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Digitale Souveränität: TU Graz ist Teil eines EU-Projekts für unabhängige Websuche

Grundstein für Alternativen zu Google und Co.: Eine offene europäische Infrastruktur für die Websuche anzustoßen ist das Ziel des EU-Projekts OpenWebSearch.EU. Neben der TU Graz sind 13 weitere europäische Forschungs- und Rechenzentren beteiligt.

Für einen freien, offenen, unvoreingenommenen Zugang zu Informationen: Die TU Graz beteiligt sich an einem EU-Projekt zur Schaffung einer europäischen Websuche. Bildquelle: Lunghammer - TU Graz

Ein digital souveränes Europa und ein offener, fairer Suchmaschinenmarkt: Zu diesen hehren Zielen soll das Projekt OpenWebSearch.EU beitragen, das nun mit 8,5 Millionen Euro im Rahmen der EU-Förderschiene „Horizon Europe“ gefördert wird. Koordiniert wird das Projekt rund um 14 europäische Forschungs- und Rechenzentren von der Universität Passau, die TU Graz ist mit dem Institute of Interactive Systems and Data Science zentral beteiligt.

Ungleichgewicht am Suchmaschinenmarkt

Die Projektidee entstand aus der Besorgnis über das Ungleichgewicht auf dem Suchmaschinenmarkt heraus: Die Suche nach Informationen im Internet wird von nur wenigen privaten Gatekeepern wie Google, Microsoft, Baidu oder Yandex beherrscht. In den nächsten drei Jahren werden die Forscherinnen und Forscher daher den Kern eines europäischen Open Web Index (OWI) als Grundlage für eine neue Internetsuche in Europa entwickeln. „Ein freier, offener und unvoreingenommener Zugang zu Informationen – diese Grundprinzipien der Websuche sind verloren gegangen, und wir müssen sie dringend wiederherstellen. Deshalb werden wir eine offene europäische Infrastruktur für die Websuche schaffen, die auf europäischen Werten und Regeln basiert", sagt Projektkoordinator Michael Granitzer von der Universität Passau und der Open Search Foundation.

Christian Gütl vom Cognitive and Digital Science (CoDiS) Lab am Institute of Interactive Systems and Data Science der TU Graz führt weiter aus: „Die Websuche in Europa ist derzeit stark von Google abhängig. Als Privatunternehmen könnte Google jederzeit Suchergebnisse nach seinen Vorstellungen gestalten, das tut es auch schon. Das könnte aber noch viel massiver werden. Wenn Websites aus politischen oder monetären Gründen aus dem Suchindex von Google fallen, dann sind sie im Grunde nicht mehr auffindbar.“

Offener Suchindex

Im Rahmen des neuen Projekts geht es um Konzepte, wie man anders mit der Websuche umgehen kann und gleichzeitig mehr Datenschutz und Transparenz Einzug halten können. Dazu Alexander Nussbaumer, ebenfalls vom CoDiS Lab der TU Graz: „Zunächst müssen wir an einem eigenen Suchindex arbeiten, also an einer Art Inhaltsverzeichnis des Internets, das aber im Gegensatz zu den Verzeichnissen bisheriger Websuch-Anbieter offen für alle sein soll. Hier werden wir uns anfangs sicher beschränken müssen, etwa auf Websites bestimmter Länder oder zu bestimmten Themen. Steht der Index der Websites, geht es in weiterer Folge um die Entwicklung von Such-Applikationen.“

Das Team an der TU Graz im CoDiS Lab wird vor allem an der Konzeption und den benutzerzentrierten Aspekten der Suchapplikationen arbeiten. Dazu gehört etwa die Erforschung neuer Suchparadigmen, die den Usern die Kontrolle über das Suchverhalten ermöglichen. Die Idee ist, dass es verschiedene Suchalgorithmen gibt oder dass man das Verhalten der Suchalgorithmen beeinflussen kann. Dadurch könnte man zum Beispiel speziell nach wissenschaftlichen Dokumenten oder nach Dokumenten mit Argumenten suchen, Suchbegriffe einbeziehen, die vorher schon verwendet wurden, oder Dokumente des Intranets in die Suche miteinbeziehen. Die Suchenden können so mitbestimmen, wie die Suche stattfindet.

Ebenfalls ein Arbeitspaket der TU Graz: Im europäischen Suchindex sollen auch ethische Werte technisch integriert werden. Dazu gehören Transparenz und Verstehbarkeit der Suchalgorithmen, Privatsphäre und der Zugang zu eigenen Benutzerdaten. Nach dem Prinzip „Ethics-by-design“ werden ethische Überlegungen schon bei der Entwicklung der Software miteinbezogen. Alexander Nussbaumer führt aus: „Wenn Dokumente vorab schon analysiert werden, kann im Suchergebnis gekennzeichnet werden, ob sie etwa problematische Inhalte haben oder aus problematischen Quellen stammen. Die Nutzerin oder der Nutzer soll zudem selbst entscheiden können, welche persönlichen Daten wie etwa Standort oder Interessen in die Suche miteinbezogen werden.“

Über OpenWebSearch.EU

Das multidisziplinäre Konsortium von OpenWebSearch.EU aus 14 europäischen Partnern ist davon überzeugt, dass die offene Websuchinfrastruktur zu Europas Souveränität bei der Orientierung und Suche im Web beitragen wird. OpenWebSearch.EU ist das erste Projekt, das die EU finanziert, um die Websuche von morgen in Gang zu bringen. Es läuft im September 2022 an, für einen Zeitraum von zunächst drei Jahren. Das Projekt wird mit 8,5 Millionen Euro aus dem Forschungs- und Innovationsprogramm "Horizon" der Europäischen Union unter der Finanzhilfevereinbarung Nr. 101070014 gefördert. Nähere Informationen zum Projekt gibt es unter https://openwebsearch.eu/.

Liste der Projektpartner:
1. Universität Passau
2. Leibniz Rechenzentrum der Bayerischen Akademie der Wissenschaften
3. Stichting Radboud Universiteit, Niederlande
4. Leipzig Universität
5. Technische Universität Graz
6. Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt
7. VSB - Technical University of Ostrava, IT4Innovations, Tschechische Republik
8. European Organization for Nuclear Research – CERN
9. Open Search Foundation, Deutschland
10. A1 Slovenija, telekomunikacijske storitve, d. d.
11. CSC-Tieteen Tietotekniikan Keskus Oy, Finnland
12. Stichting Nlnet, Niederlande
13. Bauhaus-Universität Weimar
14. SUMA-EV – Verein für freien Wissenszugang (e.V.), Deutschland

Information

Über Horizon Europe
Horizon Europe (“Horizont Europa”) ist das wichtigste Finanzierungsprogramm der EU für Forschung und Innovation. Es zielt darauf ab, eine wissens- und innovationsbasierte Gesellschaft und eine wettbewerbsfähige Wirtschaft aufzubauen und gleichzeitig zu einer nachhaltigen Entwicklung und zur Umsetzung der Leitlinien der Europäischen Kommission beizutragen.

Kontakt

Christian GÜTL
Assoc.Prof Dipl.-Ing. Dr.techn.
TU Graz | Institute of Interactive Systems and Data Science, Cognitive and Digital Science Lab (CoDiS)
Tel.: +43 316 873 5604
c.guetlnoSpam@tugraz.at

Alexander NUSSBAUMER
Dipl.-Ing. Dr.techn.
TU Graz | Institute of Interactive Systems and Data Science, Cognitive and Digital Science Lab (CoDiS)
Tel.: +43 316 873 30638
alexander.nussbaumernoSpam@tugraz.at