ENERGIE FÜR UNSER EUROPA

Die soeben beschlossene UN-Agenda 2030 for Sustainable Development sieht als 7. Ziel die Sicherstellung einer leistbaren, zuverlässigen, nachhaltigen und modernen Energie für alle vor und im 13. Ziel rasche Aktivitäten gegen den Klimawandel und dessen Auswirkungen.

Die nunmehr bereits 21. (!) Weltklimakonferenz verbunden mit dem bereits 11. (!) Treffen zum Kyoto-Protokoll des Jahres 1997 beabsichtigen Anfang Dezember 2015 in Paris, neue internationale Klimaschutz-Vereinbarungen zu verabschieden. Bis Anfang Oktober haben bereits 46 Staaten, die für 87% der weltweiten Treibhausgase verantwortlich sind, ihre Klimaziele festgelegt und gemeldet.

Auch der Vatikan hat vorab am 18. Juni 2015 die Enzyklika Laudato si’ vorgelegt, die sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Nachhaltigkeit befasst und deren Beiträge berücksichtigt werden sollen. Barack Obama veröffentlichte am 3.8.2015 einen neuen Klimaschutzplan zur Senkung der US-amerikanischen CO2-Emissionen. Er bezeichnete ihn als den „größten, bedeutendsten Schritt, den wir jemals gegen den Klimawandel unternommen haben”.

Die deutschen Regierungsparteien beschlossen am 1. Juli 2015 Eckpunkte für eine erfolgreiche Umsetzung der Energiewende. Damit sind ganz wesentliche Aufgaben vorgegeben. Der Strommarkt 2.0 soll mehr Wettbewerb und vor allem mehr Innovationen bewirken. Dabei kommt der Entwicklung von Flexibilitätsoptionen auf der Erzeuger- und der Nachfrageseite besondere Bedeutung zu, um den wetterbedingten Schwankungen der Erneuerbaren Energien und den Nachfrageschwankungen besser gerecht werden zu können. Flexible Kraftwerke, Speicher, Lastmanagement und auch der europäische Stromhandel sollen dazu beitragen. Kapazitätsmechanismen wie Kapazitätsreserve und Kapazitätsmärkte sind anzudenken. Vor allem sind auch die Übertragungsnetze umweltverträglich auszubauen, um bestehende Netzengpässe zu beseitigen und zukunftsorientierte Netzstrukturen zu schaffen. Die Kraft-Wärme-Kopplung soll forciert werden; der Stromsektor soll einen wesentlichen Beitrag zur Minderung der CO2-Emissionen leisten.

Neben den hier angeführten Bereichen wird künftig besonderer Wert auf den Energieverbrauch der Wirtschaft und der Bereiche Bauen und Wohnen sowie Verkehr zu legen sein.

Zwei Jahrzehnte nach dem Beschluss für einen einheitlichen EU-Elektrizitätsbinnenmarkt sind wir nicht wirklich viel weiter gekommen. Auch den mit dem grundlegenden Weißbuch für Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung 1993 intendierten „innovativsten Wirtschaftsraum der Erde“ haben wir bisher nicht erreicht.

Angesichts dieser weltweiten Beschlüsse sind wir – und gerade wir Europäer – aufgerufen, mit all unserem Engagement, unseren Begabungen und Kreativität konkrete Beiträge für einen Neu-Aufbruch und gedeihliche Entwicklung zu leisten. Es geht nicht um die Errichtung von Zäunen („Stromzäune für Europa“), sondern darum, das Gemeinsame über das Trennende zu stellen: „Energie für unser Europa“ – und unsere Welt – muss unser Ziel sein. 

Kontakt
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Assoc.Prof. Udo Bachhiesl

Institut für Elektrizitätswirtschaft und Energieinnovation
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