Johannes Bernsteiner

Johannes Bernsteiner (2025): Life and Death of Great City Highways: Shifting Paradigms in Urban Planning from a European and Asian Perspective, 1. Gutachterin: Aglaée Degros, 2. Gutachter: Maarten van Acker

„Life and Death of Great City Highways“ untersucht die Transformation städtischer Autobahnen im Spiegel stadtplanerischer Paradigmenwechsel des 21. Jahrhunderts. Galten sie einst als Symbole von Fortschritt, Geschwindigkeit und Modernisierung, verkörpern diese Infrastrukturen heute zunehmend räumliche Fragmentierung, ökologische Belastung und soziale Exklusion. Angesichts ökologischer Krisen, städtischer Verdichtung und gesellschaftlicher Polarisierung zielt die Frage nach ihrer Zukunft auch auf neue urbane Leitbilder. 

Theoretisch verortet sich die Dissertation zwischen der Akteur-Netzwerk-Theorie, Henri Lefebvres Raumtriade und Thomas S. Kuhns Paradigmenbegriff. Sie begreift städtische Infrastrukturen nicht als neutrale, sondern als sozio-technische Gebilde, die materielle, politische, kulturelle und symbolische Ordnungen verknüpfen. Das eigens entwickelte Modell der Paradigmen-Triade zieht sechs sich überlagernde Vektoren zur Analyse urbanen Wandels heran: kulturell, ökologisch, ökonomisch, mobil, politisch und räumlich. 

Methodisch kombiniert ein multi-skalares, vergleichendes Design qualitative Feldforschung, ExpertInneninterviews, fotografische Kartierung und diskursanalytische Verfahren. Vier Fallstudien bilden trotz abweichender kultureller Kontexte, politischer Systeme und planerischer Ansätze gemeinsam ab, wie Stadtstraßen zu Kristallisationspunkten sozial-technischer Aushandlungen werden: die Renaturierung des Catharijnesingel in Utrecht, die Umwandlung der Pariser Voies sur Berges, das Rückbauprojekt Cheonggyecheon in Seoul und die laufende Transformation der Tokioer KK Line. Sie eröffnen neue Perspektiven auf nachhaltige Stadtentwicklung, infrastrukturelle Gerechtigkeit und postautomobile Mobilität. Mit ihrem Beitrag zur kritischen Stadtforschung macht diese Arbeit praxisnah sichtbar, wie aus Relikten der Moderne Orte kollektiver Aneignung, ökologischer Reparatur und urbaner Erneuerung entstehen können.