Stadthäuser. Ein Segment von Eisenerz als Möglichkeitsraum

Alexandra Isele

Eisenerz ist die von Schrumpfung am stärksten betroffene Stadt Österreichs. Die physische Struktur von Eisenerz stellt das Spielfeld dar, in welchem es die Besonderheiten der Stadt und Möglichkeiten der gegebenen speziellen Situation aufzuzeigen gilt. Die nicht beliebige Struktur der "Kastenhäuser", welche im Zuge der Entwicklung der Stadt entstandenen und eng mit der Geschichte und dem Charakter des Ortes verwoben ist, wird aufgezeigt und weiterbearbeitet. Das Potential des stark besiedelten und gut versorgten Kontextes, in welchem die leerstehenden Häuser angesiedelt sind, wird als Möglichkeit angesehen, diese mit der Umgebung zu verknüpfen und wieder zu füllen. In der Erdgeschosszone der "Kastenhäuser" werden alle Nahversorger, welche sich vorerst an der Straße auffädelten, konzentriert. Durch den Abriss der lose verstreuten Einzelgebäude zieht sich die Stadt zusammen. Das Stadtteilgefüge rückt Richtung Stadtzentrum und wird durch die Aktivierung der "Kastenhäuser" verdichtet. Der räumliche Zusammenhang alltäglicher Einrichtungen, welcher in schrumpfenden Städten oft verloren geht, wird wiederhergestellt. Ein kohärenter Raum, als Verbindungselement der umliegenden Bauten und ein Quartierszentrum entsteht. Dieser soll als Keimzelle soziale Interaktion fördern und zur Entwicklung des Stadtteils beitragen, leicht schrumpfend oder stabil. Das Konzept, welches die Obergeschosse der in Stadthäuser transformieren Kastenhäuser in die Zukunft führen soll, bewahrt die Hauptstruktur und Großzügigkeit der Räume und streicht dessen Flexibilität in der Nutzung heraus. Durch vertikale Zusammenlegung von sechs Zimmer-Küche-Wohnungen entsteht ein Segment mit 326m² und zusätzlichem Nebengebäude mit 120m². Zwei Segmente, gespiegelt in der Achse des Stiegenhauses, ergeben ein Stadthaus. Ausgangspunkt dafür ist der Überfluss an Raum, welcher in schrumpfenden Städten zu Genüge vorhanden ist und welcher großzügiger genutzt werden kann. Ein Segment ist ein großzügiges Angebot an die zukünftigen Nutzer gedacht, welche das Haus bewohnen, bespielen, bearbeiten und betanzen sollen. Der Mehrraum wird als Potential angesehen, welcher die Phantasie anregen und Startpunkt für die Entstehung neuer Lebensmodelle sein kann. Individuelle Ausformungen der Stadthäuser zeigen Möglichkeiten der architektonischen Transformation in Szenarien. Die baulichen Eingriffe variieren durch die Anpassung an die Lebens- und Arbeitsumstände ihrer potentiellen, zukünftigen Bewohner. Diese Protagonisten spiegeln eine optimistische Zukunftsvision von Eisenerz wieder, indem sie dem Leerstand eine neue, positive Deutung verleihen, der Stadt damit Möglichkeiten aufzeigen und ihr zu neuer Energie verhelfen. 

Die Diplomarbeit Stadthäuser. Ein Segment von Eisenerz als Möglichkeitsraum wurde vom Institut für Gebäudelehre (Andreas Lechner) betreut.