Ena Kukić

Ena Kukić (2025): Memoryscapes of Post-Yugoslavia: Toward a Typology of Monumental Semiosis, 1. Gutachter: Andreas Lechner, 2. Gutachter: Vedad Islambegović, 3. Gutachter: Vladimir Kulić

Von den mittelalterlichen Stećci und den jugoslawischen Spomenici über kriegsgezeichnete urbane Fragmente bis hin zu zeitgenössischen Formen des Gedenkens untersucht diese Arbeit die räumlichen Dimensionen kollektiven Erinnerns im post-jugoslawischen Raum – und zeichnet dabei seine typologischen, geografischen und historischen Linien nach. Durch die Analyse intendierter wie nicht-intendierter Erinnerungsorte – solcher, die ausdrücklich für das Gedenken entworfen wurden, und solcher, die durch historische Traumata oder Transformation geprägt sind – entwickelt die Dissertation eine regionale Typologie von Memoryscapes: räumliche Formen, die Erinnerung durch materielle Präsenz, symbolische Persistenz und fortwährende Reinterpretation einschreiben.

Im Fokus stehen dabei nicht-intendierte Denkmäler als bedeutsame mnemotechnische Strukturen, die durch eine semiotische Perspektive – gestützt auf Charles Sanders Peirces Zeichentheorie – neu gerahmt werden. Diese Räume lassen sich insbesondere als indexikalische Zeichen verstehen: architektonische Formen, die auf Geschichten verweisen, für deren Repräsentation sie nicht geschaffen wurden, die sie jedoch weiterhin tragen. Methodisch verbindet die Arbeit in-situ-Analysen, historische und archivalische Forschung sowie diagrammatische Darstellungen – vor allem axonometrische Analysen –, um eine Vielzahl von Gedenkprojekten in der Region zu interpretieren und zu vergleichen. Drei Fallstudien werden dabei vertiefend untersucht: das Kulturzentrum KRAK in Bihać, die kriegsversehrten Wohnblöcke von Alipašino Polje in Sarajevo und der modulare K67-Kiosk.

Indem die Arbeit geteilte Strukturen des Erinnerns jenseits neuer nationaler Grenzen und umstrittener Identitäten sichtbar macht, positioniert sie die post-jugoslawische Gedächtnisarchitektur zugleich als Produkt von Fragmentierung wie als Ausdruck kultureller Kontinuität. Letztlich plädiert sie für ein inklusiveres Verständnis von Erinnerungsarchitektur als zentrale Akteurin in Prozessen von Übergangsjustiz und räumlicher Versöhnung – und eröffnet Modelle kollektiven Erinnerns, die über Monumentalität hinausgehen und ethnonationalen Spaltungen widerstehen.