GAD Awards 10

Programm

Werkvortrag
Markus Peter
| MeiliPeter Architekten | Zürich, München (CH/DE)
Donnerstag 14. Oktober 2010  um 19.00 Uhr
Alte Technik, Rechbauerstraße 12, HS1

PreisträgerInnen

Johannes Pointl // 1. Preis

(B)XL Megalomanie und der politische Raum in der europäischen Hauptstadt Brüssel

Als Hauptstadt der Europäischen Union ist Brüssel heute an dem Ziel angekommen, nach dem es seit über 150 Jahren strebte. Das kontemporäre Stadtbild ist durch eine Anhäufung von monumentalen Bauwerken geprägt, welche die größenwahnsinnige Geschichte einer Stadt und ihrer Suche nach Identität manifestieren. (B)XL erzählt von dieser Identitätsfindung seit der Entstehung der Stadt, enthüllt die dahinter steckenden Akteure und zeigt die konfliktreiche soziale Geographie als Resultat dieser Entwicklung. Parallel zu dieser empirischen Analyse beschäftigt sich die Arbeit in essayistischer Form mit der kritischen Handlungsweise des Planers im politischen Raum. In einem Bekenntnis zur Diskontinuität der Europäischen Stadt wird diesem großartigen Spektakel, welches Brüssel verkörpert, ein weiterer Baustein hinzugefügt, der nicht durch Anpassung, sondern durch Gegenüberstellung geprägt ist. Der politische Raum wird in (B)XL als Handlungsraum verstanden, der abseits von ikonographischen Gebäuden und überholten Ideen von Monumentalität, nicht der Repräsentation eines einzigen Gebäudes dient, sondern die städtischen Aktivitäten auf dem Niveau des Erdgeschoßes und damit das ganze Brüsseler Europaviertel in den Vordergrund rückt. Die Planung eines Rahmens für das Alltägliche stellt die wahre Vision der Stadtplanung dar.

Jury Feedback:
„Herr Pointl liefert eine sehr fundierte Forschungsarbeit, welche die Themen Bigness, Monumentalität und politischer Raum sehr gut beschreibt. (B)XL handelt von Intervention in großem Maßstab in der Hauptstadt Europas. Es zeigt einen Entwurf der sich mit dem Thema Dichte, Monumentalität und Fortsetzung der bestehenden politischen Bauten auseinandersetzt und diese sinnfällig ergänzt.“

Stefan Fink // 2. Preis

Im endlosen Raum des Wissens

Der österreichisch-amerikanische Architekt, Designer und Künstler Friedrich Kiesler leitete von 1937 bis 1942 das ‘Laboratory for Design Correlation’ an der Columbia University, an dem Architektur- und Designforschung auf Basis seiner Theorie des ‘Correalismus’ betrieben wurde. Kiesler erweist sich dadurch als Pionier der architektonischen Auseinandersetzung mit einer medialisierten und virtualisierten Informations- und Wissensgesellschaft. Insbesondere die ‘Raumstadt’, seine Stadtutopie aus dem Jahr 1925, erfährt eine Neubewertung als Schlüsselwerk einer ‘correalistisch’ verstandenen ‘Wissensarchitektur’. Diese erschließt ‘nichtmoderne’ Alternativen zu einem von der Moderne geprägten Architekturbegriff, der sich im Zusammenhang mit zeitgenössischen Aspekten einer ‘urbanisierten’ Umwelt und den entsprechenden Formen des Wissens als unproduktiv erweist.

Jury Feedback:
„Es handelt sich um eine höchstfundierte rein wissenschaftliche Arbeit, die sich mit dem Werk Friedrich Kieslers auseinandersetzt. Der Autor arbeitet einerseits den Forschungsstand zu Kiesler auf, analysiert dessen Projekte die er unter dem Kapitel „Das Wissen der Architektur“, „die Architektur des Wissens“ und „Wissensarchitektur“ gliedert. Das Ergebnis seiner Forschung zeigt die Arbeiten Kieslers in einem neuen Zusammenhang und fokussiert den correalistischen Ansatz von Kiesler in Bezug zu der Zeit in der Kiesler gewirkt hat und erklärt dessen historische Position.

