Eine Vielzahl an Forschungsunternehmungen an der Fakultät für Architektur wurde 2025 für ihre Leistungen geehrt: Das Institut für Tragwerksentwurf (ITE) und das Labor für Konstruktiven Ingenieurbau (LKI) der Technischen Universität Graz arbeiten im Projekt „Materialeffizient bauen mit Beton“ gemeinsam an innovativen Lösungen zur Materialeinsparung im Stahlbetonbau. Die anwendungsnahe, interdisziplinäre Kooperation wurde beim Houskapreis 2025 mit einem Anerkennungspreis in der Kategorie Hochschulforschung ausgezeichnet. Ihr Fokus liegt auf Tragwerken aus Stahlbeton für den Hochbau. Unter der Leitung von Stefan Peters und Andreas Trummer (ITE) sowie Bernhard Freytag (LKI) wurden Bauweisen und Fertigungsmethoden für Dächer, Decken und Fassaden entwickelt, die den Betonbedarf um 35 Prozent und den Verbrauch von Bewehrungsstahl um 20 Prozent senken. Dabei ermöglicht ein digital verstellbarer Formtisch zur Herstellung doppelt gekrümmter Schalungen und ein spezielles Beton-3D-Druck-Verfahren in Kombination mit einer patentierten Druckstrangbewehrung eine wirtschaftliche und effiziente Produktion von filigranen und emissionsärmeren Betonbauteilen in Dach und Fassade. Mit 3D-gedruckten, dünnwandigen Formkörpern aus Beton werden geometrisch optimierte Stahlbeton-Rippendecken bereits in der Praxis technisch und wirtschaftlich erfolgreich gebaut.
Nicolas Alaux erhielt für seine Doktorarbeit „Identification of Future Trajectories for Carbon Budget Compliant Buildings: An Austrian Perspective“ den Award of Excellence 2025. Das Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung würdigte die am Institut für Tragwerksentwurf – Nachhaltiges Bauen von Alexander Passer und Marcella Ruschi Mendes Saade betreute Arbeit mit einem der Staatspreise für die beste Dissertation. Alaux’ Forschung befasst sich mit der dringenden Herausforderung der Dekarbonisierung der gebauten Umwelt, die für etwa 37 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich ist. Sie untersucht, wie der österreichische Gebäudebestand seine Lebenszyklusemissionen zwischen 2023 und 2050 anpassen kann. Ein umfassendes Modell verbindet die dynamische Materialflussanalyse mit einer prospektiven Lebenszyklusbewertung für Bau, Betrieb und Abriss von Gebäuden und entwickelt evidenzbasierte Strategien für das Erreichen eines klimaneutralen Bausektors.
Ein weiterer Staatspreis ging an das Institut für Städtebau: Die Publikation Territorial Urbanism Now! wurde beim Wettbewerb „Die schönsten Bücher Österreichs“ vom Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport und dem Hauptverband des Österreichischen Buchhandels ausgezeichnet: „Durch geschickte Farbgebung, außergewöhnliche Produktionsmethoden und präzise Typografie differenziert und vereinheitlicht die Gestaltung des Buches gleichermaßen die reiche Materialsammlung und lädt die Leserschaft ein, sich mit offener Geisteshaltung in das Thema zu vertiefen.“ Territorial Urbanism Now! fordert einen Paradigmenwechsel in der Konzeption urbaner Transformation und ruft dazu auf, nachhaltige Systeme zu etablieren, um die Herausforderungen des Klimawandels gemeinsam zu bewältigen.
Elena Kulls und Andreas Nätschers Projekt „weit / über / unter // spannen“ wurde beim Österreichischen Stahlbaupreis für Studierende eine Anerkennung verliehen. Der innovative Entwurfsansatz für weit gespannte Tragwerke konzentriert sich auf ein filigranes Hallendach, das stützenfrei 30 Meter überspannt und beidseitig zwölf Meter auskragt. Durch eine Kombination aus kissenartiger Überspannung an den Stützen und kreuzförmiger Unterspannung in der Hallenmitte konnte der stählerne Trägerrost auf minimale Hohlprofile reduziert werden. Die Konstruktion ruht auf vier sich verzweigenden Stützen, die gleichmäßige Lastverteilung und integrierte Entwässerung ermöglichen. Die Jury lobte den beispielgebenden Umgang mit der Symbiose aus architektonischem Anspruch und ingenieurtechnischer Ausbildung.
Gleich zwei Auszeichnungen wurden Cornelia Ott überreicht: Das Forum Technik und Gesellschaft bedachte ihre von Milena Stavrić am Institut für Architektur und Medien betreute Masterarbeit „Biomaterial for Architectural Acoustics: Alginate-Based Foils and Matrices in Bio-Composites“ mit dem Preis „Ingenieurinnen gestalten“, die Arbeiterkammer Steiermark mit einem Forschungsförderpreis für die Untersuchung des Potenzials von Alginat, ein aus Braunalgen gewonnenes Biopolymer, als nachhaltige Alternative in der Architektur-Akustik. Die Fakultät für Architektur gratuliert allen PreisträgerInnen herzlich!
Moritz Müller