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Zwei Monate Brennstoffzellenforschung

23.10.2020 | Banner Bachelor Studien | Talking about ... |

Von Niklas Mayr

Auslandspraktikum trotz Coronakrise: TU Graz-Student Niklas Mayr entwickelte bei Nedstack B.V. in Arnheim, Niederlande, analytische Messmethoden für die Brennstoffzellen-Forschung weiter. Hier sein Bericht.

Niklas Mayr ist Student im Masterstudium Verfahrenstechnik an der TU Graz.

Ich bin Student im Masterstudium Verfahrenstechnik an der TU Graz. Trotz Corona bedingter Krise habe ich im vergangenen Sommer das Angebot von Nedstack fuel cell technology B.V. aus Arnheim genutzt und ein zweimonatiges Praktikum in der Entwicklungsabteilung angetreten.

Vom Studentenjob zum Praktikum im Ausland

Wie es zum Praktikum kam? Im Rahmen des Forschungsprojekts KEYTECH4EV des österreichischen Klima- und Energiefonds arbeite ich seit zwei Jahren als studentischer Mitarbeiter am Institut für Chemische Verfahrenstechnik (CEET) der TU Graz. Das Projekt zeigte, dass durch die Kombination von Batterie und Brennstoffzellen die Antriebssystemkosten im Vergleich zu reinen Brennstoffzellensystemen wie auch reinen Batterielösungen deutlich gesenkt und gleichzeitig Anforderungen an Effizienz und Fahrverhalten besser erfüllt werden können.

Tipp 1: Neben dem Studium an deiner Universität zu arbeiten ist definitiv eine Bereicherung. Du kannst theoretisches Wissen gleich in der Praxis anwenden und die Arbeit ist meist gut mit dem Studium vereinbar – schließlich sind deine Vorgesetzten Dissertantinnen oder Dissertanten, die sich meistens selbst noch gut an ihre Studienzeit erinnern können.

Im Rahmen eines Workshops zu Brennstoffzellensystemen an der TU Graz stellte mir Projektleiter Viktor Hacker die TU Graz Absolventin Merit Bodner vor. Sie hat bei Nedstack B.V. die Leitung des Brennstoffzellenlabors inne. Wir tauschten Kontaktdaten aus und besprachen am nächsten Tag mögliche Projekte für ein Praktikum. Mein Bewerbungsgespräch fand dann aufgrund der Corona bedingten Reisebeschränkungen per Skype statt.

Tipp 2: Wenn du als Studentin oder Student an der TU Graz oder einer anderen Uni arbeitest– frag doch einfach deinen Professor oder deine Professorin, ob es Möglichkeiten für ein Praktikum im Ausland gibt.

Praktikant auf Wohnungssuche

Auch die Wohnungssuche in Arnheim stellte sich aufgrund der Corona-Situation als relativ schwierig heraus – schlussendlich fand ich aber über eine Facebook-Gruppe ein Zimmer in einer netten WG.

Tipp 3: WG Zimmer in den Niederlanden findest du als Studierende/r am einfachsten in Facebook Gruppen. Schwierig ist es lediglich, gute Gruppen zu finden, da es sich bei manchem um versteckte Agenturseiten handelt. Netterweise sendete mir ein Arbeitskollege eine Liste mit Gruppen.

Anreise unter COVID-19 Bedingungen

Aufgrund der Empfehlung der österreichischen Botschaft in den Niederlanden reiste ich per Zug an. Auf dem Weg nach Arnheim legte ich einen kleinen Zwischenstopp bei Freunden in Innsbruck ein. Von dort ging es über Frankfurt und Düsseldorf per ICE nach Arnheim. Die Durchreise durch Deutschland und die Einreise in die Niederlande verlief problemlos. Die Deutsche Bahn war sogar pünktlich und ich hatte eine angenehm ereignislose Anreise. Da sich die Lage Ende Juni in Europa ziemlich stabilisiert hatte, war auch keine Heimquarantäne in den Niederlanden nötig.

Praktikum im Brennstoffzellenlabor

Nedstack B.V. ist als Spin-off von AkzoNobel N.V. seit mehr als zwanzig Jahren im Wasserstoffsektor mit Polymer Elektrolyt Membran (PEM)-Brennstoffzellenlösungen vertreten. Dabei wird durch sogenannte „kalte Verbrennung“, wenn also Wasserstoff mit Sauerstoff zu Wasser oxidiert, chemische in elektrische Energie umgewandelt. Die Produktpalette von Nedstack B.V. umfasst Brennstoffzellenlösungen für maritime, stationäre oder mobile Anwendungen wie zum Beispiel Transportschiffe, Energiespeicher oder Müllwägen.
Das Herzstück sämtlicher Brennstoffzellensysteme stellt die Brennstoffzelle selbst dar. Da die Spannung einer Zelle selbst nur ungefähr ein Volt beträgt, werden mehrere Zellen je nach benötigter Leistung zu sogenannten „Stacks“ zusammengefasst. Im Foto ist ein zehn Kilowatt Stack dargestellt. Das erleichtert die Wartung und stellt natürlich auch einen mechanischen Schutz dar, da so die fragilen Zellmembranen durch ein robustes Gehäuse geschützt sind.

