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Der Mobilitätsjackpot

23.12.2016 | FoE Sustainable Systems | TU Graz research | Cooperations

Von Birgit Baustädter

Ein fliegender Wechsel zwischen Fahrrad, Auto und Straßenbahn ist für in der Stadt lebende Personen der Mobilitätsjackpot: umweltfreundlich, flexibel einsetzbar und günstig.

Am tim-Standort können Fahrzeuge einfach über einen Touchscreen gebucht werden.

Vor wenigen Wochen wurde der erste „tim“-Standort am Grazer Hasnerplatz eröffnet – „tim“ steht dabei für „täglich. intelligent.mobil“. Das neue Mobilitätsangebot der Holding Graz will mit multimodalen Knoten verschiedene Fortbewegungsarten miteinander verknüpfen – für Menschen, die schnell und unkompliziert ein Fortbewegungsmittel benötigen. Der Standort ist in unmittelbarer Nähe zur Straßenbahn gewählt und bietet jetzt nach der Umbauphase ausreichend Fahrradabstellplätze. Direkt daneben, am exklusiven e-Taxi-Standplatz, können die seit April in Graz fahrenden e-Taxis genutzt und bargeldlos über die tim-Karte per Sammelrechnung abgerechnet werden. Außerdem – als weitere Alternative zum eigenen Auto – können hier direkt am Terminal oder über eine Online-Plattform Fahrzeuge für kurze oder lange Zeiträume gebucht werden: Für eine Nutzungsdauer von bis zu einem Tag ist eines der konventionellen oder E-Carsharing-Autos ideal, mit dem beispielsweise Einkäufe gemacht werden können.

Sechs Männer stehen vor einem tim-Auto am Hasnerplatz.

Eröffnung des ersten tim-Standortes am Grazer Hasnerplatz.

Für längere Zeiträume – sogar für Urlaubsreisen – stehen Leihwägen zu günstigen Konditionen bereit, die ebenfalls einfach online gebucht werden können. Für die Nutzerin oder den Nutzer ist die Auswahl einfach: Sie oder er gibt einfach den benötigten Zeitraum ein und das System schlägt automatisch die kostengünstigste Variante vor. Vervollständigt wird das Angebot durch Ladestationen für das private E-Auto, an denen Personen, die schon ein umweltfreundliches Elektro-Fahrzeug besitzen, laden können.

Vom Test- zum Regelbetrieb

Derzeit gibt es nur den Standort am Hasnerplatz – bereits in Planung sind aber für die kommenden Jahre weitere Terminals am Schillerplatz, bei der Messe, in der Smart City und in Reininghaus. „Und wir hoffen natürlich, dass die Nachfrage so groß ist, dass es noch sehr viele mehr geben wird“, blickt Birgit Kohla in die Zukunft. Die Wissenschafterin vom TU Graz-Institut für Straßen- und Verkehrswesen leitet die wissenschaftliche Begleitung des Projekts, das nun vom Test- in den Regelbetrieb überführt wurde.

Grafik mit den geplanten tim-Standorten in Graz.

Es soll nicht bei einem tim-Standort in Graz bleiben - mehrere sind bereits in Planung.

Ins Projekt eingebunden sind an der TU Graz das Institut für Straßen- und Verkehrswesen, das Institut für Fahrzeugtechnik und das Institut für Städtebau. Extern ist die Firma Quintessenz für die Befragungen der Nutzerinnen und Nutzer zuständig und die FH Joanneum unterstützt als Partnerin das Marketing. In Auftrag gegeben wurde das Projekt von der Holding Graz, die auch den multimodalen Knoten baute und betreibt. Das Konzept ist im Zuge der Smart City Graz entstanden, für die es ein eigenes Arbeitspaket zum Thema Mobilität gab, in dem innovative und nachhaltige Verkehrssysteme erdacht werden sollten. Unter anderem entstand dabei die Idee für ein gebündeltes Sharing-Angebot, das an einem Standort viele unterschiedliche Mobilitätsarten anbietet. Das Umsetzungskonzept und das Design wurden in einem Studierendenwettbewerb von der TU Graz und der FH Joanneum entwickelt und mit dem ersten Knotenpunkt am Hasnerplatz nun umgesetzt.

Wer, wann und warum?

„Jetzt ist es an der Zeit herauszufinden, wer wann und warum das Mobilitätsangebot nutzt oder eben nicht, welche CO2-Einsparungen erreicht werden können und was das Angebot zur Feinstaubreduktion beitragen kann“, erklärt Birgit Kohla. Ausgewertet werden dafür unterschiedlichste Daten, die mittels GPS-Tracking, 3D-Simulationen, Befragungen und Beobachtungen generiert werden. Vom Institut selbst wird die Umgebung der multimodalen Knoten untersucht. Wichtiger Punkt im Projekt ist vor allem, wie sich das alltägliche Mobilitätsverhalten der Personen verändert, die das Angebot annehmen, und welche Auswirkungen diese Änderungen haben. Offiziell gestartet ist das Projekt im Juli 2015. Bisher wurden wichtige Vergleichsdaten generiert. „Masterstudierende haben in eigenen Projekten das Mobilitätsverhalten an den Knotenpunkten erforscht, bevor es das Sharing- Angebot gegeben hat. Damit haben wir nun sehr viele Vergleichsdaten.“ Nun, nach Start des Sharing- Angebots, können die Untersuchungen zur Akzeptanz desselben durchgeführt werden. Sehr wichtig sei es auch, herauszufinden, ob und wie das Angebot in den verschiedenen Altersgruppen genutzt werde, ob zum Beispiel ältere Personen mit den auf neueste Technologie ausgelegten Systemen grundlegende Probleme haben. „Zusammenfassend gesagt erwarte ich mir zu erfahren, ob das Angebot, so wie es jetzt dort steht, attraktiv ist oder nicht. Und vor allem auch, für wen es attraktiv ist und warum.“

Für die Begleitforschung werden unterschiedlichste Daten herangezogen: GPS-Tracking, 3D-Simulationen, Befragungen und Beobachtungen.

Und auf Basis dieser Erkenntnisse will man abschließend Vorschläge für Verbesserungen oder Erweiterungsmöglichkeiten machen. „Wir können uns zum Beispiel ein Fahrradverleihsystem gut vorstellen, das es in dieser Form in Graz noch nicht gibt. Oder vielleicht wünschen sich die Leute statt des Carsharings einen Chauffeur-Dienst, der auch zum Arzt begleitet oder die Einkäufe nach Hause bringt. Wer weiß, ich bin auf jeden Fall gespannt.“ Die Endergebnisse werden 2018 vorliegen.

Dieses Forschungsgebiet ist an der TU Graz im Field of Expertise "Sustainable Systems" verankert, einem von fünf strategischen Schwerpunktfeldern.

Kontakt

Birgit KOHLA
Dipl.-Ing. Dr.nat.techn.
Institut für Straßen- und Verkehrswesen
Rechbauerstraße 12
8010 Graz
Tel.: +43 316 873 6722
birgit.kohlanoSpam@tugraz.at