Vortrag "Bodyshaping, Self-Care und Empowerment – trans, nicht-binäre und genderqueere Perspektiven im Kraftsport" von Jannis Ruhnau (er/ihm) von der Universität Bielefeld
Kraftsport kann für trans, nicht-binäre und genderqueere Menschen eine geschlechtsbestärkende Praxis darstellen, da sie durch gezieltes Widerstandstraining Muskeln aufbaut und körperformend wirkt. Gleichzeitig ist die Ausübung jedoch auch mit Barrieren verbunden. Anhand von Interviewmaterial aus der eigenen Forschung bietet der Vortrag Einblicke in konkrete Erfahrungen von trans, nicht-binären und genderqueeren Menschen, die Kraftsport betreiben. Neben einer kurzen Thematisierung von Herausforderungen – etwa hinsichtlich des Trainings in Fitnessstudios – fokussiert der Vortrag insbesondere den positiven Einfluss von Kraftsport auf die Herausbildung und Aufrechterhaltung der eigenen geschlechtlichen Identität in einer Gesellschaft, die von Transfeindlichkeit geprägt ist. Drei zentrale Aspekte, die die Verknüpfung von Körpererfahrungen und Kraftsport zeigen, stehen dabei im Zentrum:
- Bodyshaping durch Disziplin,
- Self-Care durch achtsame Körperwahrnehmung,
- Empowerment gegen Cis-Heteronormativität und Diskriminierungserfahrungen.
In den unterschiedlichen Verknüpfungspunkten zeigt sich, wie Kraftsport dabei unterstützen kann, geschlechtliche Selbstbestimmung Diskriminierungs- und Marginalisierungserfahrungen zum Trotz zu leben. Ziel des Vortrags ist es, die Bedeutsamkeit von (Kraft-)Sport in den Leben trans, nicht-binärer und genderqueerer Menschen herauszustellen und Anregungen für die Gestaltung geschlechter- und diskriminierungssensibler Sporträume herauszuarbeiten.
Informationen zum Referenten:
Jannis Ruhnau ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Arbeitsbereich für Geschlechtersoziologie an der Universität Bielefeld und Kollegiat am Graduiertenkolleg "Geschlecht als Erfahrung". In seiner Dissertation forscht er zu verkörperten Subjektivierungsprozessen von trans und nicht-binären Menschen, die Kraftsport betreiben. Er ist Autor der Broschüre "Teilhabe von trans* und nicht-binären Menschen am Sport", die 2022 von der Landeskoordination Netzwerk Geschlechtliche Vielfalt Trans* NRW veröffentlicht wurde.