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„Ich will handeln, wie viele Millennials“

Verantwortung ist ein starkes Thema auf Ivan Knechtls Lebensweg. Als Student der Umweltsystemwissenschaften an der TU Graz will er einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Hier ist seine Geschichte – für alle, die noch nicht wissen wohin nach der Schule.

Ivan Knechtl studiert Umweltsystemwissenschaften / Naturwissenschaften-Technologie (USW NAWI-TECH) und ist Gründer des Start-up Milkywaste.

News+Stories: Wie bist du zum Studium „Umweltsystemwissenschaften / Naturwissenschaften-Technologie (USW NAWI-TECH)“ an der TU Graz gekommen?

Ivan Knechtl: Nach dem Abschluss meines Bachelorstudiums in Chemieingenieurwesen in Maribor, meiner Herkunftsstadt, fühlte ich mich verpflichtet, meine Kenntnisse in Chemie und im Chemieingenieurwesen zu nutzen, um in der Umweltchemie etwas zu bewirken. Ich wollte Strategien und Maßnahmen für den Umwelt- und Klimaschutz entwickeln. Außerdem wollte ich mir neues Wissen außerhalb meiner Komfortzone aneignen und ein Studium im Ausland ausprobieren. Die TU Graz schien mir eine perfekte Wahl zu sein. Die perfekte Mischung aus tollen Lehrkräften und der großartigen Kultur in der Stadt Graz und an der Universität hat mir das Gefühl gegeben, hier zu Hause zu sein.

Hast du dich schon immer für Naturwissenschaften interessiert, auch schon früher in der Schule?

Ivan Knechtl: Lass mich nachdenken… Ich habe mich schon sehr früh von anderen inspirieren lassen. Ich war immer fasziniert von dem Wissen, der Weisheit und dem kreativen Denken der Menschen um mich herum.  Ich ertappte mich dabei, wie ich dachte: „Woher weißt du das?“, „Ich wünschte, ich könnte es mit dieser Genauigkeit und Leichtigkeit verstehen. Das ist so cool.“ Weit entfernt von der Tatsache, dass ich jetzt schon etwas „weiß“. Was ich jedoch gelernt habe, ist, dass das Leben viel einfacher ist, wenn man versucht, die Dinge und Prozesse in jedem Bereich bis zu einer gewissen Tiefe zu verstehen und sie zu Systemen zu kombinieren. Wenn du dich selbst auf Herz und Nieren prüfen willst, versuche, so viele „Warum"-Fragen wie möglich nacheinander zu beantworten (lacht).

Was ich gelernt habe, ist, dass das Leben viel einfacher ist, wenn man versucht, die Dinge und Prozesse in jedem Bereich bis zu einer gewissen Tiefe zu verstehen und sie zu Systemen zu kombinieren.

Was würdest du Maturantinnen oder Maturanten sagen, die nicht wissen, was sie nach dem Schulabschluss machen sollen?

Ivan Knechtl: Ich würde sagen: Überleg Dir einfach drei Dinge, die du in einem Jahr oder in fünf Jahren machen willst. Schreib sie auf. Bewahre sie auf. Wenn du jetzt noch nicht so weit bist, auch okay. Versuche, laut darüber nachzudenken, was von der Position, dem Job, der Persona, die du ausgewählt hast, erwartet wird. Gliedere es in leicht zu definierende Fähigkeiten und markiere diejenigen, die du bereits hast – ganz oder teilweise. Überleg dir, wie du die anderen erwerben könnest. Das könnte dich dazu führen, dein Studium fortzusetzen, einen Job zu beginnen oder ein Unternehmen zu gründen. In jedem Fall wirst du ein Ziel haben – und sei es noch so klein – und es wird dich zum Erfolg führen. Ein Schritt nach dem anderen. Herzlichen Glückwunsch! Schreib mir eine Nachricht, wenn es geklappt hat – ivannoSpam@milkywaste.eu.

In jedem Fall wirst du ein Ziel haben – und sei es noch so klein – und es wird dich zum Erfolg führen. Ein Schritt nach dem anderen. Herzlichen Glückwunsch!

Deine Schritte führten dazu, dass du in sehr jungem Alter das Start-upMilkywaste" gegründet hast. War das dein Ziel?

Ivan Knechtl: Ich will handeln, wie viele Millennials. Mein mutiger Zugang dazu begann 2017, als ich in Maribor am Climathon des Climate-KIC teilnahm. Ich hatte die Bewerbungsfrist für meinen Masterstudiengang an der TU Graz verpasst und musste daher ein Jahr warten. Ich nutzte die Gelegenheit, meine Fähigkeiten Klimasysteme zu verstehen als Teilnehmer am Praxisprogramm des Climate-KIC – der wichtigsten EU-Initiative für Klima-Innovationen – zu entwickeln. Die Climathon-Veranstaltung zeigte mir die Schwächen des Klimasystems, in dem wir leben, und die stillen Herausforderungen, die langsam größer werden und nicht ignoriert werden können. Vor diesem Hintergrund haben wir zusammen mit meinen Kolleginnen und Kollegen die Herausforderungen auf einer systemischen Ebene betrachtet und sie mit meinem Wissen als Chemieingenieur kombiniert. So begann die Geschichte von Milkywaste.

