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… Innovationmarathon, die große Herausforderung

02.09.2016 | Talking about ... | Banner Fokus TU Graz |

Von Philipp Rouschal

TU Graz-Student Philipp Rouschal über die Erlebnisse beim TU Austria Innovations-Marathon. Das Ziel: neue Ideen entwickeln, einen frischen Blick auf ein Problem werfen, sich mutig neue Fragen stellen.

Spaß als Antriebsmotor beim Innovations-Marathon: Das Team präsentiert seinen Lösungsansatz für eine Problemstellung der AVL: ein cloud-basiertes Support-System für Maschinen, Software & Fahrzeuge.

In Anlehnung an Star Trek gibt es auch beim Innovations-Marathon unendliche Weiten, die der Gedanken.  Auch unser Abenteuer ging ins Unbekannte – 24 Stunden, 8 Teams, 5 Teammitglieder, 3 Phasen, 1 Aufgabe und der Schlaf blieb zuhause. Es war eine Reise mit Tücken, die unendlichen Weiten der Gedanken sind trügerisch – überwältigend, einschüchternd, mit Sirenen gespickt und von Labyrinthen durchzogen. Auch musste auf unser „Raumschiff“ geachtet werden, Ressourcen waren knapp, vor allem die Zeit, aber auch der menschliche Faktor ist nicht zu unterschätzen. Die Reise, auf die ich euch mitnehmen will, wird keine lineare werden, vielmehr könnt ihr in Episoden eintauchen und Eindrücke sammeln, um vielleicht beim nächsten TU Austria Innovations-Marathon selbst dabei zu sein.

Am Ende waren wir ein Team, wohl kein perfektes, aber ein funktionierendes auf alle Fälle.

Episode 1: Von der Gruppe zum Team

Von der Liebe auf den ersten Blick wird viel geredet, vom Team auf den ersten Blick hab ich noch nie gehört. Das kann sich erst mit der Zeit entwickeln. Zeit hatten wir keine. Das stimmt, aber es geht weniger um die Zeitspanne, als um das gemeinsam Erlebte.
Erlebt haben wir viel und mit jedem Moment lernten wir uns besser kennen. Wir waren allerdings von Anfang an kompatibel, wir gingen offen aufeinander zu. Allen war klar: Nur gemeinsam finden wir Lösungen und jedes Individuum kann etwas einbringen. Daraus leiteten wir unsere unausgesprochene Grundregel ab: Sei offen!
Die Situation ist ja keine leichte. 24 Stunden mit unbekannten Menschen durchgehend arbeiten. Missverständnisse, Übermüdung,… vieles kann Reibereien verursachen. Bei uns im Team ging alles gut, ja mehr sogar, wir hatten Spaß – von Beginn an bis übers Ende hinaus. Warum ging es gut? Wir haben aufeinander gehört und geachtet. Das Schmieröl für einen reibungslosen Ablauf war ganz klar der Spaß, der eine ungezwungene und lockere Atmosphäre geschaffen hat.
Am Ende waren wir ein Team, wohl kein perfektes, dazu war die Zeit doch etwas zu kurz, aber ein funktionierendes auf alle Fälle.

Episode 2: In die Tiefe des Problems

Lösungen gibt es viele, aber nicht jede passt zum Problem.  Manchmal entsteht auch eine Lösung für eine andere Fragestellung – Zufallstreffer, die leider allzu oft verloren gehen. Um nicht auf Irrfahrt zu gehen, hieß es zuerst verstehen. Was ist das Problem? Behandeln wir Symptom oder Ursache? Wie können wir noch anders auf die Fragenstellung blicken?
Klar ist, in einer so kurzen Zeit ist nicht jeder Aspekt einer Problemstellung analysierbar. Hier half der Blick von fünf unterschiedlichen Individuen doch sehr. Auch dass wir keine Expertinnen und Experten im Bereich waren, war ein Vorteil. Der Blick von außen zeigt andere Aspekte und ermöglicht so neue Lösungsansätze.

...dass wir keine Expertinnen und Experten waren, war ein Vorteil.

Die Balance galt es auch hier zu finden. Wie tief soll gegangen werden? Haben wir schon genug Informationen oder sogar schon zu viele? Es mag paradox klingen, aber zu viel zu wissen kann blenden. Wer in den Abgrund starrt, wird irgendwann von ihm überwältigt, ein kurzer Blick reicht vielleicht schon, um einen Umweg zu suchen.
In unserem Fall war zu viel Wissen eher weniger das Problem, viel mehr der Mangel an Zeit. 24 Stunden vergehen schneller als gedacht, der kommende Schlafmangel ist dabei auch nicht hilfreich.

