Naš Dom - Parlamentsgebäude für Bosnien & Herzegowina

Tobias Gruber

Der Entwurf basiert in seiner elementaren Formensprache auf Quadrat und Kreis und folgt damit der langen Tradition architektonischer Symbolführung durch formale Reduktion und Abstraktion auf Grundelemente der Geometrie und ihrer dreidimensionalen Ausbildung, der Stereometrie. Die Struktur des Gebäudes baut sich auf einem vertikal und horizontal gleichmäßigen Raster auf. Dabei formuliert sie konkrete Bereiche aus, die sich einer geschichtlich bedingten Assoziation nicht widersetzen, sonder versuchen sie klar und dennoch zeitbezogen und nutzungsorientiert einzusetzen. In diesem Sinne artikuliert das Projekt seine Architektur als "öffentliches Wissen".
Der Sockel untermauert die Bedeutsamkeit der erhobenen, nicht erhabenen, Rolle der repräsentativen Istitution. Gleichsam beherbergt er unvermutete Nützlichkeit in Zentrum und Peripherie. Seine kreisförmige Ausformulierung öffnet sich der umgebenden Landschaft richtungslos und ohne Präferenz. Eine von Norden aufsteigende Rampe lotst den Wanderer zu vorgelagertem Portikus und in das Gebäude. Von den übrigen Himmelsrichtungen kommend bieten weite Öffnungen Eintritt in den Innenhof des Gebäudes und verlängern den Platz dabei in Richtung Zentrum und Kuppel. Der Bürokranz thront als funktionale Krone über dem Geschehen.
Eine weite Rotunde, die sich gleichsam nach außen Richtung Stadt, Land und Welt orientiert, dient gleichsam denm friedlichen Bedürfnis zu verweilen wie dem notwendigen politischen Affront als Bühne. Unter ihr vereinen sich Ober- und Unterhaus, in ihrere "amphitheatralen" Halbkreisform zu einem gemeinsamen Ganzen und werden  dabei lediglich durch einen Weg durchtrennt. Zwangsläufig wird den Abgeordneten, die in ihrer Schale sitzdend sich dem Zentrum zuwenden, somit die Beweglichkeit und Dynamik menschlicher Natur vor Augen geführt.

Die Dynamik der Bevölkerungsproteste im Frühjahr 2014 -  auch als "Bosnischer Frühling" bezeichnet - motivierte diese Arbeit zu einer grundsätzlichen Untersuchung der vielschichten bosnischen Vergangenheit unter historischen, staats- und gesellschaftstheoretischen sowie philosophischen Aspekten. Mit der Frage nach einer repräsentativen Demokratie wird die zweifache und damit immer auch politische Funktion von Architektur deutlich. Zeichen und Medium, Darstellung und Darstellungsrahmen, Präsenz und Repräsentanz, Besetzung und Leerstelle zugleich zu sein, verdeutlicht die unanfechtbare soziale und kulturelle Verantwortung von Architektur. Identität und Performativität sind aber nicht nur im unmittelbar politischen Kontext dieser Bauaufgabe für ein Parlamentsgebäude von zentraler Bedeutung, auch der Ort, bzw. die Transformation eines Ortes, einer Stadt duche einen architektonischen Eingriff weist auf eine besondere symbolische Setzung hin, die dieses Projekt bewusst an die gesellschaftliche Utopie von Bosniern und Herzegowina und damit in die nordbosnische Grenzstadt Brčko setzt.

Die Masterarbeit Naš Dom - Parlamentsgebäude für Bosnien & Herzegowina wurde vom Institut für Gebäudelehre (Andreas Lechner) betreut.