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„Mind_the Gap“: Preise für Chancengleichheit

Es geht um die Situation von Informatikstudentinnen, die Sichtbarkeit von Wissenschafterinnen, individualisierte Knochenimplantate und mehr – in den Projekten, die die TU Graz kürzlich mit Preisen für Gender und Diversität ausgezeichnet hat.

Mit Preisen für Gender und Diversität zeichnete die TU Graz Mitarbeitende und Studierende aus, die die menschliche Vielfalt in Abschlussarbeiten, Forschung oder Lehre in den Mittelpunkt stellen.

Wenn der Mensch in Technik und Naturwissenschaften im Mittelpunkt steht, ändert sich der Blickwinkel. Das zeigen eindrucksvoll die Einreichungen, die kürzlich mit den „Mind_the Gap“-Preisen der TU Graz prämiert wurden. Dotiert sind die Diversitätspreise mit 750 Euro für Einreichungen von Einzelpersonen und mit insgesamt maximal 1.500 Euro für Teameinreichungen, abhängig von der Personenzahl. Wie jedes Jahr überrascht die Vielfalt der ausgezeichneten Publikationen und Projekte

Für ihre Arbeiten mit einem „Mind_the Gap“-Preis ausgezeichnet werden jährlich Teams oder Einzelpersonen in den Kategorien „Wissenschaftliche Abschlussarbeiten“, „Forschungsprojekt“, „Konferenzbeitrag, Vortrag, Publikation“ sowie „Dissertationen“. Auch Lehrinhalte oder –methoden, Weiterbildungen und nichtwissenschaftliche Projekte werden akzeptiert. Details dazu finden Sie auf der Mind_the Gap“-Webseite.

Weibliche Studierende in der Informatik

Was getan werden müsste, damit mehr junge Frauen Informatik studieren und das Studium auch beenden, diese Frage stellte Anna Napetschnig in ihrer Masterarbeit. Dazu untersuchte sie Fördermaßnahmen an österreichischen Hochschulen und befragte Studentinnen der TU Graz, um daraus Empfehlungen abzuleiten.

Frauen im Wissenschaftsbetrieb

Jasmin Grosinger, Forscherin am Institut für Hochfrequenztechnik der TU Graz, publizierte im Fachjournal „IEEE Microwave Magazine“ ein Konferenzformat, das fachlich exzellente Wissenschafterinnen aus aller Welt sichtbar macht – um der Verzerrung ihrer Repräsentanz in den Zitationslisten des Wissenschaftsbetriebs entgegenzuwirken.

Unfallverletzungen beim Radfahren und zu Fuß

Vergleichende Analysen von Unfallverletzungen von Radfahrer*innen und Fußgeher*innen bei Unfällen mit Autos führten Christoph Leo, Corina Klug und Ernst Tomasch vom Institut für Fahrzeugsicherheit im Rahmen des Horizon Europe Forschungsprojekts „VIRTUAL“ in drei Ländern durch. Die Erkenntnis, dass Alter und Geschlecht bei der Art der Verletzungen eine Rolle spielen, dient der Entwicklung neuer Sicherheitssysteme in Bezug auf ungeschützte Verkehrsteilnehmende und der Ausgestaltung virtueller Menschenmodelle.

Materialien und Referenzprojekte in der Architekturausbildung

Geschlechtergleichstellung und -gerechtigkeit in der Architekturausbildung ist das Ziel der neu gegründeten Initiative „Gender Taskforce“ am Institut für Grundlagen der Konstruktion und des Entwerfens (KOEN) der TU Graz. Dahinter stehen Ena Kukic, Petra Petersson, Anna Sachsenhofer und Budour Khalil, ein Team aus Lehrenden und Studierenden. In einem Projekt analysierten und aktualisierten sie Lehrmaterialien und Referenzprojekte auf Basis der Merkmale Geschlecht und ethnischer Hintergrund und stellten die Ergebnisse in einem Fakultätsworkshop vor.

Individualisierte Knochen-Implantate

Um Knochen-Implantate möglichst gut an die besonderen Bedürfnisse von Patient*innen anzupassen, entwickelten Forschende von TU Graz und Med Uni Graz eine Methodik, um computergestützt individuelle Implantat-Modelle zu erstellen – unter Berücksichtigung zahlreicher Diversitätsaspekte. Alexander Kreis, Mario Hirz, Bernhard Walzel und Ute Schäfer stellten das FFG-Projekt in einem Konferenzbeitrag vor.

Die TU Graz fördert mit zahlreichen Angeboten eine Kultur der Vielfalt und Wertschätzung. Auf der TU Graz-Webseite finden Sie weitere Informationen zur Diversität an der TU Graz.


Mind_the Gap – Siegerprojekte 2021

Masterarbeit Frauen@TUG - DO IT!

Erfolgreiche Ansätze zur Verbesserung der qualitativen und quantitativen Situation von Studentinnen der Informatik am Bespiel der TU Graz“
von Anna Napetschnig
im Fach Interdisziplinäre Geschlechterstudien (betreut durch ao. Professorin Christine Wächter von der STS Unit), Studentin im Fach Advanced Material Sciences an der TU Graz

Kategorie: Masterarbeit
Preisgeld: 750,- Euro

Inhalt: Anna Napetschnig hat in ihrer Masterarbeit „Frauen@TUG - DO IT“ einen Maßnahmenkatalog zur qualitativen und quantitativen Verbesserung der Situation von Informatikstudentinnen an der TU Graz erarbeitet. Der erste Teil der Arbeit ist eine Bestandsaufnahme von Projekten zur Förderung des weiblichen Informatik-Nachwuchses an der TU Graz und an vergleichbaren Hochschulen. Der zweite Teil besteht aus qualitativen und quantitativen Befragungen von TU Graz Studentinnen zu diesen Maßnahmen. Daraus resultiert der Maßnahmenkatalog mit einzelnen Empfehlungen für die TU Graz, die das Potential haben den Anteil der Informatikstudentinnen zu erhöhen und den Drop Out zu verringern.

