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… meine Dienstreise ins All

Franz Viehböck, der erste und einziger Österreicher, der je im All gewesen ist, teilt im Blog der TU Graz ganz persönliche Erinnerungen an die Mission Austromir.

Franz Viehböck schläft besser auf der Erde - und würde dennoch sofort wieder ins All reisen. © Lunghammer - TU Graz

Manchmal träume ich noch vom All. Meistens dann, wenn ich an den Raumflug erinnert werde, Menschen aus der damaligen Zeit treffe oder Dinge sehe, die mich an meinen Aufenthalt in der Raumstation Mir erinnern. Das ist über 25 Jahre her und mir ist die harte Vorbereitungszeit der Mission Austromir noch sehr gut in Erinnerung.

Das Training ist ja meistens härter als der eigentliche Raumflug, was in der Realsituation dann wieder beruhigend ist. Die größte persönliche Herausforderung war das Erlernen der Russischen Sprache. Kurz vor dem Start am 2. Oktober war ich wenig überraschend sehr nervös und angespannt. Aber Angst gab es zu dem Zeitpunkt nicht mehr. Vier Tage vor dem Start war das einen kurzen Moment anders. Ich wusste, dass ich in wenigen Tagen Vater werden würde, war alleine in einem Raum und plötzlich wurde mir bewusst, dass ich, wenn da jetzt etwas schiefgeht, das Leben meiner Tochter verpassen würde. Ich habe dann geschaut, so schnell wie möglich wieder unter Menschen und auf andere Gedanken zu kommen.

Dienstreise ins All

Sobald man dann zum Start in der Rakete liegt, verschwindet die Nervosität und wird von der Routine abgelöst. Oft geübte Prozeduren und Checklisten werden abgearbeitet. Direkt beim Start war mein Puls ganz ruhig bei 72. Nach dem langen Flug zur Mir war es wahnsinnig ergreifend, in die Raumstation einzuschweben und von meinen Kollegen mit den Klängen des Donauwalzers begrüßt zu werden. Die Kameras, die die in Österreich recht bekannten Bilder meines überraschten Gesichts aufzeichneten, hatte ich damals nicht registriert. Sondern nur meine Kollegen, die ich zuletzt vor einem halben Jahr unten auf der Erde gesehen hatte. Die haben sich wiederum sehr über meine österreichischen Gastgeschenke gefreut, besonders über die Mozartkugeln. Wie die in der Schwerelosigkeit schmecken, weiß ich übrigens nicht, denn ich hab da oben keine gegessen. Die Stimmung an Bord war sehr angenehm. Ich glaube, die ganze Crew war euphorisiert, weil meine Tochter Carina genau am Tag des Starts zur Welt kam. Die ersten Fotos von ihr bekam ich direkt in die Raumstation gesendet.

Franz Viehböck (links unten) mit der versammelten Kosmonautencrew im Oktober 1991 auf der Mir.

Mein achttägiger Aufenthalt auf der Mir hat dann perfekt funktioniert, intensiver Vorbereitungen sei Dank. Letztendlich war es ein Arbeitsaufenthalt, eine Dienstreise sozusagen, und das Programm war derart dicht, dass ich mich teilweise anstrengen musste, meine Zeit im All auch zu genießen. Für einen Blick aus dem Fenster habe ich gern ein wenig von der Schlafenszeit und Freizeit geopfert. Wobei das mit dem Schlaf in der Schwerelosigkeit ohnehin so eine Sache ist. Ein Kopfpolster ist überflüssig, weil der Kopf kein Gewicht hat. Leider verkrampfen sich durch die Schwerelosigkeit gewissen Muskelpartien im Rücken. Ich schlafe auf der Erde deutlich besser. 

Harte Landung

Die Landung zurück auf der Erde war alles andere als weich, sie war sogar ziemlich hart, und zwar im wörtlichen und ein Stück auch im übertragenen Sinn. Ich erinnere mich noch gut an das Gefühl unmittelbar nach der Landung, wo mir bewusst wurde, dass ich wahrscheinlich für längere Zeit nicht mehr ins Weltall fliegen werde. Mein sehnlichster Wunsch war es, sofort wieder zum nächsten Startgelände zu fahren und die nächste Rakete zurück zur Raumstation zu nehmen. Mir wurde dann gleich klar, das wird’s jetzt lange nicht spielen. Und das hat mich schon ein bisschen bedrückt und nachdenklich gestimmt. Mit der Rückkehr hat sich mein Leben auf der Erde dramatisch geändert. Plötzlich war ich im Mittelpunkt der Öffentlichkeit in Österreich, eine völlig neue Situation, mit der ich erst umzugehen lernen musste. Aber auch diese Erfahrungen waren hilfreich für meinen weiteren Weg. Ich war dann noch zwei Jahre für das Projekt Austromir tätig, mit diversen Nacharbeiten und Vorträgen. Danach bin ich in die USA ausgewandert und habe einen Job bei der Firma Rockwell angenommen, die mittlerweile von Boeing aufgekauft wurde. Ich war weiter im Weltraumbereich tätig, allerdings auf der industriellen Managementseite.