Du hast „Milkywaste“ gegründet, als dir klar wurde, wie sehr wir das Klimasystem schwächen?

Ivan Knechtl: Bei Milkywaste verändern wir die Verpackungsindustrie, indem wir eine neue Generation essbarer Biokunststoffe einführen, die aus Milchabfällen gewonnen werden. Unser Material kann sich in heißem Wasser auflösen oder kompostiert werden. So können wir verhindern, dass Verpackungen sofort nach dem Gebrauch weggeworfen werden, und reduzieren dadurch schädliches Mikroplastik und Plastikmüll. In Zukunft werden alle flexiblen Verpackungen intelligent sein und verschwinden, sobald sie nicht mehr gebraucht werden. Es kommen aufregende Zeiten auf uns zu, und ich bin stolz darauf, ein Teil davon zu sein.

Was sind die treibenden Kräfte für deine persönliche Entwicklung?

Ivan Knechtl: Wenn ich die Kräfte auf den Punkt bringe, die mich eher unbewusst antreiben, erkenne ich vier Dinge, die immer wieder auftauchen: echte Neugier, der Wunsch Probleme zu lösen, Höchstleistungen zu erbringen und der „Awesomeness"-Faktor.

Awesomeness?

Ivan Knechtl: Ja! Du kennst das Gefühl, wenn du zurückblickst und sagst: „Das war cool. Was für eine unglaubliche Reise." Ich ertappe mich oft dabei, dass ich mir verschiedene Arbeiten ansehe oder durchlese, die ich vor fünf bis zehn Jahren gemacht habe, und denke: „Wie bin ich nur auf so einen interessanten Ansatz gekommen?". Für mich spielt es keine Rolle, ob andere das anders sehen als ich. Das ist einfach meine ganz eigene Art, mich zu motivieren.

Was sind deine Hobbies neben dem Studium?

Ivan Knechtl: Ich spiele sehr gerne Gitarre – elektrische und akustische sowie Ukulele – und arbeite als Tontechniker, und ich genieße es, mit anderen Musikerinnen und Musikern Musik zu machen. Die letzte Session, die wir aufgenommen haben, war eine Coverversion von House of Gold im Onesie-Outfit in meinem Heimstudio. Außerdem kreiere ich gerne Videos, baue Computer von Grund auf neu oder repariere sie, spiele Videospiele, Volleyball und Fußball, gehe joggen und braue Bier, was sich langsam zu einem Geschäft und nicht mehr zu einem Hobby entwickelt – wir werden sehen.

Wie schaffst du all die Aktivitäten?

Ivan Knechtl: Ehrlich gesagt, die globale Gesundheitssituation aufgrund von Covid-19, die uns zwang, von zu Hause aus zu arbeiten, machte Reisen überflüssig und ermöglichte es, in wenigen Minuten vom Hörsaal zu einem Geschäftstreffen zu springen. Auf diese Weise war es für mich viel einfacher, bei allen Aktivitäten anwesend zu sein.

Tipp: Es gibt einige Tipps und Tricks, die ich gelernt habe, um gut organisiert und in guter mentaler Verfassung zu sein: Google Calendar oder Microsoft Outlook, die Wim-Hof-Methode und hochintensives Intervalltraining (HIIT) – geringer Aufwand, aber große Wirkung.

Bleibt da noch Zeit für das Studium?

Was mein Studium angeht, so höre ich in der Regel sehr aktiv in den Vorlesungen zu. Auf diese Weise spare ich viel Zeit, die ich für das Selbststudium bräuchte. Eine andere gute Frage wäre, ob noch Zeit für die Ferien bleibt – das ist nicht der Fall (grinst). Auf der anderen Seite kann ein aktives Wochenende auch dazu führen, dass ich mich entspannt fühle.

Information

Im Bachelor-Studiengang Umweltsystemwissenschaften / Naturwissenschaften-Technologie (USW NAWI-TECH) lernst du, wie komplexe Mensch-Umwelt-Systeme funktionieren und organisiert sind, und erhältst eine breite naturwissenschaftliche Grundausbildung. Im Masterstudiengang (in englischer Sprache) erweiterst du diese Kompetenzen. Beide sind Teil des naturwissenschaftlichen Kooperationsprogrammes „NAWI Graz" von TU Graz und Universität Graz.

Kontakt

Ivan KNECHTL
Student an der Technischen Universität Graz (TU Graz)
Bachelorstudium Umweltsystemwissenschaften / Naturwissenschaften-Technologie (USW NAWI-TECH)
ivannoSpam@milkywaste.eu