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Von der Idee zu 2 Minuten 2 Millionen

Der TU Graz-Student Lukas Watzinger gründet REELOQ. Für sein patentiertes Sicherungssystem boten Investoren bei „2 Minuten 2 Millionen“ 75.000 Euro . Die Ups and Downs rund um die Show teilt er in diesem Beitrag.

Ein divers aufgestelltes Team ist der Grundstein für den Erfolg.

Ein kaputtes Mobiltelefon im Sommer 2018 war der Anstoß zu „REELOQ“, einem patentierten Sicherungstool für Smartphones & Co. Die Learnings während meiner „Tüftelphase“  habe ich bereits vor einem Jahr im Beitrag „… von der Idee zum Produkt“ für diesen Blog zusammengefasst. Seither hat sich einiges getan. Die Reise der letzten zwölf Monate voller Höhen und Tiefen verdichte ich in diesem Beitrag für euch in diese fünf Learnings:

  1. Teamwork makes the dream work
  2. Nervosität ist gut
  3. Kein Plan übersteht den Kontakt mit der Realität
  4. Kooperationspartner suchen
  5. It’s about the Journey

Start-up Learning #1: Teamwork makes the dream work

Als ich im Zuge der „Langen der Nacht der Jungen Wirtschaft“ das Ticket zu „2 Minuten 2 Millionen“ gewonnen hatte und der Aufzeichnungstermin immer näher rückte, merkte ich schnell: Allein wird’s eng!
Mit Julia Schadinger habe ich als Maschinenbau-Wirtschaft-Student der TU Graz die perfekte Verstärkung gefunden. Ihr Studium „Management internationaler Geschäftsprozesse“ an der FH Joanneum und das wirtschaftliche Know-How ergänzen ideal meinen technischen Hintergrund.
Zusätzlich sind wir dankbar, auf die wertvollen Tipps erfahrener Mentorinnen und Mentoren zurückgreifen zu dürfen, die wir durch die verschiedensten Start-up-Veranstaltungen und Organisationen wie die Gründungsgarage oder die „Start-up-Spritzer“ des Ideentriebswerk kennengelernt haben.

Start-up Learning #2: Nervosität ist gut

Natürlich waren wir beide kurz vor dem Auftritt extrem nervös. Wie werden die Investoren auf unsere Idee reagieren?

Gemeinsam stellten wir uns im Herbst 2019 der Herausforderung und präsentierten „REELOQ“ der Jury von „2 Minuten 2 Millionen“. Natürlich waren wir beide kurz vor dem Auftritt extrem nervös. Wie werden die Investoren auf unsere Idee reagieren? Können wir trotz Nervosität auf kritische Fragen souverän antworten?

Meiner Meinung nach ist der Schlüssel, um Nervosität auszutricksen, sie anders zu benennen und damit auch anders zu bewerten! Anstatt „nervös“ zu sein, kann ich „aufgeregt“ sein und mich freuen, endlich die Früchte langer Vorbereitungen zu ernten. Der erhöhte Herzschlag als Symptom darf natürlich sein.

Long story short: Wir konnten die Investorinnen und Investoren überzeugen und Hans-Peter Haselsteiner legte bereits nach kurzer Zeit mit Mediashop-Chefin Katharina Schneider ein gemeinsames Angebot ab: Ein Investment von 75.000 Euro für 25,1 Prozent Firmenanteile der REELOQ GmbH. Der Bau-Tycoon sieht das patentierte REELOQ-System „als neuen Standard für Arbeits- und Einsatzbekleidung“, denn „durch das Sicherungssystem kann auch die Arbeitssicherheit erhöht werden“. Hier geht’s zum Pitch.

Start-up Learning #3: Kein Plan übersteht den Kontakt mit der Realität

Zwischen Aufzeichnung und tatsächlicher Ausstrahlung lag über ein halbes Jahr, also genug Zeit, um den Produktions-, Marketing- und Vertriebsplan aufzusetzen. Was sollte uns da dazwischen kommen?

Die coronabedingten Lieferverzögerungen hätten bedeutet, dass wir unsere Produkte zur Ausstrahlung und gleichzeitig zum Marktstart am 12. Mai nicht verfügbar gehabt hätten.

Dann kam Corona. Unsere Produzentinnen und Produzenten stellten für über ein Monat den Betrieb ein. Die coronabedingten Lieferverzögerungen hätten bedeutet, dass wir unsere Produkte zur Ausstrahlung und gleichzeitig zum Marktstart am 12. Mai nicht verfügbar gehabt hätten. Aufgeben war für uns keine Option. Daher entschieden wir uns kurzerhand, die ersten Teile in unzähligen Nachtschichten selbst zusammenzubauen. Noch am Tag der Ausstrahlung verkauften wir die Menge an REELOQs, die wir eigentlich für den Sommer geplant hatten. Die Mühen zahlten sich aus und wir konnten mit etwas Verzögerung unsere Produkte liefern.