Mein sehnlichster Wunsch war es, sofort wieder zum nächsten Startgelände zu fahren und die nächste Rakete zurück zur Raumstation zu nehmen.

Auch körperlich hat die Reise ins All Spuren hinterlassen. Denn selbst in dieser kurzen Zeit bauen die Muskeln rapide ab. Meine Blutwerte waren ganz schön durcheinander. Nach einigen Monaten hat sich alles wieder normalisiert und ich habe bis jetzt noch keine bleibenden Folgen bemerkt. Aber ich kann mir ungefähr vorstellen, was einem Langzeitaufenthalte im All körperlich abverlangen.

Heimat Erde

Mein Gefühl zur Erde wurde extrem sensibilisiert, zur Schönheit dieses Planeten und zur zerbrechlichen Umwelt. Mir wurde klar, dass wir uns eigentlich viel mehr anstrengen müssten, diesen Planeten zu schützen. Ich hatte auf der Mir die Gelegenheit, live mit meiner Frau zu sprechen. Sie ist Kroatin und als wir gerade über Europa geflogen sind und ich ihr geschildert habe, dass ich sogar die Brücke vom Festland zur Insel Krk sehen kann, hat sie mich gefragt, ob ich denn auch die Bomben sehe, die in dem Moment über Dubrovnik abgeworfen werden. Damals war Jugoslawienkrieg. Ich habe die Bomben nicht gesehen, aber ich war tief betroffen. Da blickt man nach unten, auf diesen wunderschönen Planeten, sieht herrliche Landschaften, Seen, Meere, keine künstlich erschaffenen territorialen Grenzen und fragt sich, was der Mensch eigentlich mit diesem Planeten anrichtet.

Wenn ich es könnte, würde ich auf alle Fälle wieder ins Weltall fliegen, und mich mit den Erfahrungen des ersten Fluges anders darauf vorbereiten. Die Rakete wäre mehr oder weniger die gleiche, und ich würde zur ISS fliegen, das ist im Prinzip auch so wie die Mir, freilich größer, geräumiger und mit moderneren Geräten ausgestattet. Und ich würde ganz sicher schauen, dass ich auch einen kleinen Weltraumspaziergang machen könnte.

Otto Koudelka von der TU Graz und Franz Viehböck mit Erinnerungsstücken (Duplikaten) der Mission Austromir, darunter die Metallbox, die mit österreichischen Leckereien gefüllt war.

Ich verfolge die weltraumbezogene Forschung in Österreich, allerdings aus einer gewissen Distanz und bin da im Detail da nicht mehr verbunden, wiewohl ich natürlich noch Kontakte zur TU Graz habe, seit Austromir-Zeiten zum Beispiel zu Otto Koudelka. Mich freut es sehr, dass die TU Graz 2013 den ersten österreichischen Satelliten im All TUGSAT-1 gestartet hat.

Dass jemand aus Österreich in der nahen Zukunft ins All fliegen wird, das hoffe ich zwar, kenne allerdings keine konkreten Pläne. Sehr wünschen würde ich mir ja eine Raumfahrerin aus Österreich.

Es ist toll, dass sich immer mehr junge Leute mit dem Thema Weltraum beschäftigen. Es gibt da auch in Österreich tolle Jobmöglichkeiten, in der weltraumbezogenen Forschung und Industrie. Planen lässt sich eine Karriere als Raumfahrerin oder Raumfahrer nicht wirklich. Es gibt weltweit nur 550 Menschen, die jemals im Weltall waren. Aber wenn es ein großer Wunsch ist, sollte man es auf alle Fälle versuchen. Ich würde aber einen Plan B bereithalten. Dass jemand aus Österreich in der nahen Zukunft ins All fliegen wird, das hoffe ich zwar, ich kenne allerdings keine konkreten Pläne. Sehr wünschen würde ich mir ja eine Raumfahrerin aus Österreich. Aber egal, ob Mann oder Frau: Es wäre schön, wenn Österreich hier wieder aktiv werden würde.

Kontakt

Susanne EIGNER
TU Graz Medienservice
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