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… Rückkehr an die Universität

Josip Bozic fasste 2011 den Entschluss, sich nach einigen Jahren Berufsalltag noch einmal ins Studium zu stürzen. Und dafür zog es den gebürtigen Kroaten etwas weiter nördlich an die TU Graz.

Josip Bozic bei einer Dienstreise nach San Francisco.

Montag, 14. Februar 2011, 5 Uhr morgens. Es ist kaum ein halbes Jahr her, dass ich mich nach langen Überlegungen entschlossen hatte, noch einmal ins Universitätsleben einzutauchen. Jetzt, nur ein paar Tage nach dem Abschied vom ehemaligen Arbeitgeber, stieg ich an jenem kalten Wintermorgen ins Auto und zog in eine unbekannte Stadt, in ein anderes Land, um dort einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Nach ein paar Stunden Fahrt und der Ankunft in Graz wurde der erste Eindruck von der TU Graz durch das imposante Gebäude der Alten Technik in der Rechbauerstraße durchaus positiv geprägt. Die Inskription erfolgte recht glimpflich und nach kurzer Zeit wurde ich offiziell wieder zu dem, was ich schon einmal war - ein Student. Jedoch mit dem Unterschied, dass ich diesmal die Betreuungszusage von meinem zukünftigen Doktorvater in den Händen hielt. Den typischen Lebensabschnitt des Studenten, geprägt durch all seine kleinen Genüsse und großen Enthaltsamkeiten, sollte es diesmal aber nicht mehr geben. 

Doch das, was dann begann, sollte in persönlicher als auch professioneller Hinsicht in eine, für mich damals vollkommen unvorstellbare Richtung führen.

Ein neues Kapitel

Obwohl die Vorstellung, wie der neue-alte Zustand genau aussehen sollte, immer noch recht verschwommen war, entschloss ich mich, mein bisheriges Leben, die vertrauten Menschen und Orten hinter mir zu lassen und ein neues Kapitel aufzuschlagen. Doch das, was dann begann, sollte in persönlicher als auch professioneller Hinsicht in eine, für mich damals vollkommen unvorstellbare Richtung führen. 

Dienstreise nach San Francisco. © Josip Bozic

Relativ kurz nach Beginn kam die erste große Überraschung: Die Aussicht auf eine 40-Stunden-Arbeitsstelle als Projektmitarbeiter am Institut für Softwaretechnologie. Das ganze noch mitsamt einem - für eine, an kroatische Verhältnisse gewohnte Person - recht hohen Gehalt. Die Vorstellung, dass man für die persönliche Weiterbildung in einem regulären Dienstverhältnis stehen kann und bezahlt wird, war dann fast zu gut, um wahr zu sein. 

Nach der Anstellung verlief die Arbeit - typisch für diese Art von Job - nicht ohne Hürden und anfängliche Orientierungslosigkeit.

Nach der Anstellung verlief die Arbeit - typisch für diese Art von Job - nicht ohne Hürden und anfängliche Orientierungslosigkeit. Man musste sich einem bestimmten Thema im Bereich der Informatik widmen und in diesem Rahmen forschen. Das Resultat sollte ein neuartiger Lösungs- oder Ergänzungsansatz sein, dessen evaluierte Ergebnisse dann als Publikationen zusammengefasst, veröffentlicht und an einem bestimmten Ort elaboriert werden. Was bereits die zweite große Überraschung darstellte: Ich wurde weltweit zu diversen Tagungen in Form von Workshops und Konferenzen verpflichtet. Abgesehen davon, dass sich so die Möglichkeit bietet, Menschen aus der ganzen Welt zu treffen, die an gleichartigen Themen arbeiten, wird damit nebenbei auch der Traum eines jeden Reiseenthusiasten Wirklichkeit. Man wird „gezwungen“, die Welt zu bereisen! Der große professionelle Vorteil ist, dass die präsentierten Arbeiten den gegenwärtigen state-of-the-art eines Themenbereiches darstellen, mit dem man den eigenen Arbeitsstand vergleichen kann. Die Autoren dieser Arbeiten - diverses Personal aus dem akademischen und industriellen Bereich - sind dann auch an Ort und Stelle anwesend. Bestenfalls werden Kontakte geknüpft, nicht nur um die Qualität der eigenen Arbeit zu gewährleisten, sondern auch, um die Grundlage für eine zukünftige Kooperation zu bilden. 

Erste Tagung in Paris. © Josip Bozic

Die Wahl des Tagungsortes für die erste eigene Publikation fiel bei mir auf die Stadt der Lichter, Paris. Es wurde zur Angewohnheit, dass ich bei solchen professionellen Auslandsaufenthalten ein paar Urlaubstage für private Zwecke an den Workshop oder die Konferenz anhängte. Über die Jahre folgten andere Aufenthalte an Orten wie San Francisco, Cleveland, Porto, Madrid und Vancouver sowie einige „kleinere“ Orte in Österreich. 

