Ernst Alexander Dengg (2025): Integritätsorientierte Konstruktion im Holzbau. Bauteilzentrierte Tektonik zur Sicherung der Unversehrtheit, der Kreislauffähigkeit und des Werterhalts, 1. Gutachter: Tom Kaden, 2. Gutachter: Ulrich Müller
Die Integrität beziehungsweise Unversehrtheit tragender Vollholzbauteile ist eine Grundvoraussetzung für kreislauffähige Gebäude. Die Entwicklung einer bauteilzentrierten Tektonik und Planungslogik ermöglicht eine hochwertige Weiter- und Wiederverwendung intakter Bauteile über mehrere Gebäudezyklen hinweg. Anstelle materialverbrauchender Konstruktions- und Fügetechniken wird der Schritt zu einer integritätsorientierten Tektonik konkret und planbar.
Methodisch umfasst die Untersuchung eine heuristische Aufarbeitung und Einführung des Unversehrtheitsbegriffs für die Weiternutzung sowie eine abschließende, variantenbasierte Vergleichsanalyse. Als Grundlagen dienen die CAD-gestützte Modellierung, nachvollziehbare Massenauszüge und Plausibilitätsprüfungen anhand von Literatur und Szenarien. Die Ergebnisse belegen, dass sich die Prinzipien des „Nicht-Schneidens“, „Überlappens“, „Versetzens“ und „Stülpens“ tektonisch ohne Sonderlösungen gut umsetzen lassen. Querschnitte bleiben erhalten, Versehrungen an rückgebauten Bauteilen werden minimiert und eine Wiederverwendung in voller Länge wird begünstigt. In Forst und Sägewerk erzeugte Bauteildimensionen werden entlang der Wertschöpfungskette über Produktionsphasen und Lebenszyklen hinweg gesichert. Anhand eines modellierten Achsfeldes konnte unter anderem nachgewiesen werden, dass über 90 Prozent des Volumens der Primär- und Sekundärkonstruktion geometrisch unversehrt als Schnittholz in Standardlänge rückgewonnen werden können. Aus der Ordnung der tektonischen Entwurfsprinzipien und dem Formulieren erster Grundlagen für eine praxisorientierte Bewertung können entscheidungsrelevante Prinzipien für PlanerInnen und Ausführende abgeleitet werden. Die Argumentation wird am Beispiel des Vollholzes entwickelt und im mitteleuropäischen Kontext demonstriert. Die Logik der Unversehrtheit ist jedoch auf weitere Materialien und Bauweisen übertragbar, sofern die Fügeprinzipien reversibel und schadarm sind. So wird eine Randbedingung zur gestaltenden Voraussetzung – und Bauteile werden zu langlebigen, wieder einsetzbaren Produkten.