Umweltforschung und solares Wissen im Entwurf

© Konrad Frey

Seit Mitte der 1960er Jahre hat der österreichische Architekt Konrad Frey (*1934) Forschungen zur Nutzung der Sonnenenergie durchgeführt, sein Wissen in einer Reihe von Sonnenhausprototypen angewandt und 1972 das erste Solarhaus Österreichs entworfen. Der Leitgedanke in seinem Werk besteht darin, die Ideen der Moderne in Bezug auf regionale Gegebenheiten und nachhaltige Ressourcennutzung kritisch zu hinterfragen (wie z.B. Funktionalität und Flexibilität, environmental control versus well-tempered environment). Zu seinen Pionierarbeiten zählen u.a. Sundomes, suit-able Service-Module, Gewächshäuser, Infrastrukturanlagen, Sonnenhäuser (Haus Fischer am Grundlsee/Steiermark, Haus Zankel bei Genf) und die Solarhaus-Studien I–III. Die theoretischen Untersuchungen Freys am Grazer Institut für Umweltforschung und seine internationalen Kooperationen mit Theoretikern (CERN, Arup, TU Wien) sind weitgehend veröffentlicht (Handbuch für Energieberater, 1989) und führten zur Initiative der Österreichischen Energieberatung.Dennoch wurde Freys Werk bisher mit grundlegend anderen Ansätzen identifiziert, vor allem mit der Avantgarde der „Grazer Schule“, postmoderner Zeichensprache oder dem kritischem Regionalismus. Sein bedeutender Beitrag zum globalen Diskurs der Solararchitektur und Umweltforschung hingegen wurde bislang nicht wissenschaftlich untersucht.

Das geplante Forschungsprojekt wird diese Lücke schließen, um durch Auswertung unveröffentlichter Quellen sowie neuer Daten, Messungen und Neukonzeptionen der Energieeffizienz von Freys prototypischen Solarhäusern ein umfassendes Werkverzeichnis mit kritischen Kommentaren und eine digitale Datenbank zu erstellen (Teil 1). Weiters sollen wesentliche Narrative identifiziert und Freys Wissen im Entwurf analysiert werden, um eine intellektuelle Biographie zu verfassen, die sich mit Freys wissenschaftlichem Ansatz in der Architektur, seinem Bezug zur Moderne, der Ideengeschichte der Solarforschung und der Instrumentalisierung des Umweltdiskurses beschäftigt (Teil 2). Das Forschungsprojekt verbindet auf interdisziplinäre Weise geistes- und technikwissenschaftliche Methoden, konkret jene der Theorie und Geschichte der Architektur, der Kulturwissenschaften, der Techniksoziologie und der Bauphysik.

Das Forschungsprojekt wird zur Wissenserweiterung in den den genannten Gebieten beitragen und wesentliche Erkenntnisse über Freys Bedeutung im architektonischen Diskurs liefern. Das Hauptaugenmerk wird auf Freys Erkundung der Tragfähigkeit der Nutzung der Sonnenenergie liegen, seinen Solarhaus-Prototypen und der Förderung einer neuen Ressourcenpolitik. Die weiter reichenden Auswirkungen der erwarteten Ergebnisse beziehen sich auf die Gebiete der Humanökologie, der globalen Ressourcen-Kontrolle und der Umweltpolitik.

Projektlaufzeit:
2016 – 2019

Finanzierung:
Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF)

Projektleitung:
Anselm Wagner, Institut für Architekturtheorie, Kunst- und Kulturwissenschaften, TU Graz

Projektassistentinnen:
Ingrid Böck
Sophia Walk