Besessene Berge/Possessed Mountains

© Silvia Hödl

Menschen besitzen Berge. Berge werden von Menschen besessen. Welcher Fluch ist da am Werk? Irgendwo unterhalb der Weinebene, zwischen der Steiermark und Kärnten, befindet sich eine der größten Lithiumlagerstätten der Europäischen Union. Das Vorkommen wurde auf dem Höhepunkt des Atomzeitalters entdeckt: Bei der Suche nach Uran fanden GeologInnen das damals als wertlos geltende Lithium. Der „Traudl-Stollen“ und alle damit verbundenen Bergbaurechte wurden vor Jahrzehnten für einen „symbolischen Schilling“ privatisiert. Sie gehören heute dem amerikanisch-australischen Bergbauunternehmen Critical Metals. Dieses plant, das Leichtmetall in Kärnten abzubauen, in Saudi-Arabien weiterzuverarbeiten und als „Europäisches Lithium“ an BMW zu verkaufen. Ein juristisch, ideell und materiell ausgehöhlter Berg kann als Symbol für die Beziehung zwischen Mensch und Landschaft im späten Kapitalismus gelesen werden.

Im Herbst 2025 co-kuratierten Rose-Anne Gush und Philipp Sattler vom Institut für Zeitgenössische Kunst der TU Graz die Ausstellung „Besessene Berge/Possessed Mountains“ im Forum Stadtpark. Sie nahm das lokale Beispiel zum Anlass, um über das Verhältnis von Eigentum und Bergen in Zeiten planetarer und neokolonialer Extraktion zu reflektieren: Welche Mittel – symbolisch, juristisch oder materiell – und welche historischen Vorläufer nutzen Staaten und Unternehmen, um alpine Landschaften in Besitz zu nehmen? Und wie kann es gelingen, diese vom Fluch des Eigentums zu emanzipieren?

Mit Beiträgen von: Marwa Arsanios, Rose-Anne Gush, Fiston Mwanza Mujila, PARA, Philipp Sattler, Paulina Semkowicz u. a.

Rose-Anne Gush, Robin Klengel, Johanna Pichlbauer, Philipp Sattler