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„Den Mädchen gehört die Angst genommen“

14.01.2016 |

Von Ute Wiedner

Im Studium Softwareentwicklung-Wirtschaft passt für Hillary alles. Warum es ohne spezielle Vorkenntnisse in Mathe geht und warum Mädchen nur auf sich hören sollten, erzählt sie im Interview.

Hillary Chrys Moisa, Studentin im Bachelorstudium Softwareentwicklung-Wirtschaft an der TU Graz, vor Frauen in die Technik (FIT)-Plakaten.

Die braunhaarige Grazerin Hillary Chrys Moisa mit den lebhaften dunklen Augen studiert Softwareentwicklung-Wirtschaft an der TU Graz. Ihren ersten Kontakt zur „Technik“ hatte die 21-jährige bereits in der Volksschule. Heute arbeitet sie selbst in den TU Graz-Frauenförderprogrammen mit, geht an Schulen und ist in Kürze wieder Teil des Teams am FIT-Infotag für Schülerinnen.

Welche Bedenken haben Schülerinnen, wenn sie über ein technisches Studium nachdenken?

Da ist immer die Frage nach den Vorkenntnissen in Mathematik. Danach kommt gleich: „Ist ein technisches Studium wirklich so schwer?“. Ich glaube, diese Angst kommt teilweise immer noch von der Schule. Ich habe selber miterlebt, dass besonders ältere Lehrer Mädels entmutigen. Und oft vermitteln die Eltern auch dieses Vorurteil: das ist ein Männerjob und das ist ein Frauenjob. Den Mädchen gehört die Angst genommen. Deshalb arbeite ich auch gern im Büro für Gleichstellung und Frauenförderung mit.

Wie viel Mathematik braucht man für ein technisches Studium?

Mathematik beginnt an der Uni bei null. Der Unterschied zur Schule ist, dass der Stoff an der Universität nur einmal erklärt wird. Ich kenne Leute, die vor dem Studium wenig mathematisches Vorwissen hatten. Man kann sich am Anfang Hilfe in den Tutorien holen, das sind Einstiegskurse, wo Höhersemestrige den Stoff erklären. Unter anderem gibt es Mathe 0, 1 und 2 und so weiter. Für Tutorien bekommt man sogar ECTS, also Punkte für das Studium. Und natürlich ist es auf der Uni auch wichtig in Teams zu lernen, gemeinsam ist es immer leichter. Für mich war Mathe kein Problem, ich war in der Schule schon auf Mathematik-Olympiaden (schmunzelt). Dafür brauche ich besonders die Tutorien in den Programmierfächern.

Gibt es sonst noch Lernhilfen?

Ich habe erlebt, dass sich schnell Lernteams im Freundeskreis bilden. Man lernt gleich beim Erstsemestrigen-Tutorium Leute kennen. Mit diesen Leuten bleibt man meist die ganze Studienzeit über befreundet.

Am 8. Februar findet der nächste FIT-Infotag statt. Was erwartet Schülerinnen dort?

Am FIT-Infotag kann man sich Auskunft zu technischen und naturwissenschaftlichen Studien in der Steiermark und im Burgenland holen. Es gibt eine Podiumsdiskussion und Infostände zu jeder einzelnen Studienrichtung. Studierende aus den jeweiligen Studienrichtungen vermitteln dort nicht nur allgemeine Informationen zum Studium sondern auch ihre eigenen Erfahrungen.

Was würden Sie jungen Frauen, die vor der Studienwahl stehen, mit auf den Weg geben?

Dass man genau das studieren sollte, was einem Spaß macht, denn immerhin macht man das dann sein ganzes Leben lang. Man sollte nicht darauf hören, was jemand anderer sagt. Und dass Frauen keine Angst vor technischen Studien haben müssen, dass das Studium echt Spaß machen kann. Es gibt generell viel gegenseitige Hilfe. Die Jungs wollen einem immer helfen (grinst). Wenn man mal etwas nicht hat, bekommt man von allen Seiten Mitschriften, und auch die Unterlagen sind meist online.

