Aktuelle Tendenzen Praktische Denkmalpflege

Kann man die Zeit rückwärts bauen?

Die zunehmende gesellschaftliche Forderung nach Rekonstruktion von historischen Bauten oder sogar Stadtteilen ist eine deutlich sichtbare Erscheinung unserer Zeit. Beispiele, wie die Rekonstruktion der Frankfurter Altstadthäuser, des Berliner Schlosses, der Dresdner Frauenkirche oder die Diskussion um die Rekonstruktion der Berliner Bauakademie, machen dies deutlich. Erst im Dezember 2019 erregte der Wunsch nach Rekonstruktion des Portikus der Grazer Oper, der nach dem zweiten Weltkrieg aufgrund einer Beschädigung durch einen Bombenangriff abgerissen wurde, wieder mediale Aufmerksamkeit.

Darum stellen wir uns folgende Fragen:

Leben wir trotz rasanten technischen Fortschritts in einer Zeit der Rückwärts-Gewandtheit? Suchen wir unsere Identität in der Vergangenheit? Geht es um einen Verlust, den die Nachkriegsgeneration noch nicht wahrnehmen konnte? Lässt sich das, was in den Bombennächten geschehen ist durch Rekonstruktion wegwischen? Ist es ein legitimes Verlangen, vergangene Identität wiederzugewinnen, ein Verlangen, das die moderne Architektur nicht leisten kann? Ist die Rekonstruktion als Abrechnung mit der Moderne zu verstehen? Ist Rekonstruktion eine Form der Geschichtskorrektur oder nur ein einfaches Bedürfnis nach Romantik, das befriedigt werden will?

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Aktuelle Tendenzen Praktische Denkmalpflege
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UE
WS
Vortragende/r
Murnig
Alois