Laufende Dissertationen

Spatial Justice within Strategic Metropolitan Planning.

An analysis of ideas, actor constellations, and spatial planning projects.

Nicole Kirchberger, Mag. Arch. MSc., Institute of Urbanism TU Graz

Das Streben nach Gerechtigkeit steht im Mittelpunkt der strategischen Planung vieler Städte und Regionen. Oft ist jedoch unklar, wie Gerechtigkeit mit der Raumplanung realisiert werden kann. Im Rahmen meiner Doktorarbeit möchte ich nicht nur analysieren, wie Gerechtigkeit diskursiv konstruiert, sondern auch in strategischen Großstadtplanungsprojekten umgesetzt wird. Der Inhalt der Dissertation umfasst die Ausarbeitung des methodischen Rahmens, eine theoretische Einbettung des Themas, eine vertiefende Fallstudie (Amsterdam Metropolitan Area) zur Veranschaulichung des Themas sowie eine Sammlung von Beispielen interessanter Praktiken.Aus räumlicher Perspektive betrachtet, kann Raum als materielle Konfigurationen konzeptualisiert werden, die ständig sozial produziert und verhandelt werden. Planungspraktiken, die auf Gerechtigkeit abzielen, versuchen im Raum eingeschriebene Hierarchien und Ungleichheiten aufzuzeigen und auszugleichen. Innerhalb der Planung bietet das Konzept der (räumlichen) Gerechtigkeit Möglichkeiten für politisches Handeln (Harvey 1973, Soja 2010, Fainstein 2010).Die metropolitane Ebene, ein entscheidender Maßstab für Gerechtigkeitsfragen (z. B. öffentliche Räume, Transportkapital ...), wird von informellen Governance-Regelungen dominiert, die die demokratische Planung nicht unbedingt verbessern (Allmendinger und Haughton 2010). Bei Verhandlungen und Entscheidungen auf der Ebene der Metropolregionen kommen (meist) demokratisch nicht legitimierte Kooperationen zustande, die zu intransparenten politischen Prozessen führen. Sehr wenige Fälle zeigen unterschiedliche Regierungsformen, die demokratischere Prozesse ermöglichen.Der vorgeschlagene methodische Rahmen kombiniert die Überprüfung sowohl der Ebene der Ideen (der Gerechtigkeit) in der Planung als auch der Ebene der Akteurskonstellationen und institutionellen Settings. Zusätzlich ist diese Untersuchung eingebettet in eine Analyse des Planungskontexts und einer soziodemographischen Analyse des gewählten Metropolraums. Dazu gehören insbesondere Diskursanalysen zu strategischen Visionen und Plänen sowie die Überprüfung kooperativer Governance-Formen strategischer Planungsprozesse mit unterschiedlichen Akteuren (öffentlich, privat, basisnah, ...). Ein besonderes Interesse gilt dabei den Formaten des koordinativen und kommunikativen Diskurses auf Stadtebene, um zu verstehen, ob und wie demokratische und deliberative Formen der Planung auf dieser Ebene funktionieren.Debatten über räumliche Gerechtigkeit in der Stadttheorie gehen von eher politisch-ökonomischen Ansätzen aus (Fischer 2009). Diese Arbeit wendet den "Diskursiven Institutionalismus" (Carstensen und Schmidt 2016) auf Planungsprozesse an, um die diskursiv orientierte kommunikative Dimension räumlicher Gerechtigkeit zu ergänzen und vor allem zu verstehen, was Gerechtigkeit in der Raumplanung bedeutet und wie Raumgerechtigkeit entsteht.

Betreuung:

Ao.Univ.Prof. Mag. Dr. Alexander Hamedinger, ISRA (Center of Sociology), TU ViennaArch. Univ. Prof. Aglaée Degros, Institute of Urbanism, TU Graz

Referenzen:

Allmendinger, P. and Graham, H. (2010). ‘Spatial Planning, Devolution, and New Planning Spaces’ Environment and Planning C, 28 (5), 803–818.
Fainstein, S. (2010). The just city. Ithaca: Cornell University Press.
Harvey, D. (1973). Social justice and the city. London: Arnold.

Fischer, F. (2009). Discursive planning: social justice as discourse. In P. Marcuse, et al. (Eds.), Searching for the just city: debates in urban theory and practice. London [a.o.]: Routledge.
Carstensen, M. and Schmidt, V. (2016). Power through, over and in ideas: conceptualizing ideational power in discursive institutionalism. Journal of European Public Policy, 23(3), 318–337.

Soja, E. (2010). Seeking spatial justice. Minneapolis, Minn. [a.o.]: University of Minnesota Pr.


Laufende Dissertationen

Smart Räume – Räumliche Smartness

Promotionsvorhaben

Radostina Radulova-Stahmer, Univ.-Ass. Dipl.-Ing. Architektin

Städtische Technologien (Informations- und Kommunikationstechnologien IKT) werden weltweit in Städten eingesetzt, um den aktuellen Herausforderungen wie Verstädterung, Erderwärmung, Umweltverschmutzung und Ressourcenknappheit zu begegnen. Vor dem Hintergrund globaler digitaler Technologisierungstendenzen der letzten zwei Jahrzehnte beschäftigt sich diese Dissertation auf einer urbanen Nachbarschaftsebene mit räumliche Rahmenbedingungen und räumliche Transformation im öffentlichen Raum. In der aktuellen Smart City (SC)-Literatur ist der Diskurs in zwei Denkrichtungen des Denkens gegliedert: eine ist technologieorientiert und die andere ist sozialorientiert. In diesem jungen Forschungsfeld fehlt die räumliche Dimension des urbanen Digitalisierungsprozesses. Dieses Dissertation trägt zu dieser Forschungslücke bei, indem es systematisch die räumlichen Schnittstellen und Wechselwirkungen zwischen physischem Stadtraum und den digitalen Technologien analysiert. Das spezifische Forschungsobjekt sind urbane SC-Projekte mit verschiedenen implementierten Technologien. Ziel ist es, "Verräumlichungsverzüge" von digitalen Technologien im urbanen Umfeld zu identifizieren, wie z. B. Postlogistik oder fortschreitende Car-Sharing-Möglichkeiten. Nach dem europäischen SC-Modell von Giffinger et al. Verschiedene städtische SC-Projekte mit besonderem Fokus auf die Schlüsselfelder Mobilität und Umwelt im deutschsprachigen Raum werden untersucht. Alle SC-Projekte umfassen Technologien, die in dichten städtischen Gebieten und in Städten mit mehr als 300.000 Einwohnern umgesetzt werden. Im Rahmen der PhD-Forschung dienen die identifizierten "Verspätungen bei der Verräumlichung" der zukünftigen Stadtplanung, um nicht nur den technischen und sozialen Komfort zu verbessern, sondern auch eine robuste räumliche Verbesserung der Qualität im öffentlichen Raum zu gewährleisten.

Betreuung:

Prof. Markus Neppl, KIT
Prof. Aglaée Degros, TU Graz