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… Innovation durch synthetische Biologie

Henrik Seyfried und das iGEM Studierendenteam „NAWI_Graz 2017“ brachten Roboter und Mikroorganismen für die iGEM Competition 2017 dazu, miteinander zu kommunizieren.

Sechs Mitglieder des aktuellen iGEM-Teams in weißen Kitteln in Laborräumlichkeiten.
Was es im iGEM-Studierendenteam an der TU Graz sicher nicht gibt ist Langeweile. Jeden Tag warten neue Herausforderungen auf unterschiedlichsten Ebenen.

Probleme und Aufgaben gibt es überall und in verschiedensten Formen auf dieser Welt. Von „kleinen“ Herausforderungen der Biotechnologie bis hin zu mit Plastik verseuchten Meeren und dem Klimawandel. Die „international genetically engineered machine (iGEM)“ Competition inspiriert Studierende aus der ganzen Welt dazu, diese durch eine Kooperation unterschiedlichster Fachrichtungen zu lösen.Was bedeutet es, sich außerhalb des mehr oder weniger geregelten Studium für iGEM zu engagieren? Oft sieht der Alltag so aus, dass wir zusätzlich auch nach den Vorlesungen bis tief in die Nacht in der Universität sitzen, über neue Entwicklungen diskutieren und die nächsten anstehenden Schritte des selbstständig umzusetzenden Projektes planen. Ich weiß, was es nicht bedeutet: Langeweile! Jeden Tag gibt es neue Aufgaben und eine ist unterschiedlicher als die andere. Und falls einmal Ratlosigkeit eintritt – als Team kann man sich immer gegenseitig weiterhelfen.

Gruppenfoto der rund 3000 teils in bunte Teamdresses Teilnehmerinnen und Teilnehmer von iGEM.

2017 kamen über 3000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur großen Konferenz in Boston, um ihre Projekte vorzustellen.

iGEM – international genetically engineered machine – steht für eine ganze Community engagierter Nachwuchsforscherinnen und -forscher um den Bereich Synthetische Biologie. Dabei werden bestehende biologische Systeme der Natur neu kombiniert, oder bereits vorhandene Systeme verbessert und vielfältig angewendet.

Beginn

Ich weiß, Sie werden sich fragen, was so ein iGEM-Projekt eigentlich ist und wie es ablaufen könnte.
Zu Beginn, meistens im Oktober/November, treffen sich ganz allgemein interessierte und motivierte Studierende und tauschen sich über das Studium und neue Forschungen aus oder genießen einfach nur ein, zwei Bier und reden über Gott und die Welt.

Besonders gesucht sind im iGEM-Team Studierende aus den Masterstudien Umweltsystemwissenschaften, Biomedical Engineering, Verfahrenstechnik, Chemical and Pharmaceutical Engineering, Computer Science, Information and Computer Engineering, Industrial Design, Communication Design sowie Sozial- und Wirtschaftswissenschaften.

Über den Winter und die Weihnachtsfeiertage entstehen teilweise absurde und aberwitzige Projektideen, die jedoch meist alle verworfen werden. Als Team versucht man Partner an der Universität und/oder Firmen zu finden, um Einblicke in bereits bestehende Forschungsgebiete zu gewinnen. Wenn nun bis zum Frühling die Entscheidung gefallen ist, sich für das laufende Jahr der Competition anzumelden, beginnt die heiße Phase des Projekts.

Das Team bei der Arbeit im Labor - Video. 

Heiße Phase

Hunderte Werbeemails und Anrufe bei potentiellen Sponsoren werden getätigt und mindestens genauso viele Momente der Frustration folgen. Doch wer versteht, das gewählte Projekt treffend vorzustellen, findet mehr als genug Unterstützer.

Nun folgen mehrere Teilbestandteile des Projekts, denn neben der Planung eventueller Laborarbeiten und Reisen enthält ein iGEM-Projekt auch eine umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit. Hier besteht die Chance, sowohl das Team und das Projekt zu bewerben, als auch die eigene Begeisterung für das Studium an andere Interessierte weiter zu geben. 2017 haben wir diverse Experteninterviews geführt, eine öffentliche Podiumsdiskussion zum Thema Gentechnik veranstaltet und recht herzlich zu diversen Unterhaltungsveranstaltungen eingeladen.

