wert/schätzen. Ein Haus als Exempel
Worin bestehen für uns Wert und Qualität eines Gebäudes? Wer schreibt einem Haus welche Bedeutung zu? Und wie kommt es zur (politischen) Entscheidung für Erhalt oder Abriss? Am aktuellen Beispiel eines 1937 errichteten modernen Wohnhauses wurden in der Projektübung kollektive und individuelle Prozesse der Auf- oder Entwertung, der Bedeutungszuschreibung und des Umgangs mit Bauten der Zwischenkriegszeit kritisch hinterfragt und die gesellschaftspolitischen Gründe dafür untersucht. Das Haus Albrecher-Leskoschek, entworfen von dem 1943 von den Nationalsozialisten ermordeten Grazer Architekten Herbert Eichholzer, steht für eine fragile Seite der heute als unmenschlich in Verruf geratenen architektonischen Moderne. Der Abriss des Gebäudes zur Erweiterung des LKH-Areals stand zum Zeitpunkt der Lehrveranstaltung unmittelbar bevor, inzwischen ist das Gebäude abgerissen.
Die Studierenden erkundeten das Haus mit seiner Geschichte und räumlichen Qualität, den Transformationen und der städtebaulichen Situation, dokumentierten es mit künstlerischen und fotografischen Methoden und gingen den Hintergründen der Nichtbeachtung und Wiederentdeckung, der symbolischen Aufladung sowie des Ein- und Ausblendens im öffentlichen Diskurs nach.