10 kW Stack 

Ein zehn Kilowatt stack für zum Beispiel stationäre Energiepuffersysteme

Besonders gut an meinem Praktikum hat mir die Möglichkeit gefallen, unterschiedliche Ansätze für die Lösung einer Aufgabenstellung zu konzipieren, umzusetzen und anschließend zu testen. Im Laufe des Praktikums überarbeitete ich einige der analytischen Messmethoden. Dadurch beschleunigten wir nicht nur die Messungen selbst sondern auch die Datenauswertung. Persönlich mitgenommen habe ich vor allem, wie man Projekte organisiert, also Bestellungen macht, Ideen firmenintern präsentiert und diese dann gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen umsetzt.
Abgesehen davon schätzte ich die – wie ich vermute typisch niederländische – Offenheit in der Firma und fühlte mich von Beginn an willkommen. Auch jetzt bin ich noch regelmäßig mit meinen Bürokollegen in Kontakt.

Tipp 4: Ist ein Forschungsaufenthalt zum Verfassen der Bachelor-, Master- oder Phd Thesis oder ein Praktikum im Ausland geplant, können sich Studierende der TU Graz auch an das International OfficeWelcome Center wenden und um eine Förderung ansuchen. Alle Informationen zu den Voraussetzungen, Förderprogrammen sowie Deadlines finden sich im Intranet TU4U unter Mein Auslandsaufenthalt.

Arnheim – persönliche Eindrücke

International bekannt ist die lebenswerte 100.000 Einwohner Stadt vor allem für die Schlacht um ihre Hauptbrücke im zweiten Weltkrieg, die in "A Bridge Too Far" verfilmt wurde. Mit einer großen Konzerthalle, ausschweifenden Lauf- und für die Niederlande selbstverständlichen Radrouten, Frei- und Hallenbädern sowie einer modernen Boulderhalle und großzügigen Badebuchten am Niederrhein bietet sie auch ein beeindruckendes Freizeitangebot. Von einem netten Arbeitskollegen konnte ich mir ein Rennrad ausborgen und so auch die nahegelegenen Nationalparks Veluwezoom und Hoge Veluwe erkunden.

Im Umkreis von weniger als eineinhalb Zugstunden liegen mit Utrecht, Den Haag und Rotterdam außerdem drei Weltstädte, die definitiv eine Reise wert sind. Generell ist das öffentliche Verkehrsnetz in den Niederlanden beeindruckend – so gibt es alle 15 bis 20 Minuten Schnellzüge in besagte Städte und ein „Universalticket", mit dem alle Züge, Busse und öffentlichen Fahrräder in den ganzen Niederlanden genutzt werden können. Trotz Corona unternahm ich so einige Wochenendausflüge und „genoss" dabei maximal halb belegte Schlafsäle in den Hostels.

Schiffsbug mit Blick auf einen sommerlichen Kanal, gesäumt von Häusern und Bäumen

Während seines Praktikums in den Niederlanden besuchte TU Graz Student Niklas Mayr auch Utrecht. Hier ein Kajak in einem Kanal.

Leben in den Niederlanden in COVID-19 Zeiten

Alles in allem – abgesehen von der etwas komplizierteren Organisation und der ungewohnten Anreise per Bahn, einer strikten Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln und Gästelisten in den Lokalen – nahm das Leben in den Niederlanden weitestgehend seinen normalen Lauf.

Tipp 5: Gute und vor allem verständliche (Sprachbarriere) Informationen zur aktuellen COVID-Lage im Ausland stellen die jeweiligen österreichischen Botschaften bereit.

Mein Praktikum – Resümee

Ein Praktikum im Ausland zu machen, war definitiv eine wertvolle Erfahrung, die ich ohne an der TU Graz zu arbeiten wahrscheinlich nicht gemacht hätte. Kontakte im Rahmen einer Konferenz, persönlich anzubahnen ist sicher der bessere Weg als – mehr oder weniger – unpersönliche Bewerbungen zu versenden.
Vermisst habe ich in den zwei Monaten auf jeden Fall meine Freunde, vor allem, weil ja das Reisen aufgrund von COVID-19 sehr erschwert war. Sehr geholfen haben hier private Videokonferenzen und nach dem Praktikum ein Segeltörn mit Freunden auf der Ostsee.

Blick von einem Segelschiff auf das Meer

Sonnenuntergang bei Møn auf der Ostsee

Information

Niklas Mayr studiert im Masterstudium Verfahrenstechnik an der TU Graz in Österreich. Er ist seit zwei Jahren Teil der Brennstoffzellen und Wasserstoffsysteme Forschungsgruppe von Viktor Hacker, Professor am Institut für Chemische Verfahrenstechnik und Umwelttechnik (CEET) und hat im Sommer 2020 bei Nedstack in den Niederlanden gearbeitet.

Kontakt

Niklas MAYR
Student an der TU Graz
Masterstudium Verfahrenstechnik
niklas.mayrnoSpam@tugraz.at