Corona bedingt fertigten Julia Schadinger und REELOQ-Gründer Lukas Watzinger ihren Seilzug selbst in Nachtschichten.

Der Deal der Show kam schlussendlich nicht zustande, da er für uns in den Nachverhandlungen in wesentlichen Detailpunkten nicht attraktiv genug war. Es hätte nur einen kurzfristigen finanziellen Erfolg für REELOQ bedeutet, uns liegt aber der langfristig erfolgreiche Unternehmensaufbau am Herzen. Nun sind österreichische Privatinvestoren mit an Bord und unterstützen mit Know-How und Kapital das Wachstum von REELOQ.
Natürlich sind Pläne wichtig, es heißt nicht umsonst „Who is failing to plan is planing to fail“. Jedoch muss man immer im Hinterkopf behalten: „Kein Plan übersteht den Feindkontakt“, sprich den harten Boden der Realität, besonders in COVID-19-Zeiten. Gerade im Start-up-Umfeld muss man sich agil an Herausforderungen anpassen. Corona lehrte uns diese Lektion bereits sehr früh.

Start-up Learning #4: Kooperationspartner suchen

Um den Erfolg weiter voranzutreiben sind Kooperationspartner extrem wichtig. Zu unseren Partnern zählen nun unter anderen der Alpenverein und der österreichische Bundesfeuerwehrverband (ÖBFV), für den wir stolzer Hersteller des exklusiven Feuerwehr-REELOQs sind. Neben unserem Hauptfokus im E-Commerce (Webshop und Amazon) bauen wir auch unser Vertriebsnetz stetig weiter aus und sind nun österreichweit in allen Gigasport-Filialen im Handel vertreten. Dank unseres Vertriebsnetzes und der Partner konnten wir unser Jahresziel bereits jetzt vor der Weihnachtssaison erreichen, daher der Tipp: Kooperationen eingehen!

Dank unseres Vertriebsnetzes und der Partner konnten wir unser Jahresziel bereits jetzt vor der Weihnachtssaison erreichen, daher der Tipp: Kooperationen eingehen!
 

Blaue Schachteln mit der Aufschrift REELOQ Adventure Package und einem orangen Sack in einem Sportgeschäft.

Das REELOQ Adventure Package ist online und im niedergelassenen Handel erhältlich.

Start-up Learning #5: It’s about the Journey

Der Weg von der Idee zum Produkt ist voller Höhen und Tiefen, jedoch macht jede Sekunde im „Start-up-Abenteuer“ Spaß und die täglichen Herausforderungen bieten immer die Chance, daran zu wachsen. NBA Champoin Kobe Bryant fasst es in einem Interview perfekt zusammen: "It’s about the journey, not the destination". Ein großes Ziel ist wichtig, jedoch der Weg dorthin muss Freude machen, dann hat man schon gewonnen.
Wir stehen erst am Beginn unsere Reise und haben noch viel vor! Neben dem Vertrieb von REELOQ Outdoor sind wir zurzeit mit einem weiteren REELOQ-Produkt (und Patent) Teil der Science-Park-Academy. Aber mehr dazu dann im nächsten Beitrag.

Der Science Park ist der Hightech-Incubator der Grazer Universitäten und verhilft Start-ups im Hochtechnologie-Bereich zum Erfolg ihrer Ideen.

Information

Lukas Watzinger besuchte von 2010 bis 2015 die Fachrichtung Mechatronik an der HTL Steyr und entschied sich nach Matura und Zivildienst für ein Praktikum als Entwicklungsingenieur bei der Firma AME in Chicago. Im Oktober 2017 begann er das Bachelorstudium Wirtschaftsingenieurwesen-Maschinenbau an der TU Graz. 2018 war ein kaputtes Handy Auslöser für die Entwicklung des Sicherungstools „REELOQ“. Er war Teil der Gründungsgarage Vol. XI an der TU Graz, danach führte sein Weg zu 2 Minuten 2 Millionen. Julia Schadinger stieß im Zuge eines FH-Projektes ihres Bachelorstudiums „Internationales Management“  zu REELOQ und ist seitdem für Marketing und Sales zuständig. Außerdem ist sie Teil des Event- und Communityteams des Grazer Start-up-Vereins „Ideentriebwerk“.