Curatorial Design: Ein Zwischenraum

Dan Perjovschi, Radical Museology, 2013 © Claire Bishop, Dan Perjovschi and Koenig Books London

Curatorial Design vereint zwei ausgeprägte Wirkungsfelder, das Kuratorische und das Design im Sinne des Architekturentwurfs, um ein Gebiet wechselseitiger produktiver Beeinflussung zu schaffen. Das Kuratorische bezeichnet dabei einen Zwischenraum, der keiner spezifischen Disziplin angehört, eine Praxis der Wissensproduktion durch Auswahl und neuartige Verknüpfung von bereits Bestehendem. Der auf das italienische disegno zurückgehende Begriff Design verweist andererseits auf ein Konzept der Architektur, das sich in der Renaissance herausbildete: In Abgrenzung zum Handwerker und Baumeister wurde der Architekt zum Entwerfer, zur autonomen Figur eines generalistischen Intellektuellen, verantwortlich für den Entwurfsprozess in allen Maßstäben.

Die heutige Architektur erlebt eine zunehmende Fragmentierung in spezialisierte Tätigkeiten, die der politisch-intellektuellen Wirksamkeit des Architekten zuwiderläuft. Angesichts dieser marktlogischen Professionalisierung, die mit wachsendem technischen Fortschritt zunehmend spezialisiertere Fachleute verlangt, stellt das Forschungsprojekt die Frage, wie der Architekt neue gesellschaftspolitische Relevanz an Stelle des verlorenen Sebstverständnisses als Generalist erreichen kann. Angesichts der tiefgreifenden

Veränderungen im benachbarten Feld der Kunst, in dem sich heute gegenläufig zur Architektur hochgradig entspezialisierte Praxen ausbilden, nimmt das Forschungsprojekt die kuratorische Praxis in den Blick: das Zusammenführen disparaten Wissens innerhalb komplexer Beziehungen, das das Kuratorische ausmacht, erscheint als Perspektive einer anderen Archtikturauffassung. Curatorial Design plädiert gegen das nostalgische Bild des generalistischen Intellektuellen und für eine Praxis der Wissenssammlung aus unterschiedlichen Bereichen als Nicht-Disziplin.

Das dreijährigen Projekt wird eine neue Forschungseinheit innerhalb des Instituts für Zeitgenössische Kunst (IZK) an der TU Graz aufbauen, um die Bedeutung und Folgen einer kuratorischen Entwurfspraxis zu untersuchen. Durch disziplinübergreifende Forschung und Diskussion wird die Grundlage dafür geschaffen, das kuratorische Denken in Bezug zur Architektur sowie kuratorische Entwurfsstrategien zu entwickeln.

 

Projektlaufzeit:
Oktober 2017 bis September 2020

Finanzierung:
Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF)
Programm für Kunst-basierte Forschung (PEEK)

Projektleitung:
Wilfired Kuehn, Architekt

Projektassistenz:
Anousheh Kehar, Architekt
Dejan Marković, Bildender Künstler

Projektpartner:
The Canadian Centre for Architecture (CCA) Montréal (CA)
NTU Centre for Contemporary Art Singapore (SG)

Haus der Kulturen der Welt, Berlin (DE)