On Love Afterwards

“On Love Afterwards”, 2025, installation view, Kunsthaus Graz © Simon Oberhofer

Das Kunsthaus Graz zeigte vom 27. Juni bis 12. Oktober 2025 die Einzelausstellung „On Love Afterwards“ von Milica Tomić. Diese unternahm den Versuch, Themen wie Verantwortung, Sichtbarkeit und Ungerechtigkeit durch Kunst zu öffnen und anzusprechen, indem sie ‚ausstellen‘ eher als Verb und nicht die Ausstellung als Subjekt verstand. Die künstlerische Praxis der Leiterin des Instituts für Zeitgenössische Kunst der TU Graz dreht sich um das Objekt, aber der Fokus liegt nicht auf dem Objekt selbst, sondern vielmehr auf dem negativen Raum, der es umgibt, jenem Raum, der das Objekt ermöglicht.

Aus diesem Grund hat Tomićs Werk komplexe Schichten, die sich vor den Betrachtenden entfalten. Wenn sie diese mit dem Porträt einer Frau konfrontiert, handelt es sich nie nur um die Darstellung der weiblichen Identität, sondern die Künstlerin legt politische und soziale Nuancen offen, die genau diese Identität konstruieren. Ähnlich setzt sie sich mit Bildern des Krieges auseinander: Sie erkennt an, dass ein Bild vom Krieg über die Darstellung hinausgeht, versucht die leere Fläche um das fehlende Bild auszufüllen, und fordert zum Nachdenken über die Produktions- und Konstruktionsbedingungen eines solchen Bildes auf.

In verschiedenen Medien entwickelt Tomić eine kollektive künstlerische Praxis und erprobt Formen der Zusammenarbeit: Sie ist Gründungsmitglied der jugoslawischen Kunst- und Theoriegruppe Grupa Spomenik (oder Monument Group) und Gründerin des interdisziplinären Projekts „Four Faces of Omarska“. Für die in Graz und auf der 13. Berlin Biennale präsentierte Installation Is There Anything in This World You Would Be Ready to Give Your Life For? stellte sie in Kooperation mit dem Institut für Architektur und Medien der TU Graz einen zentral im Raum hängenden Knoten mittels Keramik-3D-Druck und Mycelien-Kultivierung her. 

Die von Andreja Hribernik und Irena Borić kuratierte Ausstellung im Kunsthaus Graz bot einen Überblick über Projekte wie XY… Ungelöst – Reconstruction of the Crime (1997), I am Milica Tomić (1998), Portrait of MM (1999), Alone (2001), Reading Capital (2004), One Day, Instead of One Night, a Burst of Machine-Gun Fire Will Flash, If Light Cannot Come Otherwise (2009), The Final Letter “A” (2003/2010) oder CONTAINER. Index of War (2004–fortlaufend). Die Ausstellungsarchitektur kontextualisierte jedes Werk durch ein mit ihm verflochtenes Archiv und verortete es in einem investigativen, in seinem Hintergrund stattfindenden Prozess.

Andreja Hribernik, Irena Borić