Wie fiel bei Ihnen die Entscheidung für ein technisches Studium?

Ich habe schon in der Volksschule in den Ferien bei einem der TU Graz-CoMaed-Sommercomputerkurse für Mädchen mitgemacht. Mit 14 hatte ich den letzten Fortsetzungskurs des sogenannten Programmes beendet. Ein Ferialjob an einem Institut war aber erst ab 15 möglich. Da bin ich auf den FIT-Infotag aufmerksam geworden. Dort erzählten zwei Technikerinnen im Rahmen der Podiumsdiskussion total spannend aus ihrem Studium und dem Berufsleben. Speziell die Erfahrungen der Telematikerin, die in der Flugzeugindustrie tätig war, haben mich fasziniert.

Und dann sind Sie doch im Studium Softwareentwicklung-Wirtschaft gelandet?

Kurz vor dem FIT-Infotag hatte ich mich am Kepplergymnasium für den Informationstechnologie-Zweig entschieden. Weil mir das so viel Spaß gemacht hat, wollte ich irgendetwas in dieser Richtung machen, mir war aber nicht klar, was. Deshalb habe ich mich im Programm „T³UG - Teens treffen Technik“ für eine Ferialpraxis angemeldet. Im Anmeldeformular sind Interessensschwerpunkte anzukreuzen. Dementsprechend bekommt man dann ein Praktikum an einem bestimmten Institut angeboten.

Welche Erfahrungen haben Sie im Praktikum gemacht?

Es wurden insgesamt vier Praktika, in jedem Sommer ab 15 eines (lacht). Ich wollte jedenfalls etwas mit Maschinen zu tun haben, aber auch mit Programmieren. So habe ich mir zuerst das Institut für Maschinelles Sehen und Darstellen angesehen, dann das Institut für Computergrafik und Wissensvisualisierung und schließlich war ich zwei Mal am Institut für Signalverarbeitung und Sprachkommunikation. Die Betreuer setzen sich wirklich mit Dir hin und geben nicht nur Infos über das spätere Berufsleben, sondern auch über Uni und Studium. Ich konnte mich aufgrund dieser Gespräche gezielt für das Bachelorstudium Softwareentwicklung-Wirtschaft entscheiden – das ja übrigens relativ nah an meinem ursprünglichen Wunsch, der Telematik, ist.

In welche Richtung möchten Sie sich beruflich entwickeln?

Das weiß ich noch nicht so genau, jedenfalls sollte mein Beruf mit Computergraphik oder –vision zu tun haben, vielleicht auch mit Überwachungssystemen. Internetsecurity oder allgemeine Security würden mich interessieren. Seit heuer gibt es den neuen englischsprachigen Masterstudiengang Computer Science in meinem Fach, den möchte ich unbedingt machen. Das passt von den Fächern her perfekt und mehr Sprachen vorweisen zu können ist später sicher hilfreich.

Wie sehen Sie Ihre Berufsaussichten?

Man hat vor allem in den technischen Bereichen so viele Jobmöglichkeiten, sogar schon neben dem Studium, das kann man sich vorher gar nicht vorstellen. Ich habe mich bei einigen Jobbörsen angemeldet und meine Qualifikationen angegeben. Jetzt bekomme ich jede Woche zwei bis vier Mails, wo ich mich bewerben könnte, obwohl ich noch im Bachelorstudium bin.

Information

FIT-Infotag 2016

Der Besuch des FIT-Infotages ist Voraussetzung für die Anmeldung zu einem Ferialpraktikum an der TU Graz und für die Anmeldung zum Technik-Schnupperprogramm am 11. und 12. Februar.

Termin: 8. Februar, 9 Uhr
Ort: TU Graz, Petersgasse 16, Physikgebäude, Hörsaal P1
Anmeldung zum Infotag: mittels Online-Formular
Alle Informationen zum Infotag auf der FIT-Homepage