Die Bauwirtschaft steht vor der Herausforderung eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft zu etablieren. Dies setzt ein grundlegendes Verständnis der Materialpotenziale voraus, welche im Gebäudebestand vorhanden sind. Die Zusammensetzung, Mengen und Standorte gebundener Baustoffe sind jedoch nicht ausreichend bekannt oder zugänglich. Das einjährige Sondierungsprojekt "Urban Mining Screener" entsteht in der Kooperation zwischen dem Start-Up Revitalyze und dem IAT (Matthias Lang-Raudaschl und Saša Ritonja) und bietet hier einen vielversprechenden Ansatz. Die Entwicklung eines Werkzeugs, welches die systematische Erfassung und Analyse von Materialressourcen im Gebäudebestand ermöglicht.
Hierzu erfolgt eine digitale Erfassung von verbauten Baumaterialien wie Beton, Ziegel und Holz. Dies basiert auf öffentlich zugänglichen und durch Unternehmen zur Verfügung gestellten Datenbanken. Diese werden in Regelsätze bzw. Gleichungen übersetzt, um mithilfe von Parametern wie Gebäudetypologie, Baujahr, Geschossanzahl und weiteren Kriterien, die Gebäudezusammensetzung effizient abschätzen zu können. Diese Methode zielt auf eine schnelle Schätzung ab und dient als Vorstufe, oder Alternative, zu aufwendigeren, detaillierten Verfahren.
Besonders relevant ist der UMS für Rückbauunternehmen, Baustoffhersteller und Stadtplaner*innen, die den Einsatz von Sekundärrohstoffen verfolgen. Das Potential einer zukünftigen Integration in bestehende digitale Werkzeuge wie Building Information Modeling (BIM) eröffnet die Möglichkeit, durch eine frühzeitige Identifikation von potentiell verfügbaren Ressourcen, Bauprojekte im Sinne eine Kreislaufwirtschaft effizient zu planen um zu einer optimierten und nachhaltigeren Gestaltung beizutragen.
Mit dem UMS wird eine Grundlage geschaffen, um den Gebäudebestand als Ressourcendepot zu betrachten, diese Ressourcen systematisch abzuschätzen und deren Potenziale für die Wiederverwendung sichtbar zu machen. Dies ist ein entscheidender Schritt, um die Abhängigkeit von Primärrohstoffen zu reduzieren, und damit die Erreichung der Klimaziele und der Kreislaufwirtschaft im Bauwesen zu unterstützen.
Projektlaufzeit: Oktober 2024 – Januar 2026
Finanzierung: Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG)
Projektteam: Matthias Lang-Raudaschl, Saša Ritonja, Marisol Vidal Martinez, Rebekka Hiemesch,
Projektpartnerinnen: FlexCo: David Plaseller und Michael Streif
Open-source-software: Hier klicken (Github)