ECR Energy City Graz-Reininghaus

Urbane Strategien für Neukonzeption, Bau, Betrieb 
und Umstrukturierung des energieautarken Stadtteils Graz-Reininghaus

10/2009 bis 12/2014

Abb.: Graz-Reinighaus im Kontext der Stadt, Foto: Stadt Graz, Bearbeitung: Institut für Städtebau

Rahmenplan Energie Graz-Reininghaus

Die Erarbeitung des Rahmenplans Energie Graz-Reininghaus umfasste folgende Arbeitsschritte und Ziele:

  • Potenzialermittlung (Betrachtung relevanter rechtlicher, energietechnischer und technologischer Rahmenbedingungen zur Erstellung eines Energiekonzeptes für Graz-Reininghaus)
  • Untersuchung der energietechnischen Autonomie bzw. Autarkie
  • Initiierung und Begleitung des Entwicklungsprozesses für den energieoptimierten nachhaltigen Stadtteil Graz-Reininghaus
  • Grundlagen für Verankerung von übertragbaren energetischen Zielwerten zwischen der Stadt Graz und zukünftigen Investoren am Standort
  • Energetische Zielwerte für die Integration in lokale Pläne (Stadtteilentwicklungskonzept Graz-Reininghaus und Bebauungspläne der 20 Stadtquartiere, FLÄWI, STEK) Handlungsempfehlungen für zukünftige energieoptimierte Stadtteilentwicklungen in Graz und der Steiermark
  • Wissensbasis für zukünftige energieoptimierte Stadtentwicklungen in der Steiermark

Die Pionierarbeit des ECR-Projektes liegt nicht nur in der Konzeption des Rahmenplans Energie und der Initiierung von Demonstrationsbauvorhaben, sondern auch in der Vernetzung von Verwaltung, Forschung und Wirtschaft

Abb.1: Methodische Vorgangsweise im Projekt, Grafik: ECR-Forschungsteam

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Synergie durch Vernetzung

In Graz-Reininghaus soll ein Stadtteil der kurzen Wege entstehen. Die angestrebte Nutzungsmischung von Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Erholung ermöglicht die Vernetzung verschiedenartiger energietechnischer Potenziale mit lokalen Verbrauchern, z.B. die Nutzung von Industrieabwärme für Raumheizung und Brauchwarmwasserbereitung von Wohn- und Büronutzungen. Durch diesen Ansatz entstehen vernetzte Systeme, für die nicht die Systemgrenze eines Gebäudes, sondern die Systemgrenze eines Stadtteils (Gebäudeverband) ausschlaggebend ist.

Abb.2: Systemansatz „Synergie durch Vernetzung“, Grafik: ECR-Forschungsteam

Der Ansatz der Vernetzung von Gebäuden als nachhaltige Energielieferanten wurde untersucht, indem zentrale Versorgungslösungen semizentralen und dezentralen vernetzten Möglichkeiten gegenübergestellt wurden. Folgende Aspekte wurden betrachtet:

  • Energieverbrauch für Wohnbau und Gewerbe
  • Energieverteilung durch Netze
  • Energietechnische Vernetzung mit umliegender Industrie
  • Relevanz der Bebauungs- und Anschlussdichte
  • Potentiale thermischer Solarnutzung
  • Potentiale photovoltaischer Solarnutzung
  • Potentiale der Geothermie
  • Kühlenergiepotenzial vorhandener Kühlkeller
  • Einbindung von Blockheizkraftwerken
  • Potential zur energietechnischen Autonomie
  • Potential zur energietechnischen Autarkie
  • Einspeisung in kommunale Netze Wirtschaftlichkeit verschiedener Energieträger

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Dreidimensionales Entwicklungsszenario

Als Basis für die Erstellung eines städtebaulichen Konzeptes und den Vorschlag einer möglichen Bebauungsstruktur dienten der Rahmenplan Graz-Reininghaus und der Flächenwidmungsplan von Graz-Reininghaus (Stand 28.02.2013). Der Rahmenplan teilt das Stadtentwicklungsgebiet Graz-Reininghaus in mehrere Quartiere.
Nach der Analyse des städtebaulichen und energietechnischen Bestandes und der Entwicklung einer Baumassenverteilung wurde ein möglicher Bauphasenplan erstellt. Die Ermittlung der Anzahl der möglichen BewohnerInnen erfolgte auf Basis der Auswertung der Ausschreibungen von stattgefundenen Grazer und österreichischen Architekturwettbewerben.

Abb.3: links: Bauphasen, rechts: Bebauungsstudie, Pläne: Institut für Städtebau

Um das neue Stadtgebiet mit der bestehenden umgebenden Baubauungsstruktur zu verweben, erfolgt eine schrittweise Entwicklung vom Rand des Gebietes aus. Die südlichsten und nördlichsten Quartiere sind die ersten in Umsetzung befindlichen Stadtbausteine von Graz-Reininghaus.

Abb.4: Visualisierung Bebauungsstudie, Bauphase 1, Plan: Institut für Städtebau. Visualisierung: ht-vis
Abb.5: Visualisierung Bebauungsstudie, Bauphase 9, Plan: Institut für Städtebau, Visualisierung: ht-vis

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Demobauvorhaben Plusenergieverbund Reininghaus Süd

Im Süden der Peter Rosegger Straße errichtete die Firma WEGRAZ und die Firma Aktiv Klimahaus GmbH in vier Bauabschnitten ein städtisches Wohnquartier als ersten Stadtbaustein in Graz-Reininghaus mit 143 Wohneinheiten. Die 12 kompakten, bis zu fünfgeschossigen Häusern in nachhaltiger Holz-Lehmbauweise des Plusenergieverbundes liegen im südlichen Teil der Liegenschaft und sind durch einen multifunktionalen, zweigeschossigen Büro- und Geschäftskomplex von der Straße abgeschirmt.

Das Demonstrationsbauvorhaben des Plusenergieverbundes Reininghaus Süd zeigt eine wirtschaftlich umsetzbare, technisch und organisatorisch innovative Lösung für Plusenergieverbundkonzepte der Zukunft auf. Der Plusenergieansatz findet dabei nicht auf Ebene des einzelnen Gebäudes, sondern innerhalb eines multifunktionalen Gebäudeverbundes statt. Das einzelne Gebäude wandelt sich vom Energieverbraucher zum Energieerzeuger (Eigenversorgung mittels „Energiepfählen“ und Photovoltaikmodulen). Synergien der „Punkthäuser“ untereinander und Synergien mit dem vorgelagerten Büro- und Geschäftskomplex optimieren das System weiter.

Abb.6: Demobauvorhaben Plusenergieverbund Reininghaus Süd, Foto: © Martin Grabner

Das Demobauvorhaben Plusenergieverbund Reininghaus Süd wurde von der Österreichischen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen einer TQB (Total Quality Building) Zertifizierung unterzogen, mit dem ÖGUT (Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik) Umweltpreis 2013 und mit klimaaktiv Gold, dem Gütesiegel für nachhaltiges Bauen des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, ausgezeichnet. Außerdem war das Projekt für den Österreichischen Klimaschutzpreis 2014 nominiert.


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Kontakt
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Ernst Rainer
Dipl.-Ing.

Institut für Städtebau
Rechbauerstraße 12
8010 Graz

Tel.
+43 (316) 873 - 6789
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Donnerstags 17:00-20:00 Uhr; Institut f. Städtebau
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