Epsisode 3: Die Weiten der Kreativität

Nach dem Abgrund des Problems geht es nun in den grenzenlosen Himmel der Möglichkeiten. Als Absprungschanzen dienten nun die Fragen und das Verständnis aus der Phase der Problemanalyse. Sie zeigten die Richtung. Ich muss sagen, fliegen macht Spaß, den Geist gleiten zu lassen, von einer Idee zur nächsten, der Aufwind der durch den Austausch entsteht… All das treibt einen in die Höhe, nicht nur die Variation der Ideen, sondern auch die Stimmung. Alles ist richtig, nur Kritik ist falsch.
Natürlich ist nicht jede Idee Gold wert, aber das kümmert in dem Moment nicht. Wichtig ist die Freiheit, neue Ansätze zu entwickeln. Auch die Interaktion ist essentiell. Jeder Mensch denkt anders, jeder Austausch regt neue Gedanken an. Am Ende dieser Phase saßen wir vor einer Tafel voll Ideen.

TU Graz-Student Philipp Rouschal (ganz links) mit einer Teamkollegin und einem Teamkollegen vor einer Pinwand voller Ideen beim TU Austria Innovations-Marathon.

Philipp Rouschal (ganz links) mit Teamkollegin und Teamkollegen: Nicht jede Idee ist Gold wert, aber das kümmert in dem Moment nicht.

Episode 4: Mit Sieb und Zementmischer

Gruppieren und Clustern. Welche Idee passt zur welcher? Wo ähneln sie sich? Noch vor dem Bewerten ging es bei uns um das Verstehen der Ideen. Deuten sie schon in eine Richtung? Haben wir nur Äpfel in verschiedenen Farben oder ist auch ein Pferd darunter? Verstehen wir überhaupt dasselbe? Vor dem Hintergrund der Pinnwand voller Ideen bildeten sich langsam klare Strukturen heraus, Muster wurden erkennbar, Ideen wurden als zwei Seiten derselben Medaille erkannt. Dennoch – die Vielfalt blieb.
Wir destillierten aus diesen Ideen neue Ansätze. Nicht zur Gänze ausgereift, aber handlich zur Weiterverarbeitung. Es ging nun trotzdem ans Entscheiden. Weniger als 8 Stunden waren noch übrig, und bis dahin sollten ein oder zwei Konzepte stehen.
In mehreren Schritten kamen wir auf wenige Ansätze. Weiter verringern oder doch kombinieren? Am Ende kam es für uns zu einer Kombination mehrerer Ansätze. Deren Zusammenspiel wurde ausgearbeitet, Details diskutiert und die Beantwortung der ursprünglichen Problemstellung vorbereitet. Wir hatten unsere Lösung!

Episode 5: Das Ende und ein Anfang

Wir hatten sie, aber jetzt kam die Frage wie wir sie präsentieren sollten. Kommunikation ist ein Spiel und wir waren übermüdet, also holten wir uns durch Spaß unsere Energie zurück und schafften es, das Konzept zu transportieren.

Die 5 Studierenden des Teams AVL mit Firmenfertreter bei der Abschlusspräsentation.

Übermüdet, aber erleichtert: Das Studierendenteam nach der Abschlusspräsentation mit AVL-Coach.

Wird unsere Lösung am Ende die Lösung sein? Wer weiß, zumindest konnten wir einen Impuls geben. Uns hat es Spaß gemacht und lehrreich war es obendrein. Die Kompaktheit des Marathons zeigt die verschiedenen Phasen des Innovationsprozesses sehr gut. Auch das Wechselspiel von Beschränkung und Freiheit wird im Prozess schnell klar. Der Spaß als Antrieb ist aber vermutlich das, was am stärksten hängen bleibt. 

In diesem Sinne habt Spaß an Innovation und verändert die Welt!

Information

Unerschütterliches Durchhaltevermögen, Kreativität und vielleicht eine Prise Verrücktheit: Das sind die Grundvoraussetzungen für die Teilnahme am TU Austria Innovations-Marathon. 8 Aufgabenstellungen, 8 Teams und 24 Stunden Zeit: So erarbeiten Studierende beim Marathon jedes Jahr im Sommer Lösungskonzepte für reale Problemstellungen von Unternehmen. TU Graz Mathematik-Student Philipp Rouschal war im August 2016 Teil des AVL-Teams, das ein cloud-basiertes Support-System für Messgeräte und Software entwickeln sollte.

Hier geht es zum offiziellen Video des TU Austria Innovations-Marathon, Forum Alpbach 2016

Kontakt

Philipp Rouschal
Studienvertretung Mathematik
TU Graz
Rechbauerstraße 12, 8010 Graz
philipp.rouschalnoSpam@student.tugraz.at