Publikation „Distinguished Women in Microwaves

im Fachjournal „IEEE Microwave Magazine“, Volume 22
von Jasmin Grosinger, Institut für Hochfrequenztechnik
(auch Absolventin des Pilotlehrgangs zu Gender- und Diversitätskompetenzen für Wissenschafter*innen an der TU Graz)

Kategorie: Publikation
Preisgeld: 750,- Euro

Inhalt: In dem Artikel stellt Jasmin Grosinger ein Konferenzformat vor, dass sie für Women in Microwaves (WiM) im Rahmen der IEEE Radio & Wireless Week 2021 erstmals konzipiert und umgesetzt hat. Es geht darum ausgewählte fachlich exzellente Wissenschafterinnen aus aller Welt sichtbar zu machen und auch dazu beizutragen, dass dem sogenannten „Zitier-Bias“ etwas entgegengesetzt wird. Das Format mit dem Titel „Distingued Women in Mircorwaves“ wird von Frau Grosinger auch für die IEEE Radio & Wireless Konferenz 2022 organisiert. Die Idee zu dem Format kam Frau Grosinger im Rahmen des Lehrgangs „Gender- und Diversitätskompetenzen für Wissenschafter*innen“, den sie 2019/2020 absolvierte.  

Publikation „Are here any significant differences in terms of age and sex in pedestrian and cyclist accidents?”

von Christoph Leo, Corina Klug und Ernst Tomasch, Institut für Fahrzeugsicherheit

Kategorie: Publikation
Preisgeld: Euro 1.125,- (Euro 375,- / Person)

Inhalt: Für VIRTUAL, ein Horizon Europe Forschungsprojekt, wurden in drei Ländern vergleichende Analysen von Unfallverletzungen von Radfahrer*innen und Fußgeher*innen bei Zusammenstößen mit Autos gemacht. Es wurden bei den Verletzungen Unterschiede in Bezug auf das biologische Geschlecht und das Alter ausfindig gemacht, länderspezifische Unterschiede festgestellt und Unterschiede in Bezug auf Stadt und Land. Die Ergebnisse sind relevant für die Entwicklung neuer Sicherheitssysteme für Fahrzeuge in Bezug auf ungeschützte Verkehrsteilnehmende und zur Gestaltung virtueller Menschmodelle. Sie wurden vom genannten Team an der TU Graz gemeinsam mit Kolleg*innen aus Schweden und den Niederlanden im Bioengineering and Biotechnologie Journal auf der Plattform Frontiers publiziert. 

Initiative „Gender Taskforce“ (Arbeitsgruppe und 1. Workshop)

vom Team Ena Kukic, Petra Petersson, Anna Sachsenhofer und Budour Khalil, Institut Grundlagen der Konstruktion und des Entwerfens

Kategorie: Andere - Taskforce & Workshop
Preisgeld: Euro 1.500,- (EUR 375,-/Person)

Inhalt: Die Gender Taskforce ist eine interne Arbeitsgruppe des KOEN-Instituts, die sich für die Geschlechtergleichstellung und -gerechtigkeit inder Architekturausbildung einsetzt. Das Team, bestehend aus vier Frauen unterschiedlicher Herkunft und akademischem Status, identifizierte durch eine Analyse der Lehrmaterialien am Institut anhand der Diversitätsaspekte Geschlecht, Ethnischer Hintergrund, Akademische Karrierestufe fehlende Referenzprojekte von Architektinnen. Nur 4,2 Prozent der Beispiele stammen von Frauen bei einem Studentinnenanteil von über 50 Prozent. Zur Aktualisierung der Lehrmaterialien wurde eine Strategie basierend auf dem bewährten Ansatz der KTH Universität in Stockholm entwickelt und implementiert. Diese wurde bei einem Workshop vorgestellt, zu dem Kolleg*innen der ganzen Fakultät eingeladen wurden, um auch dort ähnliche Initiativen zu initiieren.  

Konferenzbeitrag “Onsite Medical Implants Creation by Combination of Enhanced Design Methods and 3 D Printing

von Alexander Kreis, Mario Hirz, Bernhard Walzel, Ute Schäfer, Institut für Fahrzeugtechnik und Med Uni Graz

Kategorie: Publikation
Preisgeld: 1.500,- Euro 375,-/ Person

Inhalt: Im Rahmen eines FFG Forschungsprojektes wurde eine Methodik zur Erstellung individueller, computergestützter Modelle von Knochen-Implantaten entwickelt. Diese Implantate werden im 3D-Druckverfahren hergestellt und sind den spezifischen Bedürfnissen der Patient*innen angepasst. Der in dem Konferenzbeitrag vorgestellte Ansatz berücksichtigt neben den medizinischen Anforderungen und technischen Details im Besonderen auch zahlreiche Diversitätsaspekte, um die Anwendbarkeit für alle Patient*inengruppen sicherzustellen. Durch die Personalisierung bzw. Individualisierung der Implantate werden bestehende Biases, die sich auch Normimplantanten ergeben, aufgehoben. Der kostengünstige Einsatz auch in entlegenen Regionen begünstigt zusätzlich die Sozialverträglichkeit des Verfahrens.

Kontakt

Armanda PILINGER
TU Graz | Büro für Gleichstellung und Frauenförderung
Rechbauerstraße 12/I
8010 Graz
Tel.: +43 316 873 6090
a.pilingernoSpam@tugraz.at