Mit Juli und dem Beginn der Sommerferien finden meist mehrere Meet-ups mit anderen iGEM-Teams statt. Wer will, kann hier verschiedenste Orte bereisen. Wir haben 2017 die Chance genutzt, die Einladung des Teams „TU Delft“ wahrzunehmen und haben zusammen mit Teams aus den Niederlanden, Großbritannien, Italien, Frankreich, Dänemark, Schweden, Finnland und Deutschland fünf wahnsinnig aufregende und lustige Tage in Delft verbracht. Im Rahmen solcher Meet-ups entstehen meist die ersten „Collaborations“ – Teams aus verschiedenen Ländern finden sich und arbeiten gemeinsam intensiv und umfassend an einem Thema. „Collaborations“ sind für den Wettbewerbserfolg außerordentlich wichtig.
Die meisten Fortschritte macht das Projekt in den drei Sommermonaten. Wer gut plant und die Aufgaben richtig verteilt, gibt trotzdem nicht viel Freizeit für Urlaube, Ferialarbeiten oder Freunde und Familie auf. Die gesamte Arbeit gipfelt in dem unter „iGEMern“ inzwischen legendären „Wiki-Freeze“, der digitalen und öffentlich zugänglichen Dokumentation aller zu bewertenden Arbeiten und Ergebnisse.

Ist dies vollbracht, heißt es warten und voller Spannung die abschließende Reise zum Giant Jamboree in Boston, Massachusetts, USA, vorbereiten, wo das Wettbewerbsfinale stattfindet. Seit 2003 präsentieren hier die Teams in Poster Sessions und Bühnenpräsentationen vor Publikum ihre Ideen, Umsetzungen und Ergebnisse.

Studierende aus aller Welt vertieft ins Gespräch und ins Studium zahlreicher Poster auf Stehern in einem großen Raum.

Die beim Finale geknüpften Kontakte sind unbezahlbar und werden das gesamte Berufsleben prägen.

Im Studienalltag – Mitte November – wieder angekommen, beginnt alles von vorne. Nur, dass man nun um eine unvergleichliche Erfahrung reicher ist, Fähigkeiten in einem Umfang entwickelt hat, die mit keiner Vorlesung, Übung oder keinem Seminar zu vergleichen sind. Die einzige Aufgabe, die noch aussteht, ist den Wettbewerbserfolg der eigenen Universität zu präsentieren und dem nächsten Team mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Eine genauere Dokumentation der erlebten Ereignisse des iGEM Teams iGEM Teams „NAWI_Graz 2017“ findet sich auf dem iGEM-Wiki und wer Kontakt zum Team herstellen will, besucht das Team auf Facebook oder schreibt eine E-Mail an das iGEM-Team!

Wer die Studierendenteams der TU Graz live kennenlernen möchte, hat dazu am 16. Juni die Gelegenheit: Am Grazer Hauptplatz präsentieren die engagierten Studierenden ihre Teamarbeit bei „TU Graz StreeTech“ am Grazer Hauptplatz. Hinkommen, mitmachen und informieren! Alle Informationen finden Sie auf der Website von „TU Graz StreeTech“.

Information

Beim iGEM-Wettbewerb wetteifern internationale Schüler- und Studierendenteams darum, bahnbrechende Ideen im Bereich der synthetischen Biologie in einem Jahr umzusetzen. Als Abschluss der Wettbewerbsphase präsentieren sie die Ergebnisse auf einer großen Konferenz, dem Giant Jamboree in Boston. Im Grazer iGEM-Team waren bisher Studierende aus Molekular- und Biotechnologie, Biochemie, Molekularer Mikrobiologie, Molekularer Biomedizin, Biologie, Chemie, Telematik, Soziologie und Philosophie vertreten.