierte ich auf dem Weg zu meiner Arbeit – damals war ich Dissertantin am Institut für Prozess- und Partikeltechnik der TU Graz – daran vorbei.  Drei Minuten für die Präsentation einer eigenen bahnbrechenden Forschung oder Idee, die das Potenzial hat, die Welt zu verändern?  „Warum nicht", dachte ich mir.

Nur wenige Tage nach Abschicken meiner Bewerbung erhielt ich die Einladung zur Vorausscheidung. Die erste Hürde war geschafft. Im April präsentierte ich meine Idee des „Nespresso-Reaktors“ bei der österreichweiten Vorausscheidung des Falling Walls Lab Austria am Institut für Innovation und Industrie Management der TU Graz. Ich war eine von vierzehn Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Die anderen Kolleginnen und Kollegen waren allesamt herausragende junge Persönlichkeiten: Jede einzelne Präsentation war spannend, genial und inspirierend. Der Preis für Gewinnerin Julia (Pazmandi, Anm.), Doktorandin am CeMM Research Center for Molecular Medicine und dem Ludwig Boltzmann Institute for Rare and Undiagnosed Diseases in Wien: Die Teilnahme an den Falling Walls Lab Finals in Berlin. Außerdem wurden sie und die drei weiteren bestgereihten Jungforschenden, darunter ich, vom Austrian Insitute of Technology (AIT) zum Europäischen Forum Alpbach eingeladen.

Vier Menschen mit Urkunden

Bianca Grabner, Julia Pazmandi, Kerstin Rastädter und David Nderu (v.l.) gewannen 2019 die österreichweite Vorausscheidung des Falling Walls Lab. © Lunghammer – TU Graz

Ticket nach Berlin

Dort fand im August die zweite Vorauswahl statt. Die Plenary Session mit dem Titel „Tickets to Berlin“ war Teil der Alpbacher Technologiegespräche – eine Konferenz, bei der sich jedes Jahr österreichische High-Tech Unternehmen, innovative Geister sowie talentierte Forschende treffen, über das Weltgeschehen debattieren und ihre Visionen für die Zukunft austauschen. Im Elisabeth Herz-Kremenak Saal, dem größten Konferenzsaal des Kongresszentrums, präsentierten die Berliner Fixstarterin Julia, David Nderu (Experimentalmediziner an der Universität Tübingen), Laurin Herbsthofer (PhD-Student an der Med Uni Graz, nahm den Platz von Kerstin Rastädter ein) und ich nochmals unsere Projekte vor Hunderten von Zuschauerinnen und Zuschauern. Diese entschieden schlussendlich per Publikumsvoting auch, wer das zweite Österreich-Ticket für das weltweite Finale bei der Falling Walls Conference in Berlin erhielt. Dass die Wahl auf mich fiel, hätte ich nie zu träumen gewagt.

Eine Frau mit einem überdimensional großen Flugticket, an ihrer Seite zwei Männer

Der Vorsitzende des Kuratoriums der Falling Walls Foundation Jürgen Mlynek und Wolfgang Knoll, Managing Director des AIT Austrian Institute of Technology (r.) gratulierten Bianca Grabner zum Sieg beim Publikumsvoting. © EFA

Falling Walls Conference

With the people in this room and all these phantastic ideas, we could probably save the world.” Das war mein Schlusssatz beim Kennenlern-Workshop am ersten Tag in Berlin – und in ihm steckte mehr als ein Körnchen Wahrheit. Denn alle waren sie im Raum:  Die Top 100 der innovativsten Köpfe aus aller Welt, die ihre Forschung zur Heilung schwerer Krankheiten, ihre Strategien zum Reduzieren der Treibhausgasemissionen und ihre intelligente Systeme, die das Leben einfacher machen, im Gepäck hatten. Jeder und jede von ihnen möchte die Welt verbessern – in Berlin kamen sie alle zusammen.

Runde Schilder mit Text

© Falling Walls Foundation

Die viertägige Falling Walls Conference findet jedes Jahr rund um den Gedenktag des Falls der Berliner Mauer im November statt. In den ersten beiden Tagen der Konferenz haben die sogenannten „Labsters“ Zeit, einander kennenzulernen und Einblicke in die deutsche Forschungslandschaft zu bekommen. Ein kurzweiliges Programm aus Workshops und Exkursionen begleitet die Finalistinnen und Finalisten. Dann kommt der große Tag: über 8 Stunden geballte Innovationskraft, präsentiert von 100 kreativen Köpfen aus 63 Ländern. Jede Präsentation, jede Innovation ist eine mitreißende Geschichte für sich.

Tränen, Freude, Hoffnung, Gänsehaut: Diese Wörter beschreiben den vierten Tag der Falling Walls Conference wohl am besten. Aber es war nicht das Wettbewerbsgefühl, das die Emotionen dominierte. Es waren die vielen motivierenden Momente und die Zuversicht, dass kreative Ideen uns den Weg in eine großartige Zukunft weisen können: Führende Wissenschafterinnen und Wissenschafter präsentierten uns nämlich am letzten Tag ihre Errungenschaften. Ich durfte miterleben, wie Roboter räumlich getrennt aber mithilfe von künstlicher Intelligenz kollektiv und in Sekundenschnelle lernen. Ich diskutierte mit Mark Post, dem Erfinder von „In-vitro Fleisch“ und ich sah, wie ein querschnittsgelähmter Mensch mithilfe modernster Elektrotechnik wieder gehen konnte.

Die Teilnahme am Falling Walls Lab war eine aufregende Reise. Was davon bleibt? Viele beeindruckende Menschen, die ich kennenlernen durfte; der Erfahrungsaustausch und die vielen inspirierenden Gespräche; und zahlreiche Aha-Erlebnisse, die mich auch in meiner Arbeit vorangetrieben haben. Mein Rat: Mitmachen, hinfahren, begeistert sein!

Über das Falling Walls Lab

Das erste Falling Walls Lab startete 2011 in Berlin. Aufgrund des großen Erfolgs wird es mittlerweile weltweit in rund 50 Ländern abgehalten. Das Finale findet jedes Jahr am 8. November in Berlin statt, mit mittlerweile rund 100 Gewinner/innen aus den internationalen Labs.
Für die 2020er-Ausgabe können sich Bachelor-, Master- und PhD-Studierende, Postdocs sowie Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer bis einschließlich 10. August 2020 online bewerben unter Falling Walls Lab Austria 2020

Information

Über Bianca Grabner:

Nach der Matura am Gymnasium Hartberg inskribierte Bianca Grabner 2010 für das Bachelorstudium Chemie an der TU Graz. Im Masterstudium spezialisierte sie sich auf die Entwicklung innovativer chemischer und pharmazeutischer Produktionssysteme. 2020 schloss Grabner ihr Doktorat am Institut für Prozess- und Partikeltechnik der TU Graz ab. Heute ist sie im Forschungsteam am HyCentA, eine der größten außeruniversitären Forschungseinrichtungen für Wasserstoff in Europa, an der neben der TU Graz (50%) auch die FVT GmbH (25%), Magna (12,5%) und die OMV (12,5%) beteiligt sind.

Kontakt

Bianca Grabner
Dipl.-Ing. BSc
HyCentA Research GmbH
Tel.: +43 316 873 9525
bianca.grabnernoSpam@ivt.tugraz.at