Nina Valerie Kolowratnik // 3. Preis

Kafr’Inan – Bilder der Präsenz für eine Landschaft der Abwesenheit

Ein räumliches Wiederlesen der palästinensischen Flüchtlingsfrage
Um die bislang ausgeklammerte Frage der Rückkehr palästinensischer Flüchtlinge auf die politische Agenda zu bringen, muss die ideologisch festgefahrene Diskussion überwunden und auf eine greifbare Ebene gebracht werden. Eine Möglichkeit dies zu erreichen, bietet sich dem räumlichen Planer, indem er seine Umgebung mit dem Wiederlesen des Konflikts aus räumlicher Perspektive konfrontiert. Der Maßstab des Architekten dient hierbei nicht der detaillierten Planung sondern dazu, um Diskussionen zu provozieren und eine andere Zukunft vorstellbar zu machen. Rückkehr nach Israel bedeutet Rückkehr in eine räumlich veränderte Realität und in eine Landschaft der bewusst überschriebenen Vergangenheit. In diesem Kontext gibt die angewandte Methode des Mappings die Geographie des Ortes als komplexes Wirkungsfeld räumlich-politischer Kräfte zu erkennen. Die Erinnerung an den abwesenden Ort der Herkunft durchläuft den Filter der Gegenwart und liefert die Bilder für eine räumliche Strategie der Rückkehr.

Jury Feedback:
Die Arbeit muss als dringliche Aufforderung an das Berufsbild der ArchitektInnen gelesen werden: ArchitektInnen tragen auch politische Verantwortung! Die Verfasserin setzt sich ausführlich mit Herkunfts- und Zufluchtsort von Flüchtlingen in Palästina/Israel auseinander. Zitat: „ Was die Rückkehr palästinensischer Flüchtlinge räumlich impliziert und welche Aspekte diese heute beeinflussen, wird durch die stereoskopische Betrachtung zwei parallel existierender Orte der Flucht sichtbar.“ Die Arbeit endet nicht mit einem Lösungsvorschlag des Konflikts durch detaillierte Planung, sondern soll durch eine räumliche Sicht auf die Rückkehr palästinensischer Flüchtlinge in das heutige Israel neue Diskussionen provozieren und andere Zukunftsperspektiven eröffnen.

Englputzeder Michael // Sonderpreis

Kunsthaus Zürich – Versuch einer Standortbestimmung der Institution Museum anhand des Realisierungswettbewerbes zur Erweiterung des Kunsthauses Zürich

Um seine Bedeutung als führende nationale Kunstinstitution herauszustreichen und sich auch in einem internationalen Kunstgeschehen mit Nachdruck zu positionieren, hat die Institution Kunsthaus Zürich einen internationalen Architekturwettbewerb ausgeschrieben, der sich die bauliche Erweiterung des bestehenden Museums zum Ziel gesetzt hat. Das neue Ausstellungsgebäude der Institution Kunsthaus versteht sich als dialektische Architektur, die nicht Zeichen seiner selbst, sondern Antwort auf eine konkrete architektonische Problemstellung unter der Berücksichtigung von Forderungen seitens der Kunst und der Gesellschaft, aber auch seitens der Stadt, des Ortes, sein will.

Johannes Schlattau // Sonderpreis

Tabacalera.Sur

Die Diplomarbeit umfasst die städtebauliche Analyse des Viertels Tabacalera in Mexico D.F., sowie den Entwurf einer Mischbebauung mit 46.000m2 BGF auf einem 7000qm großen Grundstück des Viertels. Auf einer zweigeschoßigen Hochgarage findet sich eine Grünanlage umgeben von einem Gebäudekomplex mit unterschiedlichen Funktionen. Neben dem Wohnturm im hinteren teil des Grundstücks und dem langen, schmalen Büroriegel straßenseitig, bespielen eine Schule, ein Restaurant und eine Galerie den, dem Platz zugewandten, historisch interessanten Bestand.

Preisträger: Oliver Wildpaner // Tschom Wohnbaupreis

Solitaire

18 Solitaire besetzen das leicht abfallende Gelände der Liegenschaft. Sie versinken leicht im Boden. Außen massiv lösen sie sich im Inneren blockförmig auf. Von oben betrachtet scheinen sie die kleinteilige Struktur der umgebenden Einfamilienhaussiedlungen aufzunehmen. Jeder Solitaire stellt eine Nachbarschaft dar. Die Körper verteilen sich wie zufällig im gründurchzogenen Gelände. Wie Boote im Meer driften sie einmal enger aufeinander zu, ein anderes Mal treiben sie wieder weiter weg voneinander. Die frei anmutende Anordnung lässt kontrastreiche Zwischenräume entstehen: Plätze, Gassen, Engstellen, weite Parkflächen …

Eva Maria Hierzer // Hollomey Reisepreis

Grund der angestrebten Reise zur Vorbereitung einer Diplomarbeit ist die Untersuchung von Hausbesetzungen in drei spanischen Städten. Die Jury würdigt den sozialpolitischen Ansatz und die Herangehensweise an die Thematik.

Jury

Tina Gregoric // dekleva gregoric arhitekti, Ljubljana (SLO)
Markus Peter // MeiliPeter Architekten, Zürich, München (CH/DE)
Christoph Bürkle // Chefredakteurarchithese,VerlagsleiterNIGGLIVerlag, Zürich(CH)
Hemma Fasch // Fasch & Fuchs Architekten, Wien (AT )P

 

 

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