26. Februar bis 06. März 2026
Objekt'26: "Bau eines Wasserrades mit einem Durchmesser von 3,5 m"

Handskizze und CAD-Rendering des Wasserrades
Jahr für Jahr werden im Rahmen der Lehrveranstaltung „Holzbaupraktikum 1“ über einen Zeitraum von zwei Wochen verschiedenste Projekte realisiert, die den Studenten das Zimmereihandwerk näherbringen sollen. Im Zuge dessen erproben sich interessierte Studenten, mit und ohne Vorerfahrung, im Umgang mit den diversen Holzbearbeitungsmaschinen, vertiefen ihr Verständnis für den natürlichen Werkstoff Holz und lernen den ein oder anderen hilfreichen Kniff aus der Zimmerpraxis kennen. Die Umsetzung dieses Praktikums ist dabei nur in engster Zusammenarbeit des Instituts für Holzbau und Holztechnologie mit der Landesberufsschule Murau und der steirischen Landesinnung für Holzbau möglich, welche dankbarer Weise die Kost und Loggie der Studenten übernimmt, während die Berufsschule mit ihren perfekt ausgestatten Werkstätten für eine wunderbare Arbeitsumgebung sorgt. Ein besonderer Dank kommt dabei jedes Jahr auch dem ortsansässigen Zimmerermeister Richard Schweiger zu, welcher mit großer Professionalität und Motivation die Leitung des Praktikums vor Ort übernimmt. Doch erst durch die tatkräftige Mithilfe der engagierten Studenten ist es alljährlich möglich, aus diesen guten Voraussetzungen auch ein gelungenes Projekt umzusetzen. Und so war es auch dieses Jahr, im Falle des Wasserrades.
„Wir haben ein Wasserrad gebaut und dabei den Umgang mit verschiedenen Maschinen kennengelernt. Besonders interessant war die praktische Arbeit mit Holz sowie die unterschiedlichen Bearbeitungs- und Verbindungstechniken. Insgesamt war es eine lehrreiche, aber auch lustige Zeit und ist aus meiner Sicht als wertvolle Ergänzung zum Studium absolut empfehlenswert.“
(Sami Matter, 6. Semester Bachelorstudium der Architektur)
Im Zuge der Umsetzung wurden mehrere Hundert einzelne Holzkomponenten hergestellt und verbaut, darunter ca. 300 hölzerne Schrauben aus Eiche, zahlreiche Felgen aus Lärche und natürlich die, zimmermannsmäßig verbundenen Rad-Arme, welche ebenso aus heimischer Lärche gefertigt wurden. Hinter der Ausführung dieses Projekts stecken natürlich nicht nur zahlreiche intensive und teils auch abendliche Arbeitsstunden in der Werkstätte, sondern auch eine genaue vorausgehende Planung und Vorbereitung, die von Prof. Schickhofer und dem studentischen Mitarbeiter Stefan Leiz, übernommen wurde.
Dazu ist noch zu erwähnen, dass der Bau eines Mühlrads viele Kenntnisse erfordert, welche heute beinahe in Vergessenheit geraten sind und nur durch zahlreiche Gespräche mit älteren Handwerkern und Zusammentragen zahlreicher Quellen, wieder gehoben werden konnten. An dieser Stelle sei daher auch noch ein herzlicher Dank an Ing. Klaus Seelos und Zimmerer Erwin Urdl vom Freilichtmuseum Stübing ausgesprochen, welche vorbehaltslos mit uns ihre Zeit und ihr Wissen teilten und ohne die wir in einige Fallen getappt wären. Und ebenso an Müllermeister Karl Hager vom Verein „Mühlenfreunde Österreichs, der vom Anfang bis zum Ende an unserer Seite stand und uns oft mit seiner Expertise und seinem unermüdlichen Einsatz weitergeholfen hat.
Im Folgenden möchten wir den Bauprozess in den wichtigsten Schritten kurz umreißen.
Begonnen wurde mit dem Zuschnitt der sogenannten „Felgen“, die versetzt miteinander verdübelt die „Radkränze“ links und rechts der Schaufeln bilden. Das Zusammenfügen der Teile erfolgte dabei auf einem „Radstuhl“, einer eigens für den Wasserradbau angefertigten Unterkonstruktion, welche Werktisch und Anreißwerkzeug in einem ist. Ein, in der Mitte des Radstuhls eingeschlagener Holzdübel ermöglicht das Anreißen und Fräsen der Innen- und Außenradien des Mühlrades.

Arbeiten am Radstuhl

Herstellen und Verbinden der Felgen mittels hölzerner Schrauben
Nach der Herstellung der beiden Radkränze in der ersten Arbeitswoche, wurden in der zweiten zunächst die 32 Schaufeln gefertigt, welche anschließend in die Radkränze mittels einer Nut eingelassen wurden.

Ausschneiden und -stemmen der Nuten für die Aufnahme der Schaufeln
Parallel dazu wurden die Radarme, die für die nötige Stabilität des Rades sorgen und der Aufnahme des Wellenbaums (der Achse des Rades) dienen, angefertigt.

Vorbereiten der Radarme für den Zusammenbau mittels einer Kombination verschiedener zimmermannsmäßiger Verbindungen
In einem wahren Fotofinish konnten anschließend alle Komponenten, inklusive des vernagelten Radbodens, kraftschlüssig miteinander verbunden werden.

Zusammensetzen der Schaufeln und Kränze und Vernageln des Bodens
So konnte nach einer beeindruckenden Zeit von lediglich 8 vollen Arbeitstagen, am Freitag der zweiten Woche eine gebührende Gleichenfeier ausgerichtet und das Rad an seinen zukünftigen Besitzer, den „Mühlenverein Oberpinzgau“ übergeben werden. Das Rad wurde wenige Tage danach verladen und an seinen Einbauort in Neukirchen am Großvenediger gebracht, wo es in Kürze in Betrieb genommen werden soll.

Nach getaner Arbeit kann sich auch eine kurze Erholung zugestanden werden - Mittlerweile ist das Rad bereits unbeschadet an seinem künftigen Bestimmungsort angekommen
Mit der Ankunft des Wasserrades an seinem Bestimmungsort, finden diese zwei arbeitsintensiven, aber nicht minder lustigen und lehrreichen Wochen ihren würdigen Abschluss. Und bei Betrachtung des fertigen Resultates, muss man sich eingestehen, dass eine gewisse Offenheit gegenüber vergangener Bautraditionen sowie eine Bereitschaft von diesen zu lernen, oft Ergebnisse mit einer heute selten gewordenen Kombination an ästhetischer und funktionaler Qualität zutage fördert.

Die stolzen Mühlradbauer mit Ihrem fertigen Werk - von links nach rechts: Paul Schickhofer, Hannes Peter, Alexander Drexel, Stefan Leiz, Martin Zwander, Sami Matter und Valentin Fensterseifer
(Credit: Sabrina Schnedl)