Begegnung mit kulturellen Unterschieden

Interessanterweise spielten kulturelle Einflüsse immer eine gewisse Rolle bei solchen Ereignissen, trotz deren internationalem Charakter sowie Objektivität der Thematik. Auf diese persönlichen Eindrücke würde ich gerne ein wenig eingehen. Vorurteile spielen bei Begegnungen mit Menschen aus anderen Kulturen sicher eine - meistens ungewollte oder unbewusste - Rolle. Unsere menschliche Urteilsbildung geht oftmals mit einer Informationsfilterung der Außenwelt einher, sprich, man will sich die Meinung über etwas teils Unüberschaubares aus möglichst wenigen gemeinsamen Attributen dieser Erscheinung bilden. Trotz persönlicher, bewusster Abneigung gegen diesen Mechanismus muss ich aber trotzdem zugeben, dass bestimmte angenommene Verhaltensmuster (um sich vom negativen Unterton des Begriffes des Vorurteils zu distanzieren) bei jeder Reise oft anzutreffen sind. Dennoch, es ist die eigene Erfahrung, die im Nachhinein einen wirklichen emotionalen Eindruck hinterlässt.

Aufenthalt in Vancouver. © Josip Bozic

Reise nach Hyderabad

Ich möchte kurz die Erfahrung von meiner bisher eindrucksvollsten Reise nachvollziehen - jener in Hyderabad, Indien, im Mai/Juni 2014. Hyderabad, eine Metropole mit fast sieben Millionen Einwohnerinnen und Einwohner, ist, wie der Rest des Landes, reich an Geschichte und eines der Zentren der indischen IT-Industrie. Die Stadt war mir noch ein Jahr vor Beginn der Konferenztagung völlig unbekannt. 

In Hyderabad. © Josip Bozic

Vor der Abreise musste ich mich noch entsprechend gegen Typhus und Hepatitis impfen lassen -  anderenorts wäre das nicht notwendig gewesen. Wahrscheinlich sind es Gründe wie dieser, weshalb das Land als Reiseziel von vielen Europäern leider gemieden wird. Ansonsten war der Aufenthalt in Indien von der großen Herzlichkeit einer zwar traditionellen aber auch kosmopolitischen Kultur geprägt, von einer sowohl politisch als auch religiös pluralistischen Gesellschaft anstelle einer exklusiven Nationalkultur und einer Welt, die in ihrer Gesamtheit teils ganz unterschiedliche Charakteristiken aufweist als die europäisch-nordamerikanische, aber dennoch zu funktionieren scheint. Wie bereits oben erwähnt, ist es die eigene Erfahrung, die jemanden die empirischen Grenzen erweitern lässt und positive Eindrücke hinterlässt. Die Ermöglichung solcher Begegnungen würde ich - abgesehen von der professionellen Dimension - als eines der größten Angebote der TU Graz bezeichnen.  

Die Ermöglichung solcher Begegnungen würde ich - abgesehen von der professionellen Dimension - als eines der größten Angebote der TU Graz bezeichnen.

Trotz der aufgezählten schönen Seiten sollte man dennoch nicht außer Acht lassen, dass dieser Job unter Umständen eine doch belastende Arbeit sein kann. Deadlines und höher gesetzte Ziele fordern manchmal viel Zeit und erzeugen Stress, welchem die 40-Stunden-Arbeitswoche sowie arbeitsfreie Wochenenden sofort zum Opfer fallen. Ebenso kann die Enttäuschung über die Ablehnung einer Publikation eine monatelange Arbeit ohne Sinn erscheinen lassen, was etwas deprimierend sein kann.  

Doch erst einmal am Ziel angelangt, stehen einem die Tore zur ganzen Welt offen. Diese Freiheit werde ich mir niemals nehmen lassen. 

Information

Josip Bozic beschäftigt sich als Projektmitarbeiter seit 2011 mit Sicherheitsaspekten von Webanwendungen und von Netzwerkprotokollen am TU Graz-Institut für Softwaretechnologie. Der heute 32-Jährige wurde im ehemaligen Jugoslawien geboren, verbrachte seine Schulzeit im süddeutschen Augsburg und der ostkroatischen Stadt Osijek. Nach seinem Studium an der Fakultät für Organisation und Informatik an der Universität von Zagreb, zog es ihn nach einigen Jahren im Berufsleben zurück an die Universität. An der TU Graz hat er gerade sein Doktoratsstudium abgeschlossen und wird als Postdoc in Graz bleiben.

Kontakt

Josip BOZIC
Dipl. inf.
Institut für Softwaretechnologie
TU Graz
Inffeldgasse 16b/II, 8010 Graz
Tel.: +43 316 873 5738
E-Mail: jbozic@ist